Real begräbt sein eFood-Angebot: „Nicht im erforderlichen Maße nachgefragt“

Vor drei Jahren hatte die Supermarkt-Kette Real noch ehrgeizige eFood-Pläne. Denn damals war nicht weniger geplant als ein bundesweiter Lieferdienst für frische Lebensmittel, nachdem erste Tests in Düsseldorf, Berlin und Stuttgart angelaufen waren. Doch aus diesem Vorhaben wird nun doch nichts mehr. Denn anstatt zu expandieren, begräbt Real in Kürze sein vorhandenes eFood-Angebot komplett.

Real Online-Shop
Der Lebensmittel-Shop von Real (Screenshot)

So wird Real seinen Online-Shop für frische Lebensmittel (siehe Abbildung) mit dem aktuellen Geschäftsjahr 2019/20 einstellen, das am 30. September endet. Und für diese Entscheidung gibt es gleich verschiedene Gründe.

„Zum Tagesgeschäft eines jeden Lebensmittel-Einzelhändlers gehört, dass Sortimente und Services auf den Prüfstand gestellt werden, die von Kunden nicht oder nicht im erforderlichen Maße nachgefragt werden“, argumentiert Real auf Nachfrage von neuhandeln.de. Und das überrascht. Denn zurzeit boomt im Internet an sich ja das Geschäft mit Lebensmitteln.

Denn in der Corona-Krise haben viele Verbraucher mehr Lebensmittel online bestellt, wie zum Beispiel eine Studie vom Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel (BEVH) besagt. Bei dem eFood-Startup Picnic zum Beispiel hat sich die Online-Nachfrage in der Corona-Krise mehr als verdoppelt.

Passend dazu wird der Lebensmittel-Lieferservice von Real jetzt aber auch nicht nur eingestellt, weil die Nachfrage nicht den Erwartungen entspricht. Denn Real trennt sich zudem von seinem eFood-Angebot, weil das Geschäft nicht die notwendige Profitabilität aufweist. Deshalb wurde der Lebensmittel-Shop auf den Prüfstand gestellt von der neuen Real-Geschäftsführung, die seit diesem Frühjahr im Amt ist.

Denn zu diesem Zeitpunkt hatte die Investment-Gesellschaft SCP eine Vereinbarung getroffen, um das komplette SB-Warenhausgeschäft der Handelskette Real von der bisherigen Konzern-Mutter Metro zu übernehmen. In diesem Zusammenhang hatte der neue Eigentümer bereits angekündigt, viele der 273 Real-Standorte veräußern zu wollen. Bereits vor dem endgültigen Abschluss im Juni wurden daher verbindliche Vereinbarungen mit Kaufland und Edeka zur Übernahme von 141 Märkten getroffen.

RealPro ebenfalls vor dem Aus

Für die verbleibenden Real-Filialen prüft SCP nach eigenen Angaben „weiterhin alle Optionen„. Wenn es aber immer weniger Real-Standorte in Deutschland gibt, ist zwangsläufig auch ein bundesweiter Liefer-Service vom Tisch. Denn kommissioniert werden die Online-Bestellungen der Kunden in Filialen, die sich in ihrer Nähe befinden. Für einen deutschlandweiten Liefer-Service fehlt Real zudem langfristig die Online-Plattform. Denn das aktuelle Online-Angebot Real.de will die Schwarz-Gruppe übernehmen, die das Portal perspektivisch einmal unter dem Namen ihrer Vertriebslinie Kaufland betreiben will.

Beliefert mit frischen Lebensmitteln werden Real-Kunden aktuell in einem guten Dutzend Städten und Regionen in Deutschland. In drei Städten können Kunden zudem Lebensmittel online bestellen und danach im Markt abholen („Click & Collect“). Nach so einem Muster konnten Verbraucher vor einigen Jahren auch bei vier Drive-In-Stationen mit dem Auto vorfahren und sich die Bestellungen in den PKW packen lassen. Diese Stationen wurden geschlossen, weil die Abholung in Märkten effizienter war.

Keine Zukunft hat übrigens auch das Kunden-Programm „Real Pro„, das ebenfalls Ende September eingestellt wird. Das kommt nun aber wirklich nicht überraschend. Schließlich konnte ja das Treue-Programm bereits zum Marktstart im vergangenen Herbst beim Praxis-Check nicht überzeugen.

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Über Stephan Randler 2796 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

1 Kommentar

  1. Ich bestelle seit Beginn von Corona regelmäßig alle zwei Wochen Lebensmittel bei real.de. An der Zuverlässigkeit gab es die gesamte Zeit nicht wirklich etwas auszusetzen. Die Lieferung erfolgte stets pünktlich.

    Obwohl ich in einer Großstadt wohne, sind die Lieferalternativen dünn gesät. Rewe ist seit Monaten nicht buchbar. Seit März gab es noch nie auch nur eine einzige Möglichkeit für ein Lieferfenster. Noch nie. Ob das an der hohen Nachfrage oder am zu geringen Angebot liegt, vermag ich nicht zu sagen. Und wirklich andere Lieferdienste, zumal verfügbare, gibt es nicht.

    Bei real.de überraschte die enorm hohe Verfügbarkeit. Praktisch immer waren sämtliche Lieferfenster buchbar. Hier ist eine recht geringe Nachfrage zumindest anzunehmen.

    Ich werde das Angebot vermissen. Definitiv. Die Auswahl war unschlagbar. Der Kundenservice, wenn es mal etwas zu reklamieren gab, sehr freundlich, sofort zu erreichen und äußerst kulant. Real.de war für mich ein Lebensmittellieferservice, wie er besser kaum hätte sein können. Er entsprach genau meinen Erwartungen.

    Das Ende von real.de war absehbar und überrascht mich nicht. Vermissen werde ich den Service dennoch.

    Noch ein Wort zur Profitabilität. Profitabel war der Dienst nach meiner Einschätzung nicht. Zwar gab es keine der üblichen wöchentlichen Aktionen, sprich alle Lebensmittel wurden normalerweise zum regulären Preis verkauft. Die Aktionen der Handzettel galten nur in den Filialen. Aber dafür gab es auch alle Produkte des Discountbereichs (TIP) zu bestellen.

    Die Lieferkosten lagen bei €5,95 oder €6,95. Damit musste aber die Logistik mit Lieferung innerhalb eines definierten Zeitfensters und bis an die Haustür abgedeckt werden, inklusive Leerguthandling. Die Lieferpauschale deckte diese Kosten kaum ab. Und die Margen im LEH sind eh niedrig.

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