Miet-Commerce: Bei „Otto Now“ brummt das Verleihgeschäft

Seit fast zwei Jahren betreibt der Otto-Versand mit seinem Online-Ableger OttoNow.de nun schon ein separates Shopping-Portal, bei dem Verbraucher die angebotenen Produkte mieten sollen – anstatt sie klassisch zu kaufen. Mit der Entwicklung des hauseigenen Start-Ups sind die Hanseaten nach eigenen Angaben „sehr zufrieden“, wie Otto auf Nachfrage von neuhandeln.de betont. Demnach nutzen nicht nur immer mehr Neukunden das Angebot, auch Bestandskunden mieten laut Otto immer häufiger.

Otto Now
„Otto Now“ kommt bei Kunden an (Screenshot)

Für diese positive Entwicklung gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen haben die Hanseaten ihr Online-Sortiment seit dem Start deutlich erweitert. So sind aktuell schon rund 500 verschiedene Produkte zur Miete im Angebot, nachdem „Otto Now“ im Herbst 2016 zunächst mit einem Rumpfsortiment von gerade einmal 80 Artikeln an den Start gegangen war.

Verbessert hat sich aber das Sortiment nicht nur in der Breite, sondern auch qualitativ. Bei „Otto Now“ finden Verbraucher daher nun auch Produkte von Apple, die zum Start noch komplett außen vor waren.

Damit hat Otto bei seinem Miet-Service inzwischen zwei von drei Schwachstellen beseitigt, die ich zum Start vor zwei Jahren noch kritisiert hatte. Diskutieren kann man nach wie vor über die Konditionen, die weiterhin wenig attraktiv erscheinen. Wer etwa ein „iPad Pro“ einmal testen möchte und die kürzeste Mietlaufzeit von drei Monaten wählt, zahlt gleich 106,99 Euro im Monat. Billiger wird es zwar, wenn Kunden das Produkt für 24 Monate mieten und im Monat nur noch 54,99 Euro bezahlen. Das macht in zwei Jahren aber 1.319,76 Euro – während es das Produkt für 1.379,99 Euro direkt bei Otto.de gibt.

Einen großen Sparvorteil gibt es durch die Miete in diesem Fall also nicht. Darauf scheinen die Kunden aber ohnehin nicht groß zu achten. Denn gemietet werden die Produkte in der Regel nur für eine kurze Dauer, damit Kunden die Ware in Ruhe ausprobieren können. Das ist zum Beispiel bei Saugrobotern der Fall. Die Erfahrung zeige hier: Bevor Verbraucher gleich mehrere hundert Euro für ein neues Gerät auf den Tisch legen, wollen sie über eine Miete den Artikel zunächst bei sich zu Hause testen. Kurzfristig gemietet werden zudem gerne Artikel, die Kunden nur für einen bestimmten Zeitraum brauchen.

So gab es während der Fußball-WM eine hohe Nachfrage nach Beamern, um Fußballspiele zu Hause mit Freunden anzuschauen. Nachvollziehbar: Hier ist die Miete für Kunden attraktiver, da sie den Artikel nach so einem Ereignis meist nicht mehr brauchen und sich der Kauf daher finanziell kaum lohnt.

Die Miete scheint zudem immer eine interessante Option zu sein, wenn der reguläre Kaufpreis sehr hoch ist. Denn nach wie vor zählen Kaffee-Vollautomaten zu den beliebtesten Miet-Produkten, gefolgt von Fernsehern und Smartphones. Hier wiederum werden von Kunden in erster Linie die neuesten Modelle nachgefragt, die Kunden vor einem Kauf zunächst einmal selbst ausgiebig testen möchten.

„Otto Now“ war im Dezember 2016 gestartet und bietet neben Elektronik auch Haushaltsgeräte und Sportartikel. Produkte lassen sich prinzipiell für drei, sechs, zwölf oder 24 Monate mieten. Nach der gewählten Mindestmietzeit erhalten Verbraucher außerdem einen Preisnachlass auf die Raten der folgenden Monate. Je länger Kunden die Ware leihen, umso günstiger ist die monatliche Pauschale.

Gebrauchte Artikel werden nach dem Mietende aufbereitet, bevor sie der nächste Kunde erneut erhält. Artikel mit starken Gebrauchsspuren werden dagegen über einen Großhändler auf eBay verkauft.

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