Nett – aber unnötig: Das neue Local-Commerce-Projekt „eBay deine Stadt“

Unter dem Motto „eBay Deine Stadt“ hat der US-amerikanische Online-Marktplatz eine neue Initiative gestartet, die lokalen Einzelhändlern in Deutschland einen zusätzlichen Vertriebskanal eröffnen soll. Ja kein schlechter Zeitpunkt. Schließlich müssen doch stationäre Ladengeschäfte wegen Corona ja immer wieder schließen. Wer als Einzelhändler dann online nicht präsent ist, kann gar nichts mehr verkaufen.

eBay deine Stadt
Logo vom neuen City-Projekt (Bild: eBay)

Insofern ist es für stationäre Einzelhändler jetzt durchaus an der Zeit darüber nachzudenken, ob und wo sich die eigenen Waren sinnvoll über den Online-Handel vertreiben lassen. Und ein passender Vertriebsweg sind für eBay eben lokale Marktplätze, die jetzt unter dem Motto „eBay deine Stadt“ starten.

Los geht es hier zunächst mit zehn deutschen Städten wie Nürnberg, die von eBay einen eigenständigen Online-Auftritt bekommen. In diesem Fall ist es die Website ebay-deine-stadt.de/nuernberg. Auf dieser finden Verbraucher nun gebündelt Online-Angebote von Händlern, die aus der Region stammen.

Diese lokalen Marktplätze sind von der Idee her sicher nett gemein – letztlich aber unnötig. Denn wer als Einzelhändler online verkaufen will, braucht dazu keinen lokalen Marktplatz: Er kann auch einfach direkt bei eBay loslegen. Hier erreichen Händler aktuell zudem über 18 Mio. aktive Käufer, während ein lokaler Marktplatz ja nur einen Bruchteil dieser Kunden adressiert – nämlich nur Verbraucher aus einer bestimmten Region. Ein lokaler Marktplatz hat für Händler zudem den Nachteil, dass dieser erst einmal bei der Zielgruppe bekannt gemacht werden muss. eBay.de dagegen ist als Online-Marktplatz etabliert.

Lokale Marktplätze: Begrenzte Reichweite, mäßige Auswahl

Ein lokaler Online-Marktplatz dagegen ist auch für Kunden mäßig spannend. Schließlich gibt es hier ja nur ein begrenztes Sortiment – eben von lokalen Händlern. Warum aber sollten Verbraucher dann hier überhaupt kaufen, wenn sie doch bei eBay direkt quasi ein unendliches Online-Sortiment bekommen?

Oliver Klinck
Oliver Klinck (Bild: eBay Deutschland)

Solche Einwände lässt eBay aber nicht gelten. „Wir sind zuversichtlich, ein nachhaltiges Programm auf die Beine gestellt zu haben“, entgegnet etwa Oliver Klinck (siehe Foto links), der seit Herbst 2020 neuer Geschäftsführer von eBay Deutschland ist. Er bemerkt schließlich, dass gerade immer mehr Menschen die Geschäfte ihrer Region „gezielt unterstützen“ möchten.

Das mag zwar sein. Doch direkt bei eBay lassen sich auch schon Angebote nach Postleitzahlen filtern. Verbraucher können also hier ebenfalls nach Händlern in der Nähe suchen, wenn sie diese denn unterstützen möchten.

eBay wäre daher besser beraten gewesen, einfach dieses Feature prominenter zu bewerben. Zumal eBay jetzt ja auch nicht zum ersten Mal lokale Online-Marktplätze aus dem Boden stampft – bei denen die teilnehmenden Händler nicht zuletzt doch eher von der generellen Online-Reichweite profitieren.

„Mönchengladbach bei eBay“: Viel Commerce, wenig local

Denn bereits im Herbst 2015 hatten Einzelhändler aus Mönchengladbach in einem Pilotprojekt damit begonnen, ihre Ware bei eBay anzubieten. Dazu wurde ebenfalls ein lokaler Marktplatz gestartet, auf dem Händler aus der Region vertreten waren. Das Pilotprojekt hatte man im Sommer 2016 planmäßig beendet und nach eigenen Angaben zwar mit „einer hervorragenden Bilanz“ abschließen können. Die Händler hatten aber nicht nur an Kunden aus der Region verkauft – beliefert wurden Verbraucher aus 84 Ländern. Profitiert hatten Partner also weniger von „Local Commerce“ (Händler verkaufen online an Kunden vor Ort) als generell von E-Commerce (Händler verkaufen an sich online). Das Projekt-Fazit lautet daher damals: „Mit der Präsenz auf einem globalen Online-Marktplatz und insbesondere durch nationalen und internationalen Versand kann sich der stationäre Handel zukunftsfähiger aufstellen.“

Auch beim neuen Pilotprojekt sind die Produkte der Einzelhändler nicht nur auf der jeweiligen lokalen Plattform verfügbar, sondern werden zusätzlich direkt bei eBay.de gelistet. Viel spricht deshalb dafür, dass Händler nun auch beim zweiten Anlauf mehr von eBay direkt profitieren als von einem lokalen Online-Ableger. Bestehen bleiben dürfte das City-Programm in seiner aktuellen Form daher kaum.

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Über Stephan Randler 2790 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

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