Video-Shopping: Amazon.de folgt Online-Modehändler Asos

In den vergangenen Monaten hat Amazon sein Sortiment immer wieder einmal um Sub-Shops erweitert. So gibt es beispielsweise seit Mai 2013 unter dem Titel „Men’s Grooming“ einen separaten Shopping-Bereich, indem Männer unter anderem Rasierer und Aftershave bekommen.

Bislang waren diese neuen Sub-Shops allerdings meist nicht sonderlich spannend. So bietet der Männer-Shop zwar eine schwarz-weiß gehaltene Startseite, die sich angenehm vom üblichen Amazon-Allerlei abhebt. Nach dem Klick auf eine Kategorie wie „Rasierer“, landet man allerdings wieder auf der gewohnten Shopping-Oberfläche von Amazon. Damit verpufft der erste Eindruck, den die Startseite schafft. Kurzum: Ein stimmiges Shopping-Erlebnis sieht anders aus.

Dress-Shop von AmazonBildquelle: Amazon.de

Etwas anders verhält es sich nun allerdings bei einem neuen Mode-Shop, den Amazon in diesen Tagen gestartet hat und mit dem der E-Commerce-Riese ambitionierte Ziele verfolgt:

„Fashion ist eine der am schnellsten wachsenden Kategorien bei Amazon.de. […] Unser Ziel ist es, Amazon als bevorzugten Onlineshop für fashion-interessierte Kunden zu etablieren.“

Um dieses Ziel zu erreichen, bietet der neue Mode-Shop jedenfalls mehr als nur eine hübsche Startseite. Nach dem Klick auf einzelne Rubriken wie „Sommer-Kleider“, erscheint daher eine Übersichtsseite, die Look & Feel der Startseite weiterführt. Interessant ist zudem ein weiterer Punkt, der den Mode-Shop von anderen Amazon-Shops unterscheidet:

„Kunden können ihre Suche nach Marke, Preis, Farbe und Stil filtern und für ein visuelles Einkaufserlebnis Videos ausgewählter Kleider ansehen.“

Die Videos zeigen Models, die angebotene Bekleidung tragen, sich einmal komplett vor der Kamera drehen und damit Kunden einen guten Eindruck geben dürften, wie Mode geschnitten ist und beim Tragen fällt. Ton gibt es nicht, die Clips bestehen nur aus einer einzigen Einstellung. Damit dürfte sich der Aufwand für Produktion/Nachbearbeitung in Grenzen halten.

Auch ein weiterer Punkt spricht dafür, dass die Video-Shopping-Strategie aufgeht. So bietet der britische Mode-Versender Asos bereits seit längerem vergleichbare Catwalk-Clips in seinem Shop, die sich über den Menüpunkt „Laufsteg ansehen“ auf Artikelseiten abspielen lassen (die Clips von Asos sind aber mit Musik unterlegt und zeigen im Hintergrund das Shop-Logo).

Kurz notiert: Die Produkte im neuen Fashion-Shop gab es auch vorher schon bei Amazon.de und werden jetzt nur in einem neuen Bereich gebündelt. Alle Videos produziert Amazon selbst inhouse. Konkrete Zahlen zum Mode-Geschäft verrät man auch auf Nachfrage nicht. In den Quartalsberichten werden die Umsätze nur nach „Medien“ und „Elektronik und andere Waren“ aufgeschlüsselt. Gut möglich aber, dass Amazon.de mehr Umsatz mit Mode macht als man im ersten Moment glauben mag – allein aufgrund seiner Marktmacht in Deutschland.

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Über Stephan Randler 2263 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr