Ungewöhnliche Quartalszahlen: Zalando macht weniger Umsatz als zuvor

Von Zalando ist man ja eigentlich gewohnt, dass der Umsatz immer weiter steigt. Kein Wunder. Denn allein in den beiden vergangenen Geschäftsjahren 2020 und 2021 konnten die Berliner beim Netto-Umsatz jeweils deutlich über 20 Prozent zulegen. Daher lassen die Zahlen für das erste Quartal 2022 aufhorchen, die Zalando heute veröffentlicht hat. Denn hier steht ein Umsatzminus in den Büchern.

Robert Gentz
Co-CEO Robert Gentz (Bild: Zalando SE)

Konkret hat sich der Netto-Umsatz im ersten Quartal 2022 um 1,5 Prozent reduziert und ist damit auf einen Wert von 2,205 Mrd. Euro gesunken (siehe Grafik unten). Für diese Entwicklung nennt Zalando verschiedene Gründe. So hätten Inflation und höhere Kosten für Privathaushalte dazu geführt, dass sich Verbraucher bei Kaufentscheidungen vermehrt zurückhielten.

Im Vorjahresquartal hatte Zalando zudem ein außerordentlich starkes Wachstum erreicht. Damals war der Netto-Umsatz gleich um satte 46,8 Prozent gestiegen, so dass die Vergleichsbasis entsprechend hoch ist.

Dass sich der Umsatz im ersten Quartal 2022 reduziert hat, liegt aber auch an der Plattform-Strategie der Berliner. Das zeigt sich, wenn man den Wert der verkauften Ware betrachtet. Denn dieses Brutto-Warenvolumen (Gross Merchandise Volume) hat immerhin minimal zugenommen (+1 Prozent) und einen Wert von 3,18 Mrd. Euro erreicht. Davon wurde nun aber ein höherer Anteil über das Partner-Programm erwirtschaftet. Hier verkaufen externe Marken und Händler ihre Produkte bei Zalando.

Logistikkosten und Werbemaßnahmen belasten Ergebnis

Die Berliner berechnen dafür Provisionen und Service-Gebühren, die wiederum in den Netto-Umsatz einfließen. Diese Einnahmen fallen aber geringer aus als der Warenwert. Und diesen verbucht Zalando ja nur vollständig im Netto-Umsatz, wenn die Berliner selbst die Ware verkaufen. Wenn also bei einem gleichen Handelsvolumen mehr Ware über Partner verkauft wird, reduziert sich der Netto-Umsatz.

Gesunken ist zum Vorjahr auch das Ergebnis. So hat sich das bereinigte EBIT von zuvor 93,3 Mio. Euro auf -51,8 Mio. Euro verschlechtert, was Zalando unter anderem mit verstärkten Werbemaßnahmen und höheren Logistikkosten begründet. Für das laufende Geschäftsjahr 2022 bestätigt Zalando dennoch seine Prognose. So rechnen die Berliner nach wie vor mit einem Wachstum beim GMV von 16 bis 23 Prozent und einem Umsatzplus von 12 bis 19 Prozent – nun aber am unteren Ende des jeweiligen Zielkorridors. Das bereinigte EBIT soll ebenfalls weiterhin einen Wert zwischen 430 und 510 Mio. Euro erreichen – wenn auch hier nun am unteren Ende der Prognose. Denn für die ursprüngliche Prognose hatte Zalando mögliche negative Einflüsse durch den Krieg in der Ukraine noch nicht berücksichtigt.

Zalando Umsatz
Im ersten Quartal 2022 sinkt der Netto-Umsatz von Zalando (Grafik: Zalando SE)

Um seine Ziele erreichen zu können, will Zalando unter anderem sein Angebot anpassen und die Kosten pro Bestellung optimieren. Demnach soll das eigene Warenangebot für die kommende Herbst- und Winter-Saison an die veränderte Nachfrage der Kunden angepasst werden. So gab es im ersten Quartal 2022 zwar Zuwächse bei Textilien für Büro und Reisen. Zeitgleich war aber das Geschäft mit Jeans, T-Shirts und Unterwäsche rückläufig. Zalando will zudem in weiteren Märkten einen Mindestbestellwert für den kostenlosen Versand einführen. Das ist so zum Beispiel bei Zalando in Italien bereits seit drei Jahren der Fall. Hier zahlen Kunden ein Porto von 3,50 Euro bei einem Bestellwert unter 24,90 Euro.

„Wir sind von der Stärke unseres Geschäftsmodells überzeugt und ergreifen weitere Maßnahmen, um unsere Ergebnisse zu verbessern“, zeigt sich Robert Gentz (siehe Foto) zuversichtlich, der Zalando als Co-CEO führt. „Wir richten Zalando langfristig aus und haben unsere Flexibilität immer erfolgreich genutzt, um auf Herausforderungen zu reagieren und daraus besser und gestärkt hervorzugehen.“

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Über Stephan Randler 3041 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.