Nach weiterem Wachstum: Coolblue baut sein Business in Deutschland aus

Der holländische Online-Händler Coolblue hat seinen Deutschland-Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr erneut ausgebaut. Denn mit Kunden in der Bundesrepublik wurde im Jahr 2023 ein Netto-Umsatz von 188 Mio. Euro erzielt, was einem Plus von acht Prozent zum Vorjahr entspricht (2022: 174 Mio. Euro). Damals konnte der Spezialist für Elektronik-Artikel und weiße Ware allerdings noch um satte 85 Prozent zulegen.

Coolblue
Großgeräte liefert man selbst (Bild: Coolblue)

Dass sich im Geschäftsjahr 2023 das Wachstum deutlich abgeschwächt hat, ist aber kein Wunder. Zum einen konnte Coolblue in den Vorjahren ja noch stark davon profitieren, dass man frisch in Deutschland gestartet war und daher die Umsätze sehr ausbaufähig waren. Zum anderen hat aber auch Coolblue die Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher im Jahr 2023 zu spüren bekommen.

Bei einer anderen Marktsituation wäre Coolblue daher wahrscheinlich stärker gewachsen, argumentieren jedenfalls die Verantwortlichen auf Nachfrage von neuhandeln.de. Doch auch so kann sich die Entwicklung sehen lassen.

Nach Zahlen vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) haben Verbraucher im vergangenen Jahr 2023 jedenfalls in Summe fast zwölf Prozent weniger für Waren im E-Commerce ausgegeben als noch im Jahr 2022. Zweistellige Einbußen hat der Verband dabei auch beim Online-Geschäft mit Elektronik ermittelt. So gesehen konnte Coolblue in Deutschland seinen Umsatz sogar entgegen der Marktlage steigern. Und viel spricht dafür, dass es im Jahr 2024 wohl ähnlich laufen wird.

Neue Stores und Depots geplant

Denn der Elektronik-Spezialist investiert jetzt an gleich zwei Stellen in sein Geschäft in Deutschland. Zwar liegt der Fokus von Coolblue hierzulande auf dem E-Commerce. Dennoch sollen im Jahr 2024 zwei neue Ladengeschäfte eröffnen. Damit will der Elektronik-Spezialist künftig an mehr Verbraucher direkt vor Ort verkaufen. Denn aktuell gibt es hierzulande erst einen Store in Düsseldorf und einen Store in Essen.

Neben zwei neuen Stores sollen aber auch zwei zusätzliche Depots in Deutschland eröffnen. Dadurch will Coolblue wiederum die Online-Kundschaft in der Bundesrepublik besser bedienen. Um das zu verstehen, muss man sich aber noch einmal kurz die E-Commerce-Strategie der Holländer vor Augen führen, mit der Coolblue sich von den Wettbewerbern differenzieren will. Generell gilt: Der Elektronik-Spezialist verkauft hierzulande ja sowohl kleinere Artikel wie Smartphones, Tablets oder Notebooks als auch Großgeräte wie Waschmaschinen, Trockner oder Fernseher. Versendet werden zwar alle Waren aus dem Zentrallager im holländischen Tilburg, allerdings sind momentan nur Kleingeräte wie Laptops deutschlandweit verfügbar.

Hauseigener Lieferservice für Großgeräte

Denn Kleingeräte werden als Paketware mit DHL geliefert. Großgeräte dagegen stellt Coolblue über seinen hauseigenen Lieferservice zu (siehe Foto oben). Dazu werden Waschmaschine & Co. zunächst in einem Depot in Düsseldorf umgeschichtet, von wo aus diese Geräte dann den Kunden in Deutschland zugestellt werden. Geliefert werden Großgeräte dadurch aktuell allerdings nur an Kunden am Niederrhein sowie an Verbraucher im Rhein-Ruhr-Gebiet sowie dem Sauer- und Münsterland. Bislang jedenfalls. Denn das erste neue Depot wurde in dieser Woche in der Stadt Kelsterbach eröffnet, die südlich von Frankfurt liegt. Damit kann Coolblue erstmals Großgeräte über seine hauseigene Lieferflotte auch an Verbraucher im Großraum Frankfurt zustellen – nachdem bislang dieser Lieferservice ja nur in Nordrhein-Westfalen verfügbar war.

Mit dem zweiten neuen Depot soll ebenfalls ein weiteres Einzugsgebiet erschlossen werden. Wo dieses zweite neue Depot eröffnen soll, wird aktuell verhandelt. Fest steht aber, dass sich der Standort außerhalb von Nordrhein-Westfalen befinden soll. Dafür soll in diesem Bundesland einer der beiden neuen Stores an den Start gehen. Außerdem ist geplant, dass das zweite zusätzliche Ladengeschäft in Frankfurt eröffnet.

Umsatz Coolblue
So entwickelt sich der jährliche Netto-Umsatz von Coolblue (Grafik: Coolblue GmbH)

Coolblue wurde 1999 gegründet. Der Multichannel-Händler ist seit 2020 in Deutschland aktiv, zuvor wurden nur Kunden in Holland und Belgien bedient. Im Geschäftsjahr 2023 konnte der Elektronik-Spezialist über alle Ländermärkte einen Netto-Umsatz von 2,41 Mrd. Euro erzielen. Zum Vorjahr hat sich der Gesamtumsatz um 2,5 Prozent erhöht. Das EBITDA konnte Coolblue von zuvor 43,4 Mio. Euro (2022) auf 88,3 Mio. Euro (2023) mehr als verdoppeln. Möglich war das wegen einer weiteren Automatisierung des Zentrallagers sowie wegen effizienteren Store- und Lieferprozessen. So wurden beispielsweise alte Verpackungsmaschinen durch neue Geräte ersetzt, wodurch seitdem weniger Verpackungsmaterial verbraucht wird und daher die Kosten sinken.

PS: Verpassen Sie nicht mehr, was den Online- und Multichannel-Handel bewegt! Der kostenlose Newsletter von neuhandeln.de stellt Ihnen regelmäßig alle neuen Beiträge ganz bequem per E-Mail zu.