Baur-Chef: „Corona hat uns auf ein neues Umsatzniveau katapultiert“

Auch die Baur-Gruppe profitiert von der Corona-Krise. So konnte die Otto-Tochter in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2020/21 (Ende: 28. Februar) ihren Gesamtumsatz um zwölf Prozent auf 464 Mio. Euro erhöhen. Vor einem Jahr dagegen gab es von Anfang März bis Ende August lediglich ein Plus von fünf Prozent. Jetzt fällt das Wachstum deutlich stärker aus, weil auch der Baur-Versand boomt. Hintergründe nennt Baur-Chef Patrick Boos im Exklusiv-Interview mit neuhandeln.de.

Patrick Boos
Patrick Boos (Bild: Baur-Gruppe)

neuhandeln.de: Für Baur.de kommt die Corona-Krise nicht ungelegen.

Patrick Boos: „Zunächst einmal hat Corona auch bei Baur.de dazu geführt, dass im März die Bestellungen eingebrochen sind. Wir haben aber schnell auf die neue Situation reagiert und unser Marketing entsprechend umgestellt. So haben wir bei Newslettern und im Online-Shop den Fokus auf Elektronik und Wohnen gelegt, was sehr gut funktioniert hat. Mode haben wir dagegen im Gegenzug weniger beworben. Hier ist allerdings auch die Nachfrage im Markt generell seit dem Corona-Lockdown gesunken.“

neuhandeln.de: Trotzdem steht ein zweistelliges Wachstum in den Büchern.

Boos: „Weil wir gerade von mehreren Trends gleichzeitig profitieren. Zum einen hat der Corona-Lockdown generell bewirkt, dass Verbraucher mehr Käufe ins Internet verlagern. Am Anfang blieb Kunden ja auch nichts anderes übrig, als die Ladengeschäfte geschlossen waren. Viele haben dann erstmals online bestellt, obwohl sie E-Commerce an sich gegenüber eher skeptisch waren. Bei Baur.de haben wir im ersten Halbjahr 2020/21 in Summe 200.000 neue Kunden gewonnen – fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Viele dieser Kunden kaufen weiter online bei uns ein, auch wenn die Geschäfte wieder geöffnet haben. Denn sie haben einfach gemerkt, dass Einkaufen im Internet funktioniert.“

neuhandeln.de: Welche Gründe befeuern sonst noch das Geschäft?

Boos: „Zum einen haben bei uns auch mehr Verbraucher online Elektronik bestellt, weil sie diese Artikel zu Hause für ihr Home-Office benötigt haben. Zum anderen bemerken wir aber ebenfalls einen so genannten Cocooning-Effekt: Verbraucher bestellen in der Corona-Krise mehr Artikel für Zuhause, um sich ihre eigenen vier Wände möglichst gemütlich einzurichten. Auf solche Trends reagieren wir zum Beispiel, indem wir Heimtextilien wie Bettwäsche prominent im Online-Shop von Baur bewerben.“

neuhandeln.de: Solche Produkte bieten aber doch auch Wettbewerber an.

Boos: „Konkurrenz gibt es im E-Commerce natürlich auch in der Corona-Krise. Wir überzeugen unsere Kunden aber nicht nur mit dem Sortiment, sondern auch mit unserem Service. So bieten wir Kunden zum Beispiel eine Ratenzahlung an, die nicht jeder Wettbewerber bietet. Unser Service ist zudem so aufgestellt, dass wir auch in Spitzenzeiten für Kunden erreichbar sind und Pakete schnell auf den Weg bringen. Andere Shops haben dagegen schon einmal Probleme damit, alle Bestellungen abzuarbeiten.“

neuhandeln.de: Und wenn der Corona-Boom wieder zu Ende geht?

Boos: „Keine Frage: Corona hat uns auf ein neues Umsatzniveau katapultiert. Und wir profitieren sicher auch davon, dass manche Verbraucher in diesem Jahr nicht in den Urlaub gefahren sind und daher mehr Budget für Online-Käufe übrig haben. Wir rechnen dennoch damit, dass wir bei Baur.de ab sofort auf dem bestehenden Umsatzniveau weiter organisch wachsen. Denn wir haben viele Erstkunden für uns gewinnen können, die künftig weiter bei Baur.de bestellen sollen. Dazu ist generell der Anteil des E-Commerce am gesamten Einzelhandel nach wie vor gering, so dass wir noch viele weitere Neukunden für uns gewinnen können. Und dabei hilft sicherlich, wenn Kunden in der Krise nun zum ersten Mal bei uns bestellt und gute Erfahrungen gemacht haben. Denn zufriedene Kunden sind die beste Werbung.“

Zur Baur-Gruppe zählen neben dem Baur-Versand auch Dienstleister wie der Logistik-Spezialist Baur Fulfillment Solutions GmbH (BFS). Zum Konzern gehört außerdem die Unito-Gruppe, die Kunden in Österreich und der Schweiz bedient über Händlermarken wie Universal, Otto Österreich und Quelle.

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Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

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