Trotz Neuerungen: Otto-Marktplatz ist noch keine Amazon-Alternative

Seit Frühjahr 2017 verfolgt der Otto-Versand eine Marktplatz-Strategie. Seitdem werden immer mehr neue Partner an das Online-Portal Otto.de angebunden, die anschließend ihre Produkte hier zum Kauf anbieten können. So wollen die Hamburger ihr Sortiment erweitern und für Verbraucher attraktiver werden. Um mehr Angebot und Partner auf das Portal zu bekommen, setzt Otto auf neue Services.

Otto Market
Otto will mehr Händler gewinnen (Bild: Otto)

So können sich interessierte Händler zum einen jetzt selbst für den neuen „Otto Market“ registrieren, wenn sie bei Otto.de verkaufen wollen. Bislang wurden Partner manuell von Otto aufgeschaltet. Durch den neuen Self-Service sollen Partner bereits nach zwei bis drei Tagen ihre Ware online bei Otto.de verkaufen, bislang hatte es bis dahin mehrere Wochen gedauert.

Geschwindigkeit ist aber nur ein Aspekt. Denn durch den neuen Self-Service will Otto prinzipiell auch mehr Partner online bekommen. Bislang verkaufen nämlich erst rund 500 Handelspartner online bei Otto.

Durch den neuen Self-Service sollen in diesem Jahr gleich weitere 1.000 Partner dazu kommen. Das ist aber immer noch ein überschaubarer Wert. Zum Vergleich: Auf Amazon.de waren im Jahr 2018 mehr als 300.000 Handelspartner aktiv. Allerdings unterscheiden sich auch die Plattform-Ansätze. Zwar ist bei Otto nun möglich, dass sich interessierte Handelspartner selbst anmelden. Jeder darf aber auf der Plattform trotzdem nicht verkaufen. Denn gesucht werden zum einen nur Partner in Kern-Kategorien wie Mode, Wohnen und Elektronik. Zum anderen sind bestimmte Produkte verboten, die gegen die eigenen Werte verstoßen. Bei Mode ist das etwa bei Jeans der Fall, wo Sandblasting verwendet wird.

Partner dürfen nur drei Kernsortimente anbieten

Ein ernsthafter Amazon-Konkurrent wird Otto aber nur, wenn die Partner mehr Spielraum bekommen. Schließlich steht Amazon dafür, dass Kunden hier quasi alles bekommen – ob nun von Amazon selbst oder Partnern. Gerade durch den Fokus auf die Otto-typischen Kernsortimente Wohnen, Mode und Technik bleiben aber Partner für andere Kategorien wie Lebensmittel, Drogerie-Bedarf, Spielwaren oder Medien außen vor. Gerade Güter des täglichen Bedarfs wollte aber Otto ja ursprünglich auch auf die Plattform bekommen, um so das eigene Angebot zu ergänzen. So hieß es zumindest beim Start.

Bei einer anderen Neuerung geht Otto dafür in die richtige Richtung. Denn Partner verkaufen bei Otto nun auf eigenen Namen und Rechnung. Dadurch wird für Kunden sichtbar, dass verschiedene Anbieter auf der Plattform aktiv sind. Denn bislang wurde Ware von Partnern per Dropshipping im Namen von Otto geliefert. Dazu kommt: Bisher haben Partner solche Produkte angeboten, die Otto nicht selbst im Sortiment hatte. Nun dagegen verkaufen Partner auch erstmals Produkte, die Otto bereits anbietet.

Otto Marktplatz
Für das Blaupunkt-Radio gibt es mehrere Angebote, unter denen Kunden wählen können (Screenshot)

Auf Produktseiten werden daher mehrere Angebote gelistet, wenn verschiedene Händler einen Artikel anbieten (siehe Abbildung). Dadurch kommt es auf Artikelebene zu einem Preiswettbewerb, der unterm Strich gut für den Kunden ist. Denn mehr Konkurrenz bedeutet bessere Preise. Und ein guter Preis ist für Kunden genauso entscheidend wie eine große Auswahl und die schnelle Lieferung. Wenn jetzt noch mehr Partner verkaufen und das Sortiment breiter wird, hat der Otto-Marktplatz gute Perspektiven.

Wer bei Otto verkaufen will, braucht dafür unter anderem eine deutsche Unternehmensrechtsform als auch eine deutsche Umsatzsteuernummer und ein Warenlager in der Bundesrepublik. Handelspartner zahlen eine monatliche Grundgebühr sowie eine Provision, wenn ein Artikel verkauft wurde und nicht retourniert wird. Konditionen beziffert Otto auch auf Nachfrage nicht, stellt aber ein „marktadäquates Niveau“ in Aussicht. Im Gegenzug können Partner an rund 7,5 Mio. aktive Otto-Kunden verkaufen.

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Über Stephan Randler 2453 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.