Vorbild Amazon? Otto-Versand wächst mit neuer Plattform-Strategie

Der Otto-Versand hat das kürzlich abgelaufene Geschäftsjahr 2017/2018 (Ende: 28. Februar) mit einem Netto-Umsatz von 2,96 Mrd. Euro abgeschlossen. Das entspricht nicht nur einem Wachstum von 8,5 Prozent zum Vorjahr. Auch das Tempo hat nun wieder angezogen, nachdem die Hanseaten vor einem Jahr nur um sechs Prozent zulegen konnten. Befeuert wurde das Geschäft über mehrere Maßnahmen.

Marc Opelt Otto
Marc Opelt (Bild: Otto)

So erhalten Kunden seit dem vergangenen Geschäftsjahr einige Artikel schon am nächsten Werktag, wenn sie bis 20 Uhr bestellen. Zuvor musste man bis spätestens 13 Uhr bestellen, um eine Lieferung so schnell zu erhalten.

Für den neuen Liefer-Service lagert Otto bestimmte Bestseller zentral in Deutschland am Hermes-Standort in Thüringen. Wachsen konnten die Hanseaten zudem, weil erneut in TV-Werbung investiert wurde. Dazu wird der Online-Shop immer attraktiver, weil Otto sein Sortiment ausbaut. So finden Kunden auf Otto.de nun schon über 2,8 Mio. Produkte.

Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es erst 2,1 Mio. Artikel. Beim Sortimentsausbau profitiert der Versender von seiner Plattform-Strategie, die Otto seit dem vergangenen Geschäftsjahr 2017/2018 verfolgt. Dadurch werden sukzessive neue Partner angebunden, die Ware auf Otto.de anbieten. Die Ware wird dabei entweder direkt durch die Handelspartner verkauft oder per Dropshipping von Otto geliefert. Durch das steigende Sortiment bekommen Kunden im Online-Shop von Otto immer mehr Auswahl. Das macht den Online-Shop für Kunden relevanter – und damit auch für potenzielle Partner interessanter – wenn immer mehr Kunden wegen der steigenden Auswahl aufschlagen. Durch so eine Strategie konnte ja schließlich auch schon Amazon sein Marktplatz-Modell in Deutschland etablieren.

Nicht zuletzt durch die neue Plattform-Strategie konnte Otto über 1,8 Mio. neue Kunden gewinnen und die Zahl der aktiven Kunden auf 6,6 Mio. Verbraucher nach oben schrauben. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte sich die Zahl der aktiven Kunden deutlich geringer von zuvor rund sechs Mio. auf 6,1 Mio. aktive Kunden erhöht. Um das Plattform-Modell weiter voranzutreiben, investiert Otto allein im laufenden Geschäftsjahr 2018/2019 rund 100 Mio. Euro. So entwickeln die Hamburger unter dem Namen „Brand Connect“ zum Beispiel gerade eine Software, über die Partner ihre Verkäufe auf Otto.de tracken sollen.

Otto Umsatz
Bei Otto zieht das Geschäft seit Jahren an (Quelle: eigene Angaben in Mrd. Euro)

Solche Investitionen dürften das Ergebnis belasten. Dazu macht Otto allerdings auch auf Nachfrage von neuhandeln.de keine Angaben, nachdem es im Vorjahr eine Rendite im einstelligen Prozentbereich gegeben hat. Laut dem für Marketing zuständigen Otto-Vorstand Marc Opelt habe man aber „die Weiterentwicklung zur Plattform erfolgreich starten und wirtschaftlich positiv gestalten“ können. Generell sei das Ergebnis gut, wie es gegenüber neuhandeln.de heißt. Wachsen konnte Otto zudem, weil man den Online-Möbelmarkt gut erschlossen habe und heute mit Abstand der Marktführer sei.

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Über Stephan Randler 2101 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

5 Kommentare zu Vorbild Amazon? Otto-Versand wächst mit neuer Plattform-Strategie

  1. Hier noch das Statement von Otto:

    „9% Wachstum sind schon sehr ordentlich, schließlich wurde das Sortiment sukzessive in den vergangenen Monaten erweitert – und eben nicht auf einen Schlag von heute auf morgen. Da wir sowohl bestehende Sortimente vertieft sowie ganz neue Produkte dazu genommen haben ziehen sich auch die Artikelpreise über eine sehr breite Spanne.“

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