Anfang 2020 als Ziel: So will Windeln.de den Break-even schaffen

Anfang Januar hatte der Windeln.de-Konzern bereits verlauten lassen, dass die Versendergruppe nach den vorläufigen Zahlen im Geschäftsjahr 2018 nur noch einen Netto-Umsatz von knapp 105 Mio. Euro erreichen konnte. Nun liegen die endgültigen Zahlen vor, nach denen sich der Konzern-Umsatz in der Tat von zuvor 188,3 Mio. Euro (2017) auf nun 104,8 Mio. Euro im Jahr 2018 drastisch reduziert hat.

Windeln.de Umsatz
Die aktuellen Zahlen (Grafik: Windeln.de, zum Vergrößern klicken)

Dass sich der Umsatz im Jahresvergleich um 44 Prozent reduziert hat, liegt an mehreren Gründen. So hatte man 2018 den italienischen Online-Shop der Marke Windeln.de geschlossen, in Deutschland den Online-Shop der Marke Nakiki beerdigt und in der Schweiz die beiden Online-Shops „Kindertraum“ sowie „Toys“ mit dem Kern-Angebot Windeln.ch verschmolzen.

Außerdem hatten unter anderem strengere Zollkontrollen zu Lieferverzögerungen in China geführt und dadurch das Geschäft in Fernost erschwert. Generell wurden zudem Produkte mit wenig Nachfrage und/oder Marge ausgelistet.

Zum 31. Dezember 2018 gab es in der Gruppe außerdem nur 224 Mitarbeiter – ein deutlicher Rückgang um 199 Mitarbeiter. Gründe sind unter anderem Restrukturierungen und das Aus in Italien. Vor diesem Hintergrund haben sich unter anderem die sonstigen Vertriebs- und Verwaltungskosten (VVG-Kosten) reduziert auf -22,5 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2018 (Vorjahr: -32,3 Mio. Euro). Dennoch gibt es aber nach wie vor rote Zahlen, da sich das bereinigte EBIT nur von -21,3 Mio. Euro* (2017) auf -18,5 Mio. Euro verbessert hat. Ursprünglich hatte der Konzern geplant, den Break-even auf Basis des bereinigten EBITs bereits Anfang 2019 zu schaffen. Diese Prognose wurde aber im vergangenen Herbst wegen dem durchwachsenen China-Geschäft verworfen, seit diesem Zeitpunkt soll der Break-even erst Anfang 2020 erreicht werden. Um dieses Ziel nun zu erreichen, setzt der Konzern auf mehrere Maßnahmen.

Windeln.de Break-even
Der deutsche Windeln.de-Konzern will nun Anfang 2020 profitabel werden (Grafik: Windeln.de SE)

So will der Konzern im laufenden Geschäftsjahr zum einen weiter seine Kosten dadurch reduzieren, dass die Gruppe nun schlanker aufgestellt ist und das Produkt-Portfolio weiter bereinigt wird. Zum anderen soll das Geschäft in Europa anziehen, weil Windeln.de sein Online-Angebot zunehmend um Randsortimente wie Nahrung, Möbel und Erotik-Artikel ergänzt. So will man künftig Eltern ein größeres Sortiment bieten, damit diese verstärkt auch Produkte für sich bei Windeln.de finden. Im Online-Shop selbst will Windeln.de unter anderem mit einer neuen Suchtechnologie punkten. Diese liefert Kunden seit dem vergangenen Jahr auch bei Tippfehlern oder Rechtschreibfehlern die gesuchten Produkte.

Auch in China investiert Windeln.de in zusätzliche Sortimente, um sich ebenfalls als „Komplettanbieter für junge Familien“ zu positionieren. Bereits im vergangenen Jahr wurde das Online-Angebot erweitert um Handtaschen, Kosmetikprodukte und Nahrungsergänzungsmittel. Ab dem zweiten Quartal 2019 sollen Kunden in Fernost zudem über ein zweites Zolllager beliefert werden, um so die Lieferzeiten zu verkürzen und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Denn in so einem „Bonded Warehouse“ werden Artikel bevorratet, die zuvor importiert wurden und von dort aus direkt an Kunden in China gehen.

Bereits im vergangenen Jahr ging ein erstes Zolllager in Betrieb, über das Bestellungen abgewickelt werden, die über den Online-Shop von Windeln.de auf dem Marktplatz Tmall eingehen. Künftig soll auch Kunden im chinesischen Online-Shop „Windeln.com.cn“ die schnelle Lieferung aus dem Zolllager angeboten werden – neben der Lieferung aus Deutschland per Luftfracht. Um in Fernost weiteren Umsatz zu erzielen, ist zudem der Marktstart auf einer weiteren Online-Plattform geplant (zu Tmall).

Die deutsche Windeln.de-Gruppe verkauft aktuell noch über ihre Marke Windeln.de in der DACH-Region und China. Dazu ist der Konzern außerdem noch mit Bebitus in Frankreich, Spanien und Portugal aktiv. In China verkauft die Versendergruppe zudem seit Sommer 2016 über den Online-Marktplatz Tmall. Finanzieren kann Windeln.de seine Restrukturierung und die Investitionen über eine Kapitalerhöhung, mit der die Versendergruppe kürzlich einen Bruttoemissionserlös von rund 10,1 Mio. Euro erzielt hat.

* Kurze Anmerkung zum Ergebnis: Das bereinigte EBIT von -21,3 Mio. Euro aus dem Jahr 2017 ist ohne Feedo, in der Grafik bezieht sich die Angabe von -24,9 Mio. Euro dagegen auf das Geschäft mit Feedo.

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Über Stephan Randler 2220 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr