„Amazon Prime“: Ein Grund mehr für deutsche Kunden

Nach einer aktuellen Schätzung des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) wird heute bereits ein Drittel des ECommerce-Geschäfts in Deutschland über Amazon abgewickelt. Und viel spricht dafür, dass Amazon seine Marktmacht ausbauen kann. Denn der ECommerce-Riese lässt sich immer wieder etwas einfallen, um gerade seine Bestandskunden bei Laune zu halten – während viele Versender vor allem Erstbesteller mit Gutscheinen ködern und damit letztlich ihre Bestandskunden bestrafen, die von solchen Marketing-Aktionen nicht (mehr) profitieren.

Prime InfografikAmazon wertet sein Prime-Programm immer weiter auf (Bild: Amazon)

Der neueste Amazon-Coup: Wer Mitglied im Kundenbindungsprogramm „Prime“ ist, kann ab sofort die täglich wechselnden Akltionsangebote von Amazon 30 Minuten vor anderen Kunden bestellen. Damit sichern sich Prime-Kunden im Idealfall ein Schnäppchen, während andere Verbraucher leider leer ausgehen. Lesern von neuhandeln.de dürfte dieses Konzept bereits bekannt vorkommen, da Amazon in den Vereinigten Staaten seine Prime-Kunden bereits seit dem vergangenem Herbst jeweils 30 Minuten früher auf Aktionsangebote zugreifen lässt.

Die Geschichte lehrt ohnehin, dass Amazon neue Services für Prime-Mitglieder zunächst in den USA einführt und dann mit einer gewissen Verspätung auch in zusätzlichen Ländern verfügbar macht. So können Prime-Mitglieder in den USA zum Beispiel schon einige Jahre die Streams von Kinofilmen und Fernsehserien abrufen, während dieser Service in Deutschland erst seit Frühjahr 2014 angeboten wird. Die eBook-Flatrate von Amazon wurde ebenfalls zunächst in den USA angeboten, bevor der Service danach auch für deutsche Kunden verfügbar war.

So gesehen ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann deutsche Prime-Mitglieder im Rahmen ihrer Mitgliedschaft auch Musik streamen können. In den USA wird ein entsprechender Dienst unter dem Namen „Prime Music“ bereits seit einem Jahr angeboten, seit kurzem ist der Service auch in Großbritannien und damit erstmals überhaupt in Europa verfügbar. Ein zeitnaher Start in der Bundesrepublik von „Prime Music“ wäre vor diesem Hintergrund keine Überraschung.

Die Mitgliedschaft bei „Amazon Prime“ kostet derzeit 49 Euro im Jahr. Mitglieder bekommen Pakete versandkostenfrei zugestellt, was sonst bei Amazon erst ab einem Bestellwert von 29 Euro der Fall ist. Kunden können zudem kostenlos Filme und Serien im Video-Stream sehen. Dazu gibt es kostenlos ein eBook pro Monat für den hauseigenen eBook-Reader Kindle.

Laut der IFH-Schätzung hat Amazon im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,1 Mrd. Euro mit eigenen Verkäufen erzielt. Der Umsatz von externen Anbietern auf dem Online-Marktplatz sei von 4,7 Mrd. auf 6,2 Mrd. Euro gestiegen, womit in Summe bereits 31 Prozent des deutschen Online-Handels auf Amazon.de getätigt wurden. 2010 lag dieser Wert noch bei 19 Prozent.

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Über Stephan Randler 2265 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr