BEVH-Präsident warnt: „Krise wirkt sich voll auf unsere Branche aus“

Wenn stationäre Geschäfte geschlossen sind, kaufen Verbraucher eben online. Dieser Gedanke liegt im ersten Moment zumindest nahe. Doch ganz so einfach lässt sich die Entwicklung im Handel momentan leider nicht auf den Punkt bringen. Denn auch im E-Commerce leiden Händler unter der Corona-Krise, wie der Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel (BEVH) nun in einer Studie ermittelt hat.

Gero Furchheim
Gero Furchheim (Bild: BEVH / Michael Gueth)

Laut einer Verbraucherbefragung haben Konsumenten im vergangenen März nämlich in Summe fast 20 Prozent weniger im Online- und Versandhandel ausgegeben als im März 2019. Stark eingebrochen ist der Online-Umsatz bei Bekleidung (-35,4 Prozent). Und selbst der Elektronik-Handel hat an Umsatz eingebüßt (-20,9 Prozent) – trotz erhöhter Ausgaben für das Home Office.

„E-Commerce ist heute ein normaler Einkaufskanal“, erklärt BEVH-Präsident Gero Furchheim (siehe Foto links). „Deshalb wirkt sich solch eine Krise in der Konsumstimmung voll auf unsere Branche aus.“

Was bedeutet: Auch online werden in der Krise vor allem solche Produkte gekauft, wo bereits in dem stationären Einzelhandel das Geschäft brummt. Bei Lebensmitteln, Drogerie-Bedarf, Medikamenten und DIY-Produkten hat daher der BEVH in diesem März „deutliche Zuwächse“ ermittelt. Weil aber bei diesen Sortimenten nach wie vor vergleichsweise wenig online umgesetzt wird, können Zuwächse hier den deutlichen Rückgang der Nachfrage bei umsatzstarken Kategorien wie Mode nicht ausgleichen.

Wie sich die Ausgaben der Konsumenten verändert haben, zeigt die folgende Tabelle. Neben der Entwicklung im ersten Quartal 2020 wird hier die Veränderung im März 2020 zusätzlich gesondert ausgewiesen, da in diesem Monat die Corona-Krise den Handel erst mit voller Wucht erwischt hat:

BEVH Umsatz E-Commerce
Die Tabelle zeigt die Entwicklung der Online-Umsätze (in Mio. Euro) in dem ersten Quartal 2020 sowie im März 2020 allein (letzte drei Spalten rechts); Quelle: BEVH

Die Verbraucherbefragung des BEVH deckt sich mit Aussagen einzelner Online-Händler. So hat sich zum Beispiel bei dem Online-Supermarkt Picnic die Nachfrage in der Corona-Krise verdoppelt, bei Zalando dagegen spürt man aktuell negative Auswirkungen auf den Umsatz. Kein Wunder. Denn bei Online-Supermärkten können Verbraucher nun Lebensmittel kaufen, ohne dass sie ein Geschäft besuchen müssen – wo es eventuell nicht alles gibt und das Risiko einer Corona-Infektion besteht. Mode aber kauft man nicht zuletzt, um damit unterwegs gut auszusehen – und weniger für sich allein zu Hause.

Um die Konsumausgaben im Online- und Versandhandel zu ermitteln, befragt der BEVH rund 40.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter ab 14 Jahren zu ihren Ausgaben. Bereits vor einigen Wochen hatte eine Umfrage des BEVH unter Händlern ergeben, dass diese mit Umsatzrückgängen rechnen – oder bereits konkrete Auswirkungen durch die Corona-Krise spüren. Dennoch sind die bisweilen drastischen Umsatz-Einbrüche für einzelne Versender immer noch besser als die Totalausfälle, die aktuell viele stationäre Händler durch die verordneten Ladenschließungen hinnehmen müssen.

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Über Stephan Randler 2630 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

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