Finanzierungsrunde gescheitert: eFood-Startup GetNow stellt Insolvenzantrag

Der Münchner Online-Supermarkt GetNow steht vor einer ungewissen Zukunft. So hat jetzt die für den Shop-Betrieb zuständige „Getnow New GmbH“ einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt (Aktenzeichen: 1542 IN 1885/20). Am 26. Oktober 2020 wurde daher vom Amtsgericht München vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und Max Liebig zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

GetNow.de
GetNow ist gerade offline (Screenshot)

Gestellt wurde der Insolvenzantrag laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter, weil zuvor eine Finanzierungsrunde gescheitert war. Denn bei dem Start-up reichen die Umsätze nicht aus, um die Kosten und die Investitionen für eine Expansion in Deutschland zu decken. GetNow brauche daher Fremdkapital, um den defizitären Geschäftsbetrieb aufrechterhalten zu können.

Nun werde ein strukturierter M&A-Prozess aufgesetzt, der insbesondere auf eine so genannte übertragende Sanierung ziele. Gemeint ist der Verkauf von Vermögensgegenständen an eine andere juristische oder natürliche Person.

Zu den Assets des Online-Supermarkts zählen vor allem der Markenname und die Software, über die GetNow seine Online-Bestellungen abwickelt. Eigene Lager oder Fahrzeuge hat das Start-up dagegen nicht. Denn das eFood-Unternehmen setzt auf Kooperationen mit dem Großhandel und auf externe Zustelldienste: Wenn Kunden frische Lebensmittel bei GetNow einkaufen, werden diese Bestellungen in Märkten von Metro Cash & Carry kommissioniert und über Partner wie DHL den Kunden zugestellt.

Zumindest in der Theorie. Denn aktuell werden keine Bestellungen bei dem Start-up angenommen, das seinen Firmensitz in München hat. Wer den Online-Supermarkt besucht, bekommt nur eine leere Seite zu sehen. Hier werden Kunden offiziell damit vertröstet, dass „Wartungsarbeiten“ laufen (siehe Foto).

„Wartungsarbeiten“: Online-Supermarkt aktuell offline

Damit nicht zu viel Traffic verpufft, sollte der Online-Supermarkt aber schnell wieder online sein. Denn das Geschäftsmodell dahinter ist an sich recht smart. Schließlich spart sich das Start-up eigene Lager und Fahrer. GetNow bedient aber Kunden in Berlin, München, Essen, Frankfurt, Hannover, Düsseldorf, wo Bestellungen jeweils von zehn bis 15 Angestellten kommissioniert werden. Dazu kommt die Zentrale in München, wo unter anderem die IT betreut wird. So beschäftigt das Start-up aktuell 130 Mitarbeiter in Deutschland. Ein großer Aufwand sind daher die Lohnkosten – neben den Ausgaben für Marketing.

In diesem Jahr hatte erst die Delticom-Gruppe ihren Delikatessen-Shop Gourmondo beerdigt, um sich so von einem „Verlustbringer“ zu trennen. Erst vor kurzem wurde zudem der Online-Supermarkt von Real eingestellt, weil das Geschäft nicht die notwendige Profitabilität erreichen konnte. Zwei Beispiele, die stellvertretend aufzeigen, dass Online-Supermärkte alles andere als ein Selbstläufer sind. Insofern überrascht es nicht, dass auch GetNow aktuell defizitär arbeitet. Was aber bei Start-ups eh üblich ist.

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Über Stephan Randler 2653 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

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