„Tiefer Einschnitt“: Otto-Gruppe begräbt Händler-Marke „Schwab“

Die Schwab Versand GmbH aus Hanau steht vor einem tiefgreifenden Unternehmensumbau. Das teilt das Unternehmen aus dem Otto-Konzern mit, das im Versandhandel mit seinen drei Vertriebsmarken Schwab (Universalist), Sheego (Plus-Size-Mode) und Avendro (Export-Geschäft) derzeit aktiv ist. Noch. Denn die Otto-Tochter bereinigt ihr Portfolio und trennt sich gleich von zwei ihrer Handelsangebote.

Torge Doser
Torge Doser (Bild: Schwab Versand)

Konkret werden nämlich sowohl der Vollsortimenter Schwab als auch das dazu passende Export-Geschäft von Avendro eingestellt. Denn mit diesem Schritt will die Otto-Tochter nun wieder in die Profitabilität zurück kehren.

„Alle bisherigen Maßnahmen haben keinen nachhaltigen Erfolg gebracht“, erklärt Torge Doser (siehe Foto links), der seit dem Wechsel von Sven Axel Groos zur Klingel-Gruppe im vergangenen Dezember nun bei der Schwab Versand GmbH der alleinige Geschäftsführer ist. „Wir kommen nicht umhin, strukturelle Veränderungen vorzunehmen.“

Künftig will sich die Otto-Tochter daher ausschließlich auf das Geschäft mit großen Größen der Plus-Size-Marke „Sheego“ konzentrieren, die man seit dem Jahr 2009 anbietet. Der Abbau von Arbeitsplätzen sei daher „leider unumgänglich“. So sollen rund 150 Arbeitsplätze bei der Otto-Tochter entfallen, die noch 849 Vollzeit-Mitarbeiter in der Zentrale in Hanau und in der rund zehn Autominuten entfernten Logistik in Langenselbold beschäftigt. „Das ist ein tiefer Einschnitt für Schwab“, bedauert auch Doser.

Völlig überraschend allerdings kommt die Entscheidung nicht, die Marke „Schwab“ zu beerdigen. So gab es zum Beispiel bereits im Geschäftsjahr 2012/2013 (Ende: 28. Februar) bei der Schwab-Versand GmbH leichte Umsatzrückgänge in Deutschland wegen „rentabilitätsorientierten Investmentrücknahmen“.

Denn die Vertriebsmarke Schwab befindet sich schon länger in einem so genannten „Abschöpfmodus“, wo man mit wenig Investitionen möglichst viel aus dem vorhandenen Kundenstamm heraus pressen will. Dieser Prozess entwickelte sich zwar deutlich positiver als zunächst gedacht. Maßnahmen wie eine neue Schwab-App hätten aber doch nicht ausgereicht, um die sinkenden Umsatzzahlen aufzufangen.

Umsatz Schwab Versand
Bei der Schwab Versand GmbH sinken die Umsätze seit Jahren (eigene Angaben in Mio. Euro)

Sheego hat als Plus-Size-Label zudem ein schärferes Profil als der Schwab-Versand, der ja mit seinem Universalangebot austauschbarer ist und zudem mit Dickschiffen wie Amazon.de im Versandhandel konkurriert. Deshalb wirkt es konsequent und folgerichtig, alles auf die Marke „Sheego“ zu setzen.

Der Schwab-Versand wurde 1954 gegründet und ist seit 1976 ein 100-prozentiges Unternehmen der Otto-Gruppe. Mit der Kernmarke positioniert sich Schwab als Versandhändler für Mode und Technik sowie Haushaltsprodukte. Teile des Sortiments werden über Avendro in weiteren Ländern vertrieben, wo unabhängige Partner vor Ort das Sortiment anbieten. Einige Partner haben bereits ihre Aktivitäten beendet, die Verträge sind gekündigt. Die Marke Schwab wiederum wird zum 30. Juni 2020 beerdigt.

neuhandeln.de PS: Verpassen Sie nicht mehr, was den Online- und Multichannel-Handel bewegt! Unser kostenloser Info-Dienst liefert Ihnen jede Woche alle neuen Beiträge am Freitag Abend per E-Mail in Ihr Postfach. Aktuell. Bequem. Zuverlässig. Dazu gibt es nur für Abonnenten unseres Newsletters regelmäßig Goodies wie Verlosungen von Tickets oder Rabatt-Codes für Veranstaltungen.

Über 4.590 Kollegen aus dem Online- und Multichannel-Handel sichern sich so schon ihren Wissensvorsprung. Jetzt gleich anmelden:

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung. Die Einwilligung lässt sich jederzeit widerrufen. *Pflichtfeld

Über Stephan Randler 2396 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

5 Kommentare zu „Tiefer Einschnitt“: Otto-Gruppe begräbt Händler-Marke „Schwab“

  1. Na, wenn so richtig ist! Bisher war es doch so, dass das “Auslaufmodell” Schwab die Verluste der Marke sheego ausgleichen musste. Die Wahrheit ist wohl eher, dass sheego schwächelt und die fälligen Entlassungen der guten alten Marke Schwab in die Schuhe geschoben werden sollen. Ich bin gespannt, wie lange sich sheego noch hält.

    • Vielen Dank für den Hinweis! Tatsächlich steht im Jahresabschluss 2017/18 dazu:

      „Für die Marke sheego wurde im Lagebericht des Vorjahres von einem Konsolidierungsjahr mit Umsätzen auf bzw. leicht unter Vorjahresniveau ausgegangen. Dieses Ziel konnte nicht erreicht werden; die Umsatzerlöse waren zum Vorjahr prozentual zweistellig rückläufig.“

      Ich frage dazu direkt einmal bei Schwab nach, wie die Entwicklung aktuell aussieht…

    • Ja Herr Behrens,
      diese Einschnitte schmerzen sehr, waren aber notwendig. Die „gute alte Marke Schwab“ war tatsächlich nicht mehr rentabel. Dann wünschen Sie der guten neuen Marke sheego doch einach mal alles Gute.

Kommentare sind deaktiviert.