Sinnvolle Strategie? Otto vermietet jetzt auch noch Möbel

Seit zwei Jahren können Verbraucher bei OttoNow.de nun schon Produkte mieten anstatt sie klassisch einzukaufen. Und scheinbar gibt es auch eine entsprechend große Zielgruppe, für die sich der Betrieb eines solchen Miet-Shops lohnt. Denn mit der Entwicklung von OttoNow.de sind die Hanseaten nicht nur „sehr zufrieden“, wie Otto erst vor kurzem betont hat. Jetzt wird sogar das Sortiment ausgebaut.

OttoNow
Jetzt lassen sich Möbel mieten (Screenshot)

Mieten können Verbraucher bei OttoNow.de daher nun auch erstmals Möbel. Zum Start gibt es 30 Artikel wie Stühle, Tische oder Betten, die es sonst auch bei Otto.de ganz normal zu kaufen gibt. Ansprechen soll das neue Sortiment zum einen Kunden, die einen neuen Einrichtungsstil erst einmal zu Hause testen möchten. Punkten will OttoNow.de dazu aber auch bei Kunden, die spontan Möbel benötigen – zum Beispiel einen Esstisch für eine Party.

Doch ob sich das für Otto rechnet? Zwar dürfte es durchaus Verbraucher geben, die kurzfristig zusätzliche Möbel brauchen oder einen neuen Stil zunächst testen wollen – ohne gleich Unsummen zu investieren.

Doch OttoNow.de steht bislang vor allem für Technik – und zwar aus gutem Grund. So können Kunden seit Ende 2016 verschiedene Produkte jeweils drei, sechs, zwölf oder 24 Monate mieten. Je länger die Mietdauer ist, umso günstiger wird die monatliche Pauschale. Ein „iPad Pro“ kostet bei drei Monaten Miete etwa 65,99 Euro im Monat, bei 24 Monaten Miete noch 31,99 Euro im Monat. Nach zwei Jahren macht das in Summe aber 767,76 Euro, so dass man sich so ein Gerät auch direkt kaufen kann.

Doch ansprechen soll der Miet-Shop nicht zuletzt Verbraucher, die aktuelle Gadgets testen und von iPhone & Co. immer die neueste Serie haben möchten. Nach der Miete werden die Artikel kostenlos zurückgeschickt und wieder aufbereitet, bevor sie der nächste Verbraucher erhält. Artikel mit starken Gebrauchsspuren werden dagegen über einen Großhändler auf eBay verkauft. Bei Elektronik erscheint diese Herangehensweise schlüssig. Denn iPhone & Co. lassen sich einfach per Paket verschicken und nach dem Mietende wieder auf die Werkseinstellungen zurücksetzen, ohne dass es dem Gerät schadet.

Bei Möbeln dagegen ist die Handhabung komplexer. So läuft die Lieferung vielleicht nur per Spedition, einzelne Artikel müssen Kunden zudem selbst aufbauen. So liefert Otto zwar die Möbel nach eigenen Angaben „gut verpackt bis zum Wunschort“. Falls dann aber – wie bei dem Bett Mirage (siehe Abbildung oben) – noch eine Endmontage nötig sein sollte, müssen Kunden diese noch selbst durchführen. Doch unendlich oft zusammen- und auseinanderschrauben lassen sich Möbel aber nicht, ohne dass es deutliche Gebrauchsspuren gibt – und Otto dann nur noch die Zweitverwertung bleibt.

Schwer vorstellbar daher, dass sich die Möbel-Vermietung für Otto rechnet – gerade wenn Verbraucher die Möbel immer nur kurzfristig mieten möchten. Obwohl es durchaus eine starke Nachfrage nach einzelnen Artikeln geben könnte. Denn nach eigenen Angaben hätten Kunden in den vergangenen Monaten immer wieder den Wunsch geäußert, auch Möbel bei OttoNow.de mieten zu können.

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Über Stephan Randler 2051 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

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