Nach Lusini: B2B-Konzern Erwin Müller öffnet weitere Shops für Privatkunden

Der E-Commerce gilt ja gemeinhin als Gewinner der Corona-Krise. Allerdings profitieren längst nicht alle Online-Händler von der Pandemie. Zwar brummt bei Händlern von Elektronik oder auch Home & Living das Geschäft, wenn Verbraucher sich Produkte für ihr Home-Office bestellen oder ihr Zuhause in der Krise schön einrichten. Wer aber keine Privatpersonen adressiert, hat von dieser Entwicklung wenig.

Pulsiva
Erwin Müller verkauft nun an B2C-Kunden

Das verdeutlicht stellvertretend die Erwin Müller Group, die über mehrere Eigenmarken an B2B-Kunden aus Gastronomie und Hotellerie verkauft. Damit adressiert der Konzern ausgerechnet solche Branchen, die besonders hart von den Corona-Beschränkungen getroffen wurden und auch aktuell unter dem „Lockdown light“ leiden, der seit Anfang November in Deutschland gilt.

Bereits der Corona-Shutdown in diesem Frühjahr hat bei dem B2B-Konzern drastische Umsatzeinbrüche verursacht. Aus diesem Grund wurden unter anderem Warenbestellungen storniert und Marketing-Aktionen gestoppt.

Dazu hatte die Gruppe 70 Mitarbeiter am Firmensitz in Wertingen (bei Augsburg) von insgesamt 800 Mitarbeitern im Konzern abgebaut bzw. eine Transfergesellschaft für diese Mitarbeiter gegründet.

Die Corona-Pandemie führt allerdings auch dazu, dass sich der B2B-Konzern neue Kundengruppen erschließt. So wurde im Frühjahr nämlich beschlossen, weitere B2B-Shops jetzt für Privatpersonen zu öffnen. Denn in der Krise sind neue Wege gefragt, um auf die Umsatzeinbrüche im Kerngeschäft zu reagieren. Sobald Internetnutzer daher nun einen Shop der Gruppe aufsuchen, werden sie gefragt, ob sie denn als Privat- oder Firmenkunde bestellen möchten (siehe Abbildung). Je nachdem, welche Wahl hier der Besucher trifft, werden zum Beispiel die Preise mit oder ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen.

B2C-Angebot wird noch nicht groß beworben

So verfährt der B2B-Konzern bereits bei all seinen Eigenmarken, wo das zusätzliche B2C-Angebot jetzt zudem schon in den meisten Ländermärkten umgesetzt wurde. Lediglich bei einzelnen Ländern wie Norwegen oder Schweden wartet die Gruppe aktuell noch ab, ob sich das B2C-Geschäft lohnt. Denn beim B2C-Geschäft muss die Gruppe erst einmal testen, wie hoch Warenkörbe und Retourenquoten im Vergleich zu B2B-Bestellungen sind. Wenn Kunden etwa nur für kleine Beträge kaufen, rechnet sich vielleicht nicht der Transport vom Lagerstandort Deutschland in entfernte Regionen wie Nordeuropa.

Generell steckt der B2C-Handel noch in den Anfängen und der Konzern bewirbt sein Angebot zurzeit noch nicht zielgerichtet bei Privatpersonen. Beibehalten will die Gruppe das neue B2C-Geschäft aber in jedem Fall – auch wenn sich die Corona-Lage entspannen sollte und das B2B-Geschäft wieder anzieht.

Die Erwin Müller Gruppe verkauft über Marken wie Pulsiva (Discounter für Gastrobedarf) sowie Vega (Besteck, Möbel, Accessoires), Jobeline (Berufsbekleidung) und Erwin M. (Textilien) traditionell an B2B-Kunden in mehreren europäischen Ländern. Dazu kommt der Online-Marktplatz Lusini.de, über den die Gruppe bereits länger neben B2B-Kunden auch Privatpersonen bedient. Im Geschäftsjahr 2018 konnte die Gruppe den Netto-Umsatz um 3,1 Prozent auf 148,6 Mio. Euro steigern und einen Jahresüberschuss von 1,8 Mio. Euro erzielen. In diesem Jahr dürften aber die Zahlen wegen Corona deutlich schlechter ausfallen. Auch, wenn die Gruppe auf die Umsatzeinbrüche im Kerngeschäft jetzt schnell reagiert hat.

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Über Stephan Randler 2796 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.