Ziele verfehlt: Otto-Versand beerdigt seinen Sportler-Shop „PlentyOne“

Der Otto-Versand trennt sich von seinem nächsten Online-Ableger. Denn E-Commerce-Geschichte ist jetzt auch der Sub-Shop „PlentyOne“, der auf das Geschäft mit Sportartikeln zugeschnitten war und von den Hanseaten vor drei Jahren gestartet wurde. Im Angebot waren neben Schuhen und Sport-Bekleidung daher auch Fitnessgeräte, Fahrräder sowie Zubehör wie Fitness-Tracker im Spezial-Shop.

PlentyOne Online-Shop
PlentyOne.de wurde eingestellt (Bild: Otto)

Mit diesem Nischen-Angebot wollte Otto zum einen davon profitieren, dass Sport-Bekleidung und Ausrüstung in den vergangenen Jahren nach eigener Beobachtung „einen deutlichen Image-Aufschwung“ erlebt hatten und daher stärker online nachgefragt wurden. Zum anderen wollten die Hanseaten über „PlentyOne“ aber auch an solche Kunden verkaufen, die sich zwar für Fitness-Produkte interessieren, diese aber nicht bei Otto kaufen oder kaufen wollen.

Dieses Vorhaben hat in der Praxis dann aber doch nicht funktioniert. Wer daher jetzt den Online-Shop der Marke „PlentyOne“ besuchen will, wird ab sofort weitergeleitet auf das Sport-Sortiment bei Otto unter Otto.de/Sport.

„Die von uns in das Konzept gesteckten Ziele ließen sich leider nicht erreichen“, argumentiert Otto auf Nachfrage von neuhandeln.de. „Nach einer Überprüfungsphase haben wir uns dann entschieden, das Konzept nicht weiterzuführen.“ Folgen für Mitarbeiter hat die Maßnahme nicht. Denn der Spezial-Shop wurde lediglich mit „Bordmitteln“ betrieben – also durch Mitarbeiter, die ohnehin schon für Otto tätig waren und das – trotz der Shop-Beerdigung – jetzt auch weiterhin sind. Welche Umsätze zuletzt über das Nischen-Angebot erreicht wurden, will der Otto-Versand gegenüber neuhandeln.de nicht verraten.

Sportler-Shop konnte bereits beim Start nicht überzeugen

Klar ist dafür aber: Wenn ein Spezial-Shop bei Otto nicht die wirtschaftlichen Erwartungen erfüllt, wird ein Angebot auch schnell mal wieder eingestellt. Denn nach diesem Muster verfahren die Hanseaten bereits seit Jahren, wenn sie zusätzliche Online-Angebote starten. Zu diesen gehören unter anderem noch die Spezial-Shops Schlafwelt.de (Start: November 2009; Sortiment: Matratzen) oder Cnouch.de (April 2014; Polstermöbel) und Naturloft.de (September 2014; Öko-Möbel). Auch mit diesen Shops will Otto solche Kunden erreichen, die nicht bei den Hanseaten kaufen oder kaufen wollen – weil ihnen die Marke vielleicht nicht gefällt. Generell werden solche Sub-Shops mit einem überschaubaren Aufwand betrieben. So gibt es die Produkte in der Regel bereits bei Otto, so dass kein eigener Einkauf nötig ist.

Zuletzt hatte der Otto-Versand einen neuen Sub-Shop gestartet, der auf den Online-Handel mit DIY-Artikeln zugeschnitten ist. So bieten die Hanseaten auf Otto-Baumarkt.de seit Herbst 2019 erstmals Werkzeug, Tapeten und Farben an, um bei solchen Produkten eine „bessere Sichtbarkeit im Netz“ zu erreichen. Zuvor wurde der Elektronik-Shop Ekinova geschlossen, das Matratzen-Portal Paul-Paula.de vom Netz genommen und mit Teppstore noch ein Teppich-Shop beerdigt. Hier gibt es eine Übersicht, welche Spezial-Shops bislang gestartet wurden und was aus den Nischen-Angeboten geworden ist.

Der Sportler-Shop „PlentyOne“ konnte mich aber nie überzeugen. Denn dem Spezial-Shop fehlte bereits zum Start ein klares Kundenversprechen und eine Aussage, wofür das Angebot denn nun steht – zum Beispiel: „Ihr Spezialist für Sportartikel“. Überraschend kommt das Aus daher für mich nicht wirklich.

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Über Stephan Randler 2786 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.