Ikea beerdigt seinen Print-Katalog, um „digitaler und zugänglicher“ zu werden

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Vor zwei Jahren hatte der Otto-Versand seinen Hauptkatalog eingestampft, nun geht auch Ikea diesen Schritt. So gibt es ab dem nächsten Jahr keinen Ikea-Katalog mehr, über den der Möbel-Riese seit dem Jahr 1951 an seine Kunden verkauft hat. Doch nach 70 Jahren hat dieser Print-Klassiker nun ausgedient.

Ikea Katalog
Kataloge von Ikea (Bild: Ikea Deutschland)

Überraschend kommt das nicht. So sieht auch Ikea, dass sich das Verhalten und der Medienkonsum der Verbraucher verändert. Nach Angaben von Ikea Deutschland wurde daher der gedruckte Katalog immer weniger genutzt.

„Um für die Zukunft bestmöglich aufgestellt zu sein, wollen wir digitaler und zugänglicher werden“, argumentiert der Möbel-Händler auf Nachfrage von neuhandeln.de. Den Print-Katalog einzustellen, sei zwar eine „emotionale Entscheidung“. Diese Strategie ist aber trotzdem sinnvoll, da die Auflage laut Ikea Deutschland in den Jahren zuvor „stets weiter verkleinert“ wurde.

Im Gegenzug hat das Online-Geschäft zunehmend zugelegt. So hat Ikea Deutschland im vergangenen Geschäftsjahr 2019/20 (Ende: 31. August) den Online-Umsatz auf 861 Mio. Euro netto erhöht, was ein starkes Wachstum von gleich 74,3 Prozent bedeutet. Einige Kunden dürften aber auch online bestellt haben, nachdem sie zuvor im Katalog geblättert hatten. Welcher Umsatz im E-Commerce über den Katalog angestoßen wurde, verrät Ikea gegenüber neuhandeln.de zwar nicht. Aufpassen muss man dennoch, dass keine Online-Umsätze wegbrechen – wenn der Katalog als eine Inspirationsquelle fehlt.

Print-Abschied auf Raten: Otto zeigt, wie man es macht

Ikea hält dagegen, dass man Menschen jetzt über andere Kommunikationsmittel erreiche und weiter nach Wegen suche, um Produkte und Lösungen zu verbreiten. In Testländern habe man dazu bereits zwei Jahre Erfahrungen sammeln können, als Kataloge nicht mehr flächendeckend verbreitet wurden.

Völlig aus dem Nichts kommt daher der Katalog-Abschied nicht. Und das weckt erneut Erinnerungen an den Otto-Versand. Denn auch die Hanseaten hatten das Katalog-Aus entsprechend vorbereitet. Nach dem Ende des Katalogs wurden daher zunächst weiter kleine Spezial-Kataloge zu Sonderthemen und einzelnen Sortimenten an die Kunden geschickt, die zuvor noch viel über den Katalog bestellt hatten.

So konnte Otto weiter Impulse setzen bei Verbrauchern, für die Print-Anstöße noch wichtig waren. Seit dem Ende des Print-Katalogs vor zwei Jahren wurden die Print-Aktivitäten aber weiter reduziert. In der Zwischenzeit hätten nämlich auch die klassischen Print-Kunden – in der Regel Frauen im gesetzten Alter ohne PC und Internet – gelernt, dass sie online bei Otto über Freunde oder Bekannte bestellen können.

Otto Umsatz
Die Umsatz-Entwicklung von Otto in den vergangenen Jahren (Quelle: eigene Angaben in Mrd. Euro)

Eine Umsatzdelle hat das Katalog-Aus beim Otto-Versand daher nicht verursacht. Im Gegenteil. Weil die Hanseaten zunehmend ihr Online-Sortiment ausbauen und ihren Shop zu einem Marktplatz ausbauen, hat Otto im vergangenen Geschäftsjahr 2019/2020 (Ende: 29. Februar) seinen Netto-Umsatz um neun Prozent zum Vorjahr gesteigert, so dass in den Büchern ein Wert von 3,5 Mrd. Euro steht (siehe Grafik).

Der erste Ikea-Katalog war 1951 in Schweden erschienen, in Deutschland ist Ikea seit 1974 vertreten.

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Über Stephan Randler 2927 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.