Neustart mit Finanzinvestor: Bei Beate Uhse fallen Stellen weg

Vergangene Woche hatten die Gläubiger dem Insolvenzplan der Beate Uhse AG zugestimmt. Dabei hieß es unter anderem, dass ein Investor beim angeschlagenen Erotik-Konzern einsteigen soll und dadurch „der lebensfähige Teil“ der Gruppe sowie Arbeitsplätze erhalten bleiben. Seit heute steht auch fest, wer genau nun der kriselnden Beate Uhse AG unter die Arme greifen soll. Eine Überraschung ist es nicht.

Michael Specht
Michael Specht (Bild: Beate Uhse AG)

Denn nach eigenen Angaben des Unternehmens ist geplant, mit Hilfe des Finanzinvestors Robus einen Teil der Gruppe zu erhalten und so den Erotik-Konzern neu aufzustellen. Lesern von neuhandeln.de dürfte dieser Name durchaus bekannt vorkommen. Denn Robus hatte der Beate Uhse AG bereits im Januar 2018 ein Masse-Darlehen von rund 2,7 Mio. Euro gewährt und im März 2018 weitere fünf Mio. Euro für die holländische Tochtergesellschaft Beate Uhse Netherlands B.V. als Masse-Darlehen zur Verfügung gestellt.

Bei dem geplanten Neustart will man die „Komplexität im Konzern“ reduzieren und so „erhebliche Kosten“ einsparen, wie es offiziell heißt.

„Das Unternehmen wird komplett neu aufgestellt und viele Kernpositionen werden neu besetzt“, erklärt Vorstandsboss Michael Specht (siehe Foto). „Das E-Commerce Business wird vollständig neu aufgesetzt und der stationäre Handel zeitgemäß optimiert.“ Dazu werde der Relaunch der Marke vorangetrieben, nachdem sich der Erotik-Versender bereits seit dem vergangenen Sommer schon neu positioniert.

Seitdem gibt es zum Beispiel im Online-Shop ein neues Logo. Dort steht nun in großen Buchstaben die Abkürzung „bu“, die aus den Initialen der Händlermarke besteht. Der Name „Beate Uhse“ taucht im neuen Logo aber nur noch klein auf, stattdessen wird die Abkürzung mit dem neuen Slogan „Be You“ (Sei du selbst) erklärt. Passend dazu sollen im Rahmen des Insolvenzplans die werthaltigen Assets der Beate Uhse AG auf die neu gegründete Tochtergesellschaft „be you GmbH“ übertragen werden.

Mit dem Kaufpreis sowie den Erlösen aus Forderungen gegen verbundene Unternehmen will man die Verfahrenskosten, Masseverbindlichkeiten und die Insolvenzdividende bezahlen. Die Beate Uhse AG in ihrer heutigen Form wird abgewickelt werden und damit auch ihre Börsenzulassung verlieren.

Weitere Details aus dem Insolvenzplan: Die Quote für die erste Insolvenzdividende wird bis zu 1,77 % betragen. Für Anleihegläubiger gibt es dazu ein Bezugsrecht an einer zweiten Kapitalerhöhung der neuen „be you GmbH“, wenn sie auf die erste Insolvenzdividende verzichten. Gegen Barmittel können sie neue Anteile an dieser Gesellschaft erwerben. Zur Zeichnung dieser Kapitalerhöhung werden nur Anleihegläubiger zugelassen. Der Insolvenzplan steht aber unter anderem noch unter der Bedingung, dass die „be you“ im Insolvenzverfahren über das Vermögen der Beate Uhse Netherlands B.V. (AZ: 56 IN 23/2018) die werthaltigen Assets zu einem marktkonformen Preis erwerben kann. Am 19. April entscheidet die Gläubigerversammlung der Holland-Tochter über den Verkauf der wichtigen Assets.

Wenn die Gläubiger zustimmen, wäre nach eigenen Angaben der Weg frei für eine neue Beate Uhse und das Kerngeschäft gerettet. Spannend bleibt in diesem Zusammenhang noch, mit wie vielen Mitarbeitern es dann weiter geht. Aktuell beschäftigt der Konzern nach eigenen Angaben rund 345 Mitarbeiter in Vollzeit in sieben Ländern. Laut einem Bericht in der Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche sollen gerade einmal 150 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Zeitung beruft sich auf Informationen aus dem Unternehmen. Auf Nachfrage von neuhandeln.de bestätigt die Beate Uhse AG zwar, dass Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Eine genaue Zahl könne man aktuell aber noch nicht nennen. Möglicherweise will der Konzern seine Logistik an einen externen Dienstleister auslagern.

Die Beate Uhse AG hatte am 15. Dezember 2017 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Zuvor waren Verhandlungen mit einer Investorengruppe gescheitert, um eine Anleihe umzustrukturieren. Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Beate Uhse AG wurde dann Anfang März eröffnet. Dabei hatte das Amtsgericht Flensburg wie geplant die Eigenverwaltung genehmigt. Im Februar wurde auch für Beate Uhse Netherlands ein Insolvenzverfahren beantragt.

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