Spielwaren-Händler myToys.de schließt: Online-Shop und Filialen vor dem Aus

Die Otto-Gruppe beerdigt ihr Multichannel-Unternehmen myToys.de. Für diesen Schritt haben sich nun der Vorstand und die Gesellschaftergremien des Handelskonzerns entschieden. Vor dem Aus stehen daher jetzt sowohl die Verwaltung der myToys.de GmbH in Berlin als auch der Online-Shop der Otto-Tochter sowie die insgesamt 19 Ladengeschäfte, die momentan noch von myToys.de in der Bundesrepublik betrieben werden.

Sebastian Klauke
Sebastian Klauke (Bild: Otto-Gruppe)

„Natürlich ist uns diese Entscheidung äußerst schwergefallen“, betont Sebastian Klauke (siehe Foto), der im Vorstand der Otto-Gruppe für das E-Commerce-Geschäft zuständig ist. „Mit Blick auf das über Jahre defizitäre Geschäftsmodell blieb uns jedoch auch nach intensiver Prüfung keine andere Alternative.“

Dass die myToys.de GmbH aus Berlin jetzt keine Zukunft mehr hat, sei daher die Folge einer gründlichen Analyse der Geschäftsentwicklung. Laut dieser habe die Multichannel-Tochter aus Berlin seit Jahren nämlich „keine solide wirtschaftliche Performance und nachhaltige Rentabilität“ erreicht.

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen sprechen hier zunächst aber eine andere Sprache. Schließlich konnte die myToys.de GmbH aus Berlin im Geschäftsjahr 2020/21 (Ende: 28. Februar) den Netto-Umsatz nicht nur um knapp 22,6 Prozent auf 528,8 Mio. Euro ausbauen. Mit einem Wert von 9,7 Mio. Euro wurde außerdem ein Jahresüberschuss erzielt. In den Geschäftsjahren 2020/21 und 2021/22 konnte die myToys.de GmbH aber auch von Wachstumseffekten aus den Corona-Maßnahmen profitieren. So führten die Lockdowns in dem stationären Einzelhandel damals nach eigenen Angaben dazu, dass die Online-Nachfrage stark zunahm.

myToys.de Umsatz
Entwicklung der myToys.de GmbH ab dem Geschäftsjahr 2011/12 (Quelle: eigene Angaben in Mio. Euro)

Von den Lockdowns betroffen waren damals zwar auch die stationären Filialen von myToys.de. Doch diese spielen beim Geschäft nur eine untergeordnete Rolle, da die myToys.de GmbH ja traditionell den meisten Umsatz über den Versandhandel erzielt. Die fetten Corona-Jahre klammert die Otto-Gruppe bei der Analyse zudem aus. Zu Recht. Denn im Geschäftsjahr 2019/20 – also vor der Corona-Pandemie – wurde bei einem Netto-Umsatz von 431,4 Mio. Euro ein Jahresfehlbetrag von -27,9 Mio. Euro eingefahren. Ähnlich sieht die Entwicklung in früheren Jahren aus (siehe dazu auch die Grafik oben). Im Geschäftsjahr 2020/21 steht daher auch ein Verlustvortrag von -249,6 Mio. Euro in den Büchern – und ein Bilanzverlust von -239,9 Mio. Euro.

Obwohl aber die myToys.de GmbH aufgegeben wird, soll die gleichnamige Marke weiterleben. So plant die Otto-Gruppe, dass Spielwaren in Zukunft unter der Marke myToys auf dem hauseigenen Online-Marktplatz Otto.de verkauft werden. Hier sei das „hart umkämpfte und zugleich niedrig-margige“ Spielwaren-Segment leichter zu bewirtschaften, während das aktuelle Multichannel-Konzept in einem „wettbewerbsintensiven und margenschwachen Spielzeugmarkt“ nicht erfolgreich umzusetzen sei. Ob bei Otto.de nur Eigen- oder auch Fremdmarken verkauft werden, steht noch nicht fest. Offen ist auch, wann der Shop myToys.de schließt.

myToys.de Filiale
Die myToys.de GmbH betreibt 19 Ladengeschäfte in Deutschland (Bild: myToys.de)

Generell sollen die Verwaltung in Berlin als auch die 19 stationären Ladengeschäfte bis spätestens Februar 2024 aufgegeben werden. Von diesen Standortschließungen betroffen sind alle rund 800 Mitarbeitende der Mytoys.de GmbH. Die Geschäftsführung wird gemeinsam mit dem Betriebsrat einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandeln, um dadurch die Folgen der Entscheidung für die Mitarbeitenden abzumildern.

Die myToys.de GmbH wurde 1999 gegründet und verkauft neben Spielwaren noch Schuhe und Bekleidung über den zweiten Online-Shop Mirapodo. Nach Informationen von neuhandeln.de hat auch der Zweit-Shop Mirapodo keine Zukunft. Die gleichnamige Händler-Marke soll daher spätestens zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 2023/24 vom Markt verschwinden. Erst vor kurzem hatte die myToys.de GmbH ihren Online-Shop Yomonda eingestellt, über den Produkte rund um Home & Living angeboten wurden. Zuvor hatten die Berliner mit Ambellis bereits einen Sub-Shop aufgegeben, über den bis dahin Damen-Mode verkauft wurde.

Shopping-Club Limango nicht betroffen

Im Otto-Konzern bildet die myToys.de GmbH mit dem Münchner Shopping-Club Limango zusammen die myToys-Gruppe. Hintergrund ist, dass beide Unternehmen auf junge Familien als Zielgruppe spezialisiert sind. Auf die Otto-Tochter Limango habe das Aus der myToys.de GmbH keine operativen Auswirkungen.

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