3 Thesen: Welche Folgen die eBook-Flatrate von Amazon hat

Amazon geht den nächsten logischen Schritt und bietet nun für gerade einmal zehn US-Dollar im Monat eine eBook-Flatrate an, dank der Kunden über 600.000 digitale Bücher ohne Aufpreis lesen können. Bislang gilt das Angebot zwar vorerst nur für US-Kunden. Im neuen Service steckt aber ordentlich Sprengkraft, so dass Amazon auch den deutschen Markt verändern könnte.

eBook-Flatrate von AmazonBildquelle: Screenshot

Zunächst einmal dürfte die eBook-Flatrate die folgenden unmittelbaren Folgen haben:

  • Amazon verschmilzt die eBook-Flatrate mit seinem Prime-Programm:
    Aktuell können Kunden bereits pro Monat ein eBook kostenlos aus der Bibliothek von Amazons hauseigenem eBook-Ökosystem Kindle ausleihen, wenn sie Mitglied im Kundenprogramm Amazon Prime sind. Das gilt sowohl für Prime-Mitglieder in den USA als auch Amazon-Kunden in Deutschland. Zum Start wird die eBook-Flatrate unabhängig vom Prime-Programm angeboten. Amazon dürfte das in erster Linie machen, um auch Gelegenheitskäufer verstärkt für sein hauseigenes Öko-System zu begeistern. Um Bestandskunden bei Laune zu halten und zusätzliche Mehrwerte zu bieten, wird Amazon die eBook-Flatrate aber wohl in sein Prime-Programm einbinden (eventuell für einen geringen Aufpreis). Für diese These spricht, dass Amazon beispielsweise in Deutschland seit diesem Frühjahr seinen Prime-Kunden gegen einen Aufpreis zusätzlich eine Video-on-Demand-Flatrate anbietet und US-Kunden seit kurzem kostenlos Musik streamen dürfen.
  • Amazon bringt die eBook-Flatrate demnächst auch nach Deutschland:
    Was in den USA funktioniert, überträgt Amazon meist auch auf den deutschen Markt. Ein typisches Beispiel für diese Vorgehensweise ist die Video-on-Demand-Flatrate, die bereits seit einiger Zeit in der Prime-Mitgliedschaft für US-Kunden enthalten ist und erst vor wenigen Monaten in das deutsche Angebot integriert wurde. Weil es auch in Deutschland bereits für Prime-Mitglieder ein Book pro Monat kostenlos aus der Kindle-Leihbücherei gibt, kann Amazon dieses Angebot mit einer Flatrate noch einmal sinnvoll aufwerten. Zwar mögen lizenzrechtliche Gründe und Bedenken der Verlage gegen eine eBook-Flatrate in Deutschland sprechen. Wer aber nicht mitzieht, ist draußen. Und das kann sich wohl ein Verlag bei der momentanen Marktmacht von Amazon nur schwer erlauben.
  • Amazon setzt seine Konkurrenten noch stärker unter Druck:
    Möglicherweise ist Amazon mit seiner eBook-Flatrate ein weitaus größerer Coup gelungen als man im ersten Moment vermuten mag. Denn eine Flatrate kann sich als ein mediengerechtes Geschäftsmodell erweisen, um eBooks endgültig im Massenmarkt zu verwurzeln. Bislang jedenfalls haben eBooks einen überschaubaren Marktanteil von knapp vier Prozent am gesamten deutschen Buchmarkt, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ermittelt hat (PDF-Studie). Das wundert mich nicht, da eBooks gerade für Gelegenheitsleser wenig interessant sind. So muss man zunächst in ein Lesegerät investieren, um nachher eBooks zu ähnlichen Preisen wie gedruckte Bücher kaufen zu dürfen. Eine eBook-Flatrate kann daher dafür sorgen, dass künftig mehr Verbraucher prinzipiell eBooks eine Chance geben. Schwer wird es daher für Konkurrenten wie die Tolino-Allianz, wenn sie weiter pro eBook die Hand aufhalten.

Diese drei wahrscheinlichen Folgen dürften wiederum weitere Konsequenzen nach sich ziehen. Denn letzten Endes wertet Amazon sein Angebot für Kunden durch die eBook-Flatrate deutlich auf und kann durch eine geschickte Integration in sein Prime-Programm künftig Bestandskunden noch enger an sich binden. So darf man die eBook-Flatrate beispielsweise sowohl auf Amazons Kindle-eReader und Tablet-PCs nutzen als auch über Kindle-Apps auf Fremdgeräten wie dem Apple iPad in Anspruch nehmen. Das kostenlose eBook pro Monat gibt es für Prime-Mitglieder dagegen nur, wenn sie auch einen eReader oder Tablet-PC von Amazon besitzen.

Prinzipiell also könnte Amazon über seine eBook-Flatrate nun Gelegenheitskunden anfixen und den Dienst in einem zweiten Schritt so in sein Prime-Programm einbinden, dass Kunden ohne Hardware von Amazon außen vor bleiben. Wer weiter günstig eBooks lesen will, braucht dann einen eReader oder einen Tablet-PC von Amazon, über die der ECommerce-Riese dann wiederum eigene Shopping-Angebote an seine Nutzer verkaufen kann.

Update (24. Juli; 19:30 Uhr): In Deutschland könnte Amazon die Buchpreisbindung das Geschäft mit der eBook-Flatrate erschweren – möchte man meinen. Laut dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels wäre ein Flatrate-Modell aber auch in Deutschland denkbar.

Schon gewusst? Jeden Freitag erscheint der kostenlose Newsletter von neuhandeln.de – so erhalten Sie alle Beiträge bequem in Ihr Postfach und verpassen keine Artikel mehr – hier geht’s zum Abo.

Über Stephan Randler 2288 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr