Filialexpansion: MyParfum plant bis zu 240 Niederlassungen

Seit Herbst 2013 betreibt der auf Mass Customization spezialisierte Online-Händler MyParfum bereits in Berlin ein eigenes Geschäft. Nun will der Anbieter von individuellen Düften seinen Service bundesweit anbieten, kooperiert dazu allerdings mit stationären Handelspartnern:

MyParfumBildquelle: Screenshot

„Auch in der Parfümerie vor Ort sollen Kunden zukünftig die Möglichkeit erhalten, sich ihr persönliches Parfum-Unikat kreieren zu lassen. Denn mit der Integration von MyParfum können Partner-Parfümerien ihren Kunden einen zusätzlichen, exklusiven Service anbieten. Das Parfüm wird vor Ort in einem persönlichen Beratungsgespräch erstellt. Das Know-how und die Ausstattung stellt MyParfum. So können die etablierten Parfümerien ihre Kunden auch langfristig an sich binden, ihr Markenprofil schärfen und einen Service anbieten, den Wettbewerber oder der preisgetriebene Onlinehandel nicht bieten können.“

Der Online-Händler will also keine eigenen Filialen eröffnen, sondern über eine Shop-in-Shop-Kooperation bei etablierten Parfümerien aufschlagen. Das ist nicht nur sinnvoll, weil die Partner von MyParfum ihren Kunden vor Ort einen Mehrwert bieten können. Interessant ist das Multichannel-Konzept vor allem, weil der Online-Händler ohne Investitionen in eigene Filialgeschäfte und zusätzliches Personal schnell bundesweit vor Ort verkaufen kann.

Individuelle Düfte sind zudem ein erklärungsbedürftiges Produkt, das sich vor Ort generell besser verkaufen lassen könnte als im Online-Handel – auch wenn der Online-Händler seit dem Start im Jahr 2008 nach eigenen Angaben immerhin schon 3,5 Mio. Euro mit individuell gemixtem Parfum umsetzen und 88.000 Kunden von diesem Konzept überzeugen konnte.

Interessant ist das Multichannel-Konzept nicht zuletzt auch, weil MyParfum im stationären Einzelhandel sein ganzes Sortiment präsentieren kann. Viele Online-Händler expandieren in die Fläche, wo sie dann nur ein Rumpfsortiment ihres Angebots präsentieren können und damit einen zentralen Vorteil gegenüber rein stationären Anbietern – ihr meist umfangreicheres Sortiment – wieder sinnlos verspielen. Bei MyParfum gibt es dagegen keine Brüche beim Sortiment in den einzelnen Vertriebswegen, denn Kunden können sich die individuellen Düfte in Filialen genauso gut mischen lassen wie bei einer Bestellung durch den Online-Händler.

Es scheint daher durchaus plausibel, dass MyParfum bereits konkrete Gespräche mit Parfümerieketten führt und in den nächsten Jahren bis zu 240 Partner-Filialen eröffnen will.

Neu ist die Idee allerdings nicht. Der Online-Optiker Mister Spex kooperiert beispielsweise seit Herbst 2011 mit lokalen Partneroptikern, wo Kunden vor dem Online-Kauf einen Sehtest machen oder ihre online gekaufte Brille nachträglich anpassen lassen können. Auch hier profitieren beide Seiten: Mister Spex kann Kunden mehr bieten als reine Online-Händler. Die stationären Partner wiederum erzielen Zusatzumsatz, weil sie für Leistungen vergütet werden.

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Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr