Übernahme angekündigt: KFZ-Spezialist ATU soll Besitzer wechseln

Der auf KFZ-Ersatzteile und Autoreifen spezialisierte Multichannel-Händler ATU (Auto-Teile-Unger) steht vor einer Übernahme. Demnach will die französische Mobivia Groupe den deutschen Auto-Spezialisten übernehmen, die mit verschiedenen Händlermarken wie Norauto ebenfalls im Geschäft mit KFZ-Ersatzteilen und Reparatur-Services mitmischt. Durch die bevorstehende Transaktion wollen die Franzosen ihre Marktstellung in Europa „deutlich ausbauen“, wie die Mobivia-Gruppe argumentiert.

ATU
Filialgeschäft von ATU (Bild: ATU)

Die geplante Transaktion wollen beide Parteien noch in diesem Jahr abschließen. Damit der Deal aber über die Bühne geht, ist zum einen natürlich die obligatorische kartellrechtliche Zustimmung erforderlich.

Zum anderen steht der Verkauf aber auch noch unter dem Vorbehalt, dass sich ATU mit seinen größten Vermietern der Filialen auf eine langfristige Reduzierung der Mietkosten einigen kann. Denn die Reduktion der Mietkosten auf ein „marktübliches Niveau“ sei notwendig, um ATU auf einen profitablen Wachstumskurs zu führen.

ATU gehört derzeit noch einer internationalen Investorengruppe und betreibt 577 Werkstätten in Deutschland sowie 25 Standorte in Österreich und sechs in der Schweiz. Vor Ort werden Service-Leistungen sowie KFZ-Zubehör und Ersatzteile angeboten. Zusätzlich betreibt ATU einen Online-Shop, bei dem Kunden ihre Bestellungen auf Wunsch auch in einer Filiale abholen können („Click & Collect“). Im vergangenen Geschäftsjahr 2015/2016 (Stichtag: 30. Juni) erreichte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund einer Mrd. Euro, zum Ergebnis verrät man keine Zahlen.

Im vorletzten Geschäftsjahr 2014/2015 sank der Konzernumsatz um 6,3 Prozent auf 1,03 Mrd. Euro. Schuld daran waren unter anderem ein schwächeres Stationärgeschäft in den A.T.U-Filialen sowie die Schließung von 20 deutschen Filialen im Finanzjahr zuvor und eine Auslistung von nicht mehr zum Kernsortiment zählenden Warengruppen. Dem gegenüber hatten sich die E-Commerce-Umsätze mit einer prozentualen zweistelligen Wachstumsrate verbessert. Durch strikte Kosteneinsparungen habe man zudem das um Einmaleffekte bereinigte EBITDA von 1,2 Mio. Euro auf 5,2 Mio. Euro steigern können. Das steht im Konzernabschluss der Christophorus Holding GmbH, zu der ATU gehört.

Auch nach der Übernahme durch die Mobivia-Gruppe soll ATU eigenständig am Markt auftreten. ATU will bei dem Zusammenschluss von Synergien beim Einkauf und der Logistik profitieren.

Zuletzt ließ ATU mit zwei interessanten Personalien aufhorchen. So hatte im Mai 2015 der ehemalige Conrad-CEO Jörn Werner die Position des Vorsitzenden der Geschäftsführung bei der Auto-Teile-Unger Handels GmbH & Co. KG übernommen. Kurz danach hatte Ralph Goedecke die neu geschaffene Position des Chief Digital Officer (CDO) bei ATU bekommen, nachdem er zuvor ebenfalls noch für Conrad tätig war und beim Elektronik-Anbieter die IT und den E-Commerce verantwortet hatte.

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Über Stephan Randler 2078 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr