Windeln.de reduziert Belegschaft, schließt Italien-Shop und prüft Teilverkauf

Die deutsche Windeln.de SE setzt wieder einmal den Rotstift an. Konkret plant der Spezialversender von Baby- und Kinderbedarf mehrere „Effizienz- und Profitabilitätsmaßnahmen“, um die Organisation zu straffen und Kosten zu reduzieren. Anlass ist, dass mit Konstantin Urban und Alexander Brand die Gründer den Konzern verlassen und zum 01. Mai 2018 mit Matthias Peuckert ein neuer Chief Executive Officer (CEO) kommt. Vor diesem Managementwechsel wurde das Geschäft jetzt im Detail analysiert.

Windeln.de Management
Alexander Brand (links) und Konstantin Urban (Bild: Windeln.de SE)

Demnach plant der Konzern auf Basis der Finanzzahlen für das vergangene Geschäftsjahr 2017 konkret Einsparungen in Höhe von rund zehn Mio. Euro. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der Personalbestand der gesamten Gruppe reduziert und von 387 (Zahl am Stichtag 31. Dezember 2017) auf rund 250 Vollzeitäquivalente bis zum Jahresende 2018 verkleinert.

Einem Teil der betroffenen Mitarbeiter wird heute gekündigt, bei dem anderen Teil werden auslaufende Verträge nicht verlängert. Zudem werden freie Stellen nicht besetzt. Nach eigenen Angaben habe der Konzern eine sorgfältige Sozialauswahl vorgenommen. Das sei zwar keine leichte Entscheidung gewesen, aber eine notwendige Maßnahme, wie es heißt.

Von den 137 betroffenen Vollzeitäquivalenten sollen schon 86 Positionen dadurch entfallen, indem das Geschäft des tschechischen Spezial-Versenders „Feedo“ verkauft wird, der erst seit Sommer 2015 zur Gruppe gehört und aktuell Babybedarf an Kunden in Tschechien, der Slowakei und Polen veräußert.

Nach eigenen Angaben hat das Management beschlossen, eine Veräußerung zu prüfen. Wann und ob die Feedo-Gruppe verkauft wird, steht zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest, da der Verkaufsprozess gerade erst angestoßen wurde. Beschlossen wurde vom Handelskonzern dafür allerdings bereits, den italienischen Online-Shop „Pannolini“ zu schließen samt dem lokalen Büro und Warenlager in Italien – obwohl auch der italienische Online-Shop gerade erst im Frühjahr 2015 an den Start gegangen war.

In Deutschland wiederum wird die Belegschaft in allen Vertriebs- und Verwaltungsbereichen reduziert. Dazu will der Konzern auch seine Marketing-Ausgaben weiter senken, obwohl die Gruppe prinzipiell schon seit dem vergangenen Jahr hierzulande weniger in Werbung investiert und auch deshalb der Netto-Umsatz in Q3/2017 in der DACH-Region um -14,7 Prozent auf 9,9 Mio. Euro gesunken war. Generell will man die Budgets effektiver einsetzen und das Bestandskundenmarketing ausbauen.

Weiteres Einsparpotenzial sieht die Gruppe beim Geschäft in Südeuropa, wo der Konzern über den Anbieter „Bebitus“ in Frankreich, Spanien und Portugal verkauft. Hier will man die Profitabilität erhöhen, indem zum Beispiel das Sortiment optimiert und ebenfalls die Organisation gestrafft wird.

Um Kosten zu reduzieren und Strukturen zu verschlanken, hatte man bereits im Herbst 2016 den Shopping-Club „Nakiki“ geschlossen und von den damals rund 500 Mitarbeitern des Spezialversenders in Europa rund 100 Mitarbeiter entlassen. Ohne Shopping-Club wollte der Spezialversender das Lieferanten- und Produktmanagement sowie die IT-Infrastruktur und die Logistik vereinfachen.

Das vorletzte Geschäftsjahr 2016 beendete der Konzern mit einem Netto-Umsatz von 194,8 Mio. Euro. Damit konnte der Spezialversender zwar um 21 Prozent zulegen. Parallel hatte sich aber das EBIT verschlechtert von zuvor -19,4 Mio. Euro (2015) auf -35,3 Mio. Euro (2016). Als Gründe nannte man unter anderem die „ganzjährige Konsolidierung“ der Feedo-Gruppe und den „derzeit wenig profitablen“ italienischen Online-Shop. Laut den vorläufigen Zahlen für 2017 liegt der Netto-Umsatz bei 211 Mio. bis 213 Mio. Euro, während das bereinigte EBIT zwischen -26 Mio. und -24 Mio. Euro beträgt. Aufgrund der geplanten Maßnahmen soll der „Break Even“ auf Basis des bereinigten EBIT dann Anfang 2019 erfolgen.

Die deutsche Windeln.de-Gruppe verkauft momentan über ihre Kernmarke „Windeln.de“ an Kunden in Deutschland, Österreich und China. Dazu ist der Konzern mit „Bebitus“ in Südeuropa aktiv und verkauft in der Schweiz noch an Verbraucher über die Online-Shops Windeln.ch, Kindertraum.ch und Toys.ch.

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