Nachgefragt: Wie Kaufhof künftig mit Tablets verkaufen will

Eigentlich spricht man ja dann von Tablet Commerce, wenn Verbraucher gemütlich zu Hause mit dem iPad auf dem Sofa shoppen. Eine andere Variante ist allerdings, die Kunden in Filialen über Tablet-PCs bestellen zu lassen. Dieses Vorhaben will nun Galeria Kaufhof umsetzen:

GK-Mandac-TabletBildquelle: Galeria Kaufhof

„Ab Juli 2014 werden die Beratungs- und Verkaufsgespräche in den Filialen mithilfe von Tablets mobil ergänzt. Damit erweitert die Filiale ihre Sortimente um Produkte, die entweder ausverkauft sind oder die nicht zum üblichen Warenbestand dieser Filiale gehören. Die Produkte können wahlweise an die Wunschadresse des Kunden oder in die Filiale vor Ort geliefert werden. Für diesen innovativen Service werden rund 1.100 ElitePads der Firma Hewlett Packard in allen Filialen im Einsatz sein, die einen unmittelbaren Zugriff auf die Warenbestände der Filialen und von galeria.de ermöglichen sowie die sofortige Bestellung und Bezahlung in der Filiale.“

Auf Nachfrage von neuhandeln.de hat das Unternehmen noch weitere Details zur neuen Tablet-Strategie verraten. Demnach sollen Kunden die Tablets künftig auf einer Docking Station frei nutzen können. Gegebenenfalls kann ein Mitarbeiter das Gerät auch aus der Docking Station nehmen und sich zusammen mit dem Kunden auf der Verkaufsfläche bewegen.

Über die Tablets ist für Kunden der Zugriff auf den Online-Shop galeria.de möglich. Neben dieser Nutzeroberfläche für Kunden gibt es auch eine zweite Web-Variante mit mehr Funktionen, über die Mitarbeiter der Kaufhaus-Kette die aktuellen Filialbestände einsehen können. Andere Websites können Kunden übrigens nicht bei Kaufhof in Filialen aufrufen.

Für Tablets von HP – und beispielsweise gegen das Apple iPad – habe man sich entschieden, da man eine exklusive Entwicklung realisieren konnte, die Windows-basiert ist und somit gut mit den sonstigen Systemen von Galeria Kaufhof korrespondieren soll.

Im Geschäftsjahr 2013 hatte Kaufhof den Online-Umsatz auf 50 Mio. Euro verdoppeln können. Mittelfristig sollen zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Kaufhaus-Kette über E-Commerce wirtschaftet werden. Bei 3,4 Mrd. Euro Netto-Umsatz (2011) wären das rund 340 Mio. Euro.

Ob Kaufhof dieses Ziel mit seinem Geschäftsmodell erreichen kann? Multichannel-Handel ist jedenfalls in erster Linie ein Vertriebsmodell und nicht zwangsweise ein Erfolgsmodell. Denn wer in Filialen beispielsweise austauschbare Produkte bietet, riskiert unter Umständen, dass sich Kunden vor Ort in den Geschäften informieren und anschließend bei einem (günstigeren) Online-Händler kaufen. Nicht passieren kann das bei Eigenmarken, die auch Kaufhof führt. Im Sortiment des Multichannel-Händlers finden sich allerdings auch viele Fremdmarken.

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Über Stephan Randler 2134 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr