Wegen Plattform-Strategie: Otto zieht sich aus Russland zurück

Gerade erst hat es den Alpenwelt-Versand erwischt, schon wackelt der nächste Online-Shop der Otto-Gruppe. Konkret vor dem Aus steht dieses Mal der russische Länder-Shop der Kernmarke „Otto“, der voraussichtlich in diesem Sommer eingestellt wird. Entsprechende Pläne hat der Handelskonzern im Gespräch mit neuhandeln.de bestätigt. Demnach gibt es einen guten Grund für das Russland-Aus.

Otto Russland
Der russische Otto-Shop (Bild: Screenshot)

Denn aus Russland ziehen sich die Hanseaten zurück, weil sich der Konzern bei seiner Kernmarke „Otto“ auf seine Plattform-Strategie konzentrieren und daher verstärkt in das deutsche Online-Business investieren will.

Denn seit Frühjahr 2017 verfolgen die Hamburger eine neue Marktplatz-Strategie, um die Wachstumsdynamik zu erhöhen. So werden sukzessive neue Partner an den Online-Shop angebunden, die ihre Produkte dann auf Otto.de anbieten. So wächst das Sortiment im Schnitt jede Woche um 10.000 zusätzliche Produkte, was den Shop für Kunden immer attraktiver macht.

Auch durch seine neue Plattform-Strategie konnte Otto seinen Netto-Umsatz in Deutschland daher im vergangenen Geschäftsjahr 2017/2018 (Ende: 28. Februar) um 8,5 Prozent auf 2,96 Mrd. Euro erhöhen. Im Vergleich dazu wirkt das Russland-Geschäft überschaubar. Konkrete Zahlen nennt der Otto-Konzern zwar nicht. Die Russland-Aktivitäten der Otto-Marke werden aber in der „Otto Group Russia“ gebündelt, die im gleichen Zeitraum gerade einmal einen Netto-Umsatz von rund 276 Mio. Euro einfahren konnte.

Dabei hat aber nicht nur der Otto-Versand zum Geschäft beigetragen, sondern auch der Versandhandel der weiteren Konzernmarken Quelle, Bonprix und Witt. Im Russland-Umsatz enthalten ist zudem das Geschäft der Konzerntochter „eSolutions“, die Logistik-Dienstleistungen für andere Händler erbringt.

So gesehen macht es Sinn, den Russland-Shop einzustellen und das vorhandene Budget lieber in das Milliarden-Business in Deutschland zu pumpen. Was der Rückzug für die rund 1.500 Mitarbeiter in Russland bedeutet, kann der Konzern aktuell noch nicht abschätzen. Ziel sei, alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Denn während der Otto-Shop geschlossen wird, will der Konzern das Russland-Geschäft seiner Marken Bonprix und Witt weiter ausbauen. Für Quelle gibt es aber ebenfalls keine Zukunft in Russland, weil auch hier – wie bei Otto – nach eigenen Angaben die Umsätze überschaubar ausfallen.

Die beiden übrigen Versender-Marken Bonprix und Witt zählen dagegen zu den konzerneigenen „Fokus-Firmen“, in die der Otto-Konzern in den nächsten Jahren generell verstärkt investieren will.

Die Otto-Gruppe ist seit 1990 im russischen Markt aktiv. In Tver gibt es ein eigenes Versandzentrum, in dem Ware der Otto-Marken Otto, Quelle, Bonprix und Witt vorgehalten wird. Zudem wird über den rund 170 km von Moskau entfernten Standort auch das Fulfillment für externe Kunden abgewickelt.

Zuletzt hatte der Otto-Konzern seinen Spezial-Versender „Alpenwelt“ in Deutschland begraben, weil sich der Betrieb des Trachten-Shops nicht gelohnt hatte. Die Trachten finden Kunden daher nun bei Quelle.

P.S.: Verpassen Sie keine Beiträge mehr! Jeden Freitag liefert Ihnen unser Newsletter alle Nachrichten, Analysen und Insider-Infos der Woche kostenlos in Ihr Postfach. 4.536 Kollegen aus dem Versand- und Multichannel-Handel nutzen diesen Service schon, um up-to-date zu bleiben. Jetzt anmelden!.

Über Stephan Randler 2199 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr