DaWanda-Aus: „Unser Geschäftsmodell stößt an seine Grenzen“

Überraschend hat der Berliner Online-Marktplatz DaWanda zu Beginn der Woche angekündigt, seinen Betrieb zum 30. August 2018 einzustellen. Das Aus kommt nicht zuletzt unerwartet, weil DaWanda im vergangenen Jahr noch seinen Umsatz steigern und die Verluste reduzieren konnte. DaWanda-Chefin Claudia Helming verrät neuhandeln.de daher jetzt Hintergründe zum plötzlichen Aus.

Claudia Helming
Claudia Helming (Bild: DaWanda GmbH)

neuhandeln.de: Mehr Umsatz, weniger Verlust – warum gibt DaWanda denn ausgerechnet jetzt auf?

Claudia Helming (44): „Wir haben zwar im vierten Quartal 2017 die Profitabilität erreicht und seither kostendeckend gearbeitet. Gleichzeitig mussten wir uns aber eingestehen, dass unser Wachstum stagniert und wir es aus eigener Kraft kaum schaffen können, die Zahl der Verkäufe auf unserer Plattform im gewünschten Maße wachsen zu lassen – auch unsere Umstrukturierung im vergangenen Jahr konnte dies nicht ändern.“

neuhandeln.de: Obwohl dabei der Fokus auf die Marktplatz-Optimierung gelegt wurde?

Helming: „Die E-Commerce-Landschaft hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert, unser Geschäftsmodell stößt zunehmend an seine Grenzen. Und wir haben es nicht geschafft, ausreichend neue innovative Ideen umzusetzen. DaWanda ist nicht insolvent. Aber wir haben erkannt, dass das Risiko, nicht mehr mithalten zu können, zu groß ist. Wir tragen eine große Verantwortung gegenüber Verkäufern, Käufern und Mitarbeitern. Wir mussten handeln, bevor es nicht mehr möglich ist.“

neuhandeln.de: Hat DaWanda denn zu spüren bekommen, dass Amazon vor anderthalb Jahren mit einem eigenen Angebot in den Handmade-Markt eingestiegen ist, in dem auch DaWanda aktiv ist?

Helming: „Der Start des Handmade-Portals von Amazon bestätigte unser Geschäftsmodell und den Glauben daran, dass Selbermachen mehr als nur Handarbeit im stillen Kämmerlein zu Hause ist. Doch unsere Entscheidung wurde natürlich nicht aufgrund eines einzelnen Marktteilnehmers getroffen.“

neuhandeln.de: Kam das Wachstum zuletzt etwa zustande, weil die Provisionen erhöht wurden?

Helming: „Wir mussten uns eingestehen, dass unser Wachstum stagniert und wir es aus eigener Kraft kaum schaffen können, die Zahl der Verkäufe auf unserer Plattform im gewünschten Maße wachsen zu lassen. Darum haben wir im Herbst vergangenen Jahres mit der Suche nach einem Partner begonnen.“

Auf dem Online-Marktplatz DaWanda können Verkäufer selbstgemachte Produkte anbieten. Das Portal finanziert sich über Angebotsgebühren, Werbung und Verkaufsprovisionen. Der Online-Marktplatz wurde 2006 gegründet und bedient neben deutschen Kunden auch noch Verbraucher im Ausland.

Trotz dem Aus geht es für die Verkäufer auf dem Online-Marktplatz weiter. Diese finden nun eine neue Heimat auf dem Online-Marktplatz Etsy, der ebenfalls auf das Geschäft mit selbstgemachten Produkten spezialisiert ist. Über ein Software-Tool sollen DaWanda-Verkäufer mit ihren Shops zu Etsy umziehen.

Vor einem Jahr hatte DaWanda bereits Stellen gestrichen, um Kosten zu sparen. Dazu fokussierten sich die Berliner auf die Shop-Optimierung. Auf Eis gelegt wurden dafür Initiativen wie das Print-Magazin „LoveMag“ und die lokalen Design-Märkte, die nicht direkt auf das Umsatzwachstum abgezielt hatten.

In diesem Frühjahr wurden die Ergebnisse der Kurskorrektur sichtbar. So konnte man 2017 nicht nur den Umsatz um 21,4 Prozent auf 16,4 Mio. Euro steigern (Vorjahr: 13,5 Mio. Euro). Der operative Verlust (EBITDA) lag auch nur noch bei knapp einer Mio. Euro, ein Jahr zuvor hatte der Verlust auf EBITDA-Ebene noch vier Mio. Euro betragen. Vorab hatte DaWanda allerdings seine Verkaufsprovision von zuvor fünf auf 9,5 Prozent erhöht. Gegenüber neuhandeln.de wollte man nicht verraten, ob das Wachstum im vergangenen Jahr durch mehr Verkäufe oder höhere Provisionen erreicht wurde.

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