Trotz Kurskorrektur: DaWanda beerdigt seinen Online-Marktplatz

Paukenschlag in Berlin: Der Marktplatz-Betreiber DaWanda stellt überraschend seinen Betrieb ein und verabschiedet sich zum 30. August 2018 vom Markt. Die Mitarbeiter des E-Commerce-Unternehmens aus der Hauptstadt wurden bereits über das baldige Aus informiert und erhalten ein Abfindungspaket.

Claudia Helming DaWanda
Claudia Helming (Bild: DaWanda GmbH)

Der Rückzug wurde gemeinsam von Geschäftsführung und Gesellschaftern beschlossen, die meisten Angestellten von DaWanda sind bereits freigestellt.

„Die Entscheidung fiel uns nicht leicht“, klagt Claudia Helming (siehe Foto), Gründerin und Geschäftsführerin von DaWanda. „Dennoch mussten wir uns in den letzten Jahren zunehmend eingestehen, dass es uns alleine nicht gelingen wird, das Wachstum weiter voran zu treiben.“

Für die Verkäufer auf dem Online-Marktplatz geht es dennoch weiter.

Diese finden nun eine neue Heimat auf dem Online-Marktplatz Etsy, der – wie auch DaWanda – auf das Geschäft mit selbstgemachten Produkten spezialisiert ist. Bislang hatten beide Online-Marktplätze im Wettbewerb gestanden. Wenn das DaWanda-Portal aber in wenigen Wochen schließt, werden Nutzer dann auf den Online-Marktplatz Etsy geleitet. Dieses US-Portal wurde im Jahr 2005 gegründet und ist seit dem Jahr 2011 in Deutschland aktiv, wo die US-Amerikaner bereits ein Büro in Berlin betreiben.

Über ein Software-Tool sollen DaWanda-Verkäufer mit ihren Shops einfach, bequem und kostenfrei zu Etsy umziehen können – inklusive aller Angebote und Bewertungen. Die US-Amerikaner wollen mit diesem Schritt ihre Reichweite in Deutschland und Mitteleuropa ausbauen. Die Übernahme von Vermögen, Verbindlichkeiten und Mitarbeitern durch Etsy gehört aber nicht zum Marktplatz-Deal.

DaWanda im Frühjahr: „Strategiewechsel hat Auftrieb gegeben“

Vor einem Jahr hatte DaWanda bereits Stellen gestrichen, um Kosten zu sparen. Dazu fokussierten sich die Berliner auf die Shop-Optimierung. Auf Eis gelegt wurden dafür Initiativen wie das Print-Magazin „LoveMag“ und die lokalen Design-Märkte, die nicht direkt auf das Umsatzwachstum abgezielt hatten.

In diesem Frühjahr wurden die Ergebnisse der Kurskorrektur sichtbar. So konnte man 2017 nicht nur den Umsatz um 21,4 Prozent auf 16,4 Mio. Euro steigern (Vorjahr: 13,5 Mio. Euro). Der operative Verlust (EBITDA) lag auch nur noch bei knapp einer Mio. Euro, ein Jahr zuvor hatte der Verlust auf EBITDA-Ebene noch vier Mio. Euro betragen. „Der Strategiewechsel hat uns kräftig Auftrieb gegeben“, freute sich DaWanda-Chefin Helming. Vor diesem Hintergrund kommt das Aus jetzt wahrlich unerwartet.

Auf dem Online-Marktplatz DaWanda können Verkäufer selbstgemachte Produkte anbieten. Das Portal finanziert sich über Angebotsgebühren, Werbung und Verkaufsprovisionen. Der Online-Marktplatz wurde 2006 gegründet und bedient neben deutschen Kunden auch noch Verbraucher im Ausland.

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Über Stephan Randler 2051 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

1 Kommentar zu Trotz Kurskorrektur: DaWanda beerdigt seinen Online-Marktplatz

  1. Was ich mich dort immer frage wofür braucht man für 16 mio provisionsumsatz Bitteschön 150 oder 200 Mitarbeiter? Das werden ja wohl kaum alles studentische Hilfskräfte zu 10 Stunden die Woche gewesen sein.

Kommentare sind deaktiviert.