Kehrtwende: Spreadshirt produziert weiter in Deutschland

Das ECommerce-Unternehmen Spreadshirt hält nun doch an seiner Produktion in Leipzig fest. Demnach hat die für die Fertigung zuständige Spreadshirt Manufacturing Deutschland GmbH ihre Arbeit wieder aufgenommen. Nach eigenen Angaben habe man „nach langer und intensiver Prüfung der wirtschaftlich sehr schwierigen Standortbedingungen“ doch noch eine Möglichkeit gefunden, um die Produktion des Mass-Customization-Dienstleisters in Deutschland zu erhalten.

Spreadshirt-Produktion
Spreadshirt produziert weiter in Deutschland (Bild: Spreadshirt)

Ursprünglich hatte Spreadshirt die Produktion in Deutschland im Januar 2016 geschlossen, die 26 Mitarbeiter waren unter Bezahlung freigestellt. In Leipzig hatte Spreadshirt individuelle Textilien, Handy-Hüllen und Tassen gefertigt, die man bei Spreadshirt in Auftrag geben kann.

Dass die deutsche Produktion geschlossen wurde, hatte wirtschaftliche und operative Gründe. Konkret hieß es im Januar: Für einen reibungslosen Ablauf beim weltweit tätigen Händler sei erforderlich, dass alle Standorte skalierbar sind. Dass sei in Leipzig aber nicht der Fall, so dass man bei Schwankungen im Geschäft nicht einfach zusätzliche Aufträge verarbeiten könne – etwa vor Weihnachten, wenn das Geschäft im E-Commerce traditionell brummt.

Um in Leipzig besser skalieren zu können, hätte man zunächst generell die Kapazitäten der Produktion erhöhen müssen. Das sei aber wegen „wirtschaftlichen Überlegungen“ nicht möglich gewesen, womit man ebenfalls im Januar das Aus in Leipzig begründet hatte. Verarbeitet werden sollten die Leipziger Aufträge daher künftig im Ausland, wo man das Auftragsvolumen für den Leipziger Standort auf die beiden anderen Spreadshirt-Standorte in Polen (Legnica) und Tschechien (Krupka) verteilen wollte.

Hier wurden bereits vor dem Aus in Deutschland etwa 90 Prozent der Aufträge aus Europa bearbeitet. Das spiegelt sich auch in der Zahl der Beschäftigten wider. So hat Spreadshirt derzeit in Polen (Legnica) ungefähr 230 Beschäftigte im Durchschnitt, in Tschechien noch einmal weitere 50 Beschäftigte.

In Deutschland sind aktuell statt der zuvor 26 jetzt nur noch 17 Mitarbeiter an Bord. So habe sich nach Angaben von Spreadshirt ein Teil der Beschäftigten der Spreadshirt Manufacturing Deutschland GmbH inzwischen bereits beruflich neu orientiert. Wie das neue Konzept für den alten Standort aussieht und wie es konkret weitergeht, verrät Spreadshirt aber nicht. So heißt es bislang nur, dass man „auf konstruktive Unterstützung des Betriebsrates bei der konkreten Umsetzung“ hoffe.

„Um ehrlich zu sein, bleibt eine Produktion am Standort Deutschland wirtschaftlich sehr schwierig“, weiß aber Tobias Schaugg, Geschäftsführer der Spreadshirt Manufacturing Deutschland GmbH. „Wir freuen uns aber sehr, dass wir gemeinsam mit den Mitarbeitern einen neuen Versuch starten können.“

Das vergangene Geschäftsjahr 2015 hat Spreadshirt mit einem deutlichen Umsatzplus abgeschlossen. Konkret konnten die Leipziger um 18 Prozent auf einen Netto-Umsatz von 85 Mio. Euro zulegen. Im vergangenen Jahr hatte Spreadshirt aber auch viel dafür getan, um seinen Umsatz anzukurbeln. So haben die Leipziger zum einem damit begonnen, ihre Textilien über zusätzliche Online-Marktplätze zu verkaufen. Investiert wurde im vergangenen Geschäftsjahr außerdem auch viel in TV-Werbung.

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