„Großes Investment“: Rakuten will mit Club-Programm punkten

Kunden-Programme liegen voll im Trend. So eifern immer mehr Versender nun Amazon samt seinem Prime-Programm nach und starten vergleichbare Angebote, um Kunden an sich zu binden. So gibt es für Verbraucher jetzt nicht nur eine Mitgliedschaft im Media-Markt-Club, sondern alternativ auch das „Plus“-Programm von eBay, die Kunden-Card bei Saturn oder das Service-Füllhorn „Zet“ von Zalando.

Rakuten Club
Der neue Club (Bild: Rakuten)

Ganz frisch am Markt ist seit wenigen Tagen wiederum der Club Rakuten, der sich an Kunden des Online-Marktplatzes Rakuten.de in Deutschland richtet. Hier können Kunden nun für 19,90 Euro im Jahr „auch ein wenig Prime-Feeling“ erhalten, wie die Rakuten Deutschland GmbH schwärmt.

Denn der zentrale Vorteil für Kunden im brandneuen Rakuten-Club besteht darin, dass Verbraucher alle Produkte ohne Versandkosten geliefert bekommen und sämtliche Artikel kostenfrei retournieren können. Das gilt für Einkäufe bei allen Rakuten-Händlern, nur bei Speditionsartikeln nicht.

Zum Vergleich: Prime-Kunden von Amazon erhalten versandkostenfreie Lieferungen nur bei Artikeln, die entweder von Amazon selbst stammen oder durch Amazon verschickt werden. Wenn Drittanbieter auf Amazon.de ihre Ware selbst versenden, gibt es daher keinen Prime-Vorteil für Kunden. Beim Kunden-Programm „eBay Plus“ wiederum können nur Artikel von solchen Händlern kostenfrei geliefert werden, die bei diesem Online-Marktplatz als „Verkäufer mit Top-Bewertung“ ausgezeichnet sind.

Diesen Ansatz habe Rakuten nun aber vermieden, um Händlern nicht eine zusätzliche Last aufzubinden. Der „Rakuten Club“ sei vielmehr aus Kundensicht konzipiert, wie Rakuten gegenüber neuhandeln.de argumentiert. Händlern entstehen deshalb keine weiteren Kosten durch den Start des „Club Rakuten“. Der Marktplatz-Betreiber nehme demnach zwar ein „großes Investment“ vor, wenn er den Versand für seine Händler zahlt. Bei anderen Online-Marktplätzen aus dem Rakuten-Konzern hätten vergleichbare Programme aber bewiesen, dass die Kundenbindung durch solche Treue-Programme gestärkt wird.

Im Vergleich zu „eBay Plus“ wirkt der „Club Rakuten“ daher attraktiver – auch weil beide Programme mit 19,90 Euro im Jahr gleich viel kosten, Club-Mitglieder bei Rakuten im Gegensatz zu Plus-Kunden von eBay aber eben alle Produkte ohne Porto erhalten. Auch den Vergleich zu „Amazon Prime“ muss Rakuten nicht scheuen. So gibt es für Prime-Mitglieder zwar auch kostenlose eBooks und eine Online-Videothek. Der „Club Rakuten“ bietet aber ebenfalls weitere Vorteile. So können Mitglieder zum Beispiel ausgewählte Filme kostenlos streamen, die auf dem hauseigenen Video-Portal Rakuten.tv erhältlich sind. Dazu ist der Club-Beitrag mit 19,90 Euro im Jahr günstiger als eine Prime-Mitgliedschaft (69 Euro).

Für Bestandskunden könnte der „Club Rakuten“ also durchaus eine tolle Sache werden. Doch ob das Programm auch reicht, um neue Kunden zu akquirieren? Das Kernproblem von Rakuten.de wird durch den Club jedenfalls nicht gelöst. Denn nach wie vor fällt das Sortiment auf Rakuten.de überschaubar aus, wo derzeit 7.000 Händler verkaufen. Zum Vergleich: Bei Amazon.de waren zuletzt rund 55.000 Händler aktiv, wie Amazon-Experte Mark Steier in seinem Blog Wortfilter.de herausgefunden hat. Wenn Kunden woanders mehr bekommen, dürfte sie auch der „Rakuten-Club“ kaum locken.

Vor sechs Jahren hatte das japanische Online-Unternehmen Rakuten das deutsche Shopping-Portal Tradoria übernommen und anschließend in Rakuten.de umbenannt, um aus diesem Web-Portal den führenden Online-Marktplatz in Deutschland zu formen. In Japan ist Rakuten bereits seit 1997 aktiv.

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