Zalando-Zahlen: Neue Services und Sortimente befeuern das Geschäft

Der Berliner Fashion-Versender Zalando hat im zweiten Quartal 2016 europaweit einen Netto-Umsatz von 916,4 Mio. Euro eingefahren. Damit steht für den Mode-Spezialisten nun ein Wachstum von 25 Prozent in den Büchern, was sich auch mit den vorläufigen Zahlen aus dem vergangenen Monat deckt. Denn damals hatte Zalando bereits in Aussicht gestellt, im zweiten Quartal 2016 ein Wachstum von voraussichtlich 24 bis 26 Prozent auf einen Netto-Umsatz von 909 bis 924 Mio. Euro zu schaffen.

Zalando Umsatz
Zalando konnte seinen Umsatz erneut kräftig steigern (Grafik: Zalando SE)

Für das erneut starke Wachstum gibt es nach Angaben von Zalando vor allem zwei Gründe. Zum einen konnte im Jahresvergleich die Zahl der aktiven Kunden von zuvor 16,4 Mio. (Q2/2015) auf 18,8 Mio. Verbraucher (Q2/2016) gesteigert werden, was Zalando mit mehreren Maßnahmen begründet.

So haben die Berliner zum einen ihr Sortiment um weitere Mode-Marken wie „Fenty by Rihanna“ erweitert, zum anderen konnte Zalando seine Bekanntheit und Reichweite über weitere Marketing-Investitionen steigern: zum Beispiel durch eine Kampagne für die Sportmode-Marke „Ivy Park“ der Pop-Sängerin Beyoncé. Zusätzlich haben die Berliner erstmals eine App für ihren Shopping-Club „Zalando Lounge“ veröffentlicht, über den Sonderposten zu reduzierten Preisen vermarktet werden. Die neue App für das iPhone wurde im ersten Halbjahr 2016 in sieben Ländern veröffentlicht, was mit ein Grund dafür war, dass die Bestellungen über Apps im zweiten Quartal 2016 generell angezogen haben.

Neben einem größeren Kundenstamm konnte Zalando im zweiten Quartal 2016 aber auch von mehr Bestellungen profitieren. So stieg die durchschnittliche Anzahl an Bestellungen pro aktivem Kunden von 2,9 auf 3,3 Bestellungen, was unter anderem auf eine verbesserte Konversionsrate im Online-Shop zurückzuführen ist (Verhältnis von Seitenbesuchern zu Käufern). Konkret hat sich dieser Wert von 3,4 Prozent im Vorjahr auf 3,7 Prozent verbessert. Profitieren konnte Zalando hier von einem allgemeinen Markttrend, weil generell immer mehr Smartphone-Nutzer nun auch mobil einkaufen würden.

Nach Betrugswelle im Vorjahr: Ergebnis verbessert sich deutlich

Als einen Haupttreiber für das Umsatzwachstum nennt Zalando zudem noch „Verbesserungen beim Kundenerlebnis“. So können nun zum Beispiel auch erstmals Kunden in Rotterdam (Holland) ihre Retouren zu Hause abholen lassen, nachdem Zalando so einen Abholservice hierzulande bereits seit Januar 2016 testet. Seit Januar 2016 betreibt außerdem auch der Logistik-Dienstleister Fiege für Zalando ein Fulfillment-Center im norditalienischen Stradella. Von hier aus werden nun schon 60 Prozent der Bestellungen von italienischen Kunden abgewickelt, die durch die räumliche Nähe des Versandlagers zu ihrem Standort ihre Pakete schneller bekommen. Vor dem Start in Stradella wurden italienische Kunden von Deutschland aus versorgt, wo Zalando drei Logistikzentren selbst betreibt.

Neben dem Umsatz hat sich im zweiten Quartal 2016 auch das Ergebnis verbessert. Konkret stieg das EBIT von zuvor 25,7 Mio. Euro (Q2/2015) auf nun 77,2 Mio. Euro (Q2/2016), parallel dazu verbesserte sich die EBIT-­Marge von zuvor 3,5 Prozent auf aktuell 8,4 Prozent. Interessant ist diese Verbesserung gerade vor dem Hintergrund, dass die Ausgaben für Marketing und Fulfillment erneut gestiegen sind.

Konkret fällt beim Blick auf die einzelnen Kennzahlen auf, dass die Vertriebskosten (Gesamtsumme aus Fulfilllment-­ und Marketingkosten) in absoluten Zahlen um 4,2 Prozent von 297,4 Mio. (Q2/2015) auf 310,0 Mio. Euro (Q2/2016) gestiegen sind. Weil sich der Umsatz parallel aber gleich um satte 25 Prozent verbessert hat, ist unterm Strich mehr für Zalando übrig geblieben – trotz der höheren Ausgaben.

Dass man das Ergebnis verbessern konnte, hat aber auch noch einen zweiten Grund. So zeigen die Zahlen zum einen zwar, dass die in den Vertriebskosten enthaltenen Marketingkosten um 8,1 Mio. Euro auf 97,0 Mio. Euro spürbar gestiegen sind. Die ebenfalls in den Vertriebskosten enthaltenen Fulfillment-Ausgaben sind dagegen nur von rund 207 Mio. Euro auf ca. 211 Mio. Euro gestiegen.

Im Verhältnis zum Umsatz gingen die Fulfillment-Kosten so von 28,3 Prozent auf 23,1 Prozent zurück, während es bei den Marketingkosten nur einen Rückgang von 12,0 Prozent auf 10,5 Prozent gab.

Hauptgrund für diese Ent­wicklung sind niedrigere Paymentkosten. Denn im Vorjahr hatte Zalando mit einer Betrugswelle zu kämpfen, wodurch Forderungen offen blieben. Damals hatte man die Anforderungen beim Kauf auf Rechnung gelockert, um mehr Umsatz zu erzielen – was Betrüger für sich ausgenutzt hatten. Nun wurde die Steuerung der Zahlungsoptionen überarbeitet und so der Schutz vor Betrügern verbessert, wodurch es im zweiten Quartal 2016 wieder weniger Zahlungsausfälle gab.

Bereits im ersten Quartal 2016 konnte Zalando einen europaweiten Netto-Umsatz von 796,1 Mio. Euro erzielen. Für das gesamte Geschäftsjahr 2016 rechnet Zalando nach wie vor mit einem Wachstum von 20 bis 25 Prozent auf bis zu 3,7 Mrd. Euro Umsatz. Um weiter zu wachsen, investiert Zalando erneut in Marketing und Service. So entsteht gerade im südbadischen Lahr das vierte deutsche Logistikzentrum von Zalando, das im Herbst 2016 in den Testbetrieb gehen wird und Kunden in der Nähe künftig schneller mit ihren Bestellungen versorgen soll. Im September startet Zalando zudem unter dem Motto „Bread & Butter by Zalando“ erstmals eine eigene Mode-Messe in Berlin.

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr