So profitieren stationäre Händler von der Zalando-Kooperation

Vergangene Woche hatte ich auf neuhandeln.de darüber berichtet, dass Zalando seine Kooperation mit dem stationären Einzelhandel ausbaut und nun erstmals auch lokale Mode-Boutiquen über den Online-Shop des Fashion-Versenders verkaufen. Nun melden sich die ersten stationären Partner zu Wort und beschreiben, wie sich die Zusammenarbeit mit dem Fashion-Riesen auf ihr lokales Geschäft auswirkt.

Zalando Gaxsys
Christine Fischer-Lörch (Bild: Zalando SE)

Sehr zufrieden zeigt sich beispielsweise Christine Fischer-Lörch (siehe Foto), die in der Nähe von Stuttgart ein lokales Schuhgeschäft in Esslingen betreibt („Schuhhaus Fischer„). Sie ist Zalando-Partner der ersten Stunde und an dem Projekt bereits beteiligt, seit die Multichannel-Kooperation im Herbst 2016 mit der ersten Handvoll Händler an den Start gegangen war.

„Die Anbindung ist unkompliziert und wir wissen mittlerweile sehr genau, wann wir welche Bestellung übernehmen können und wollen“, freut sich die Geschäftsführerin über das Zusatzgeschäft mit Zalando. „Am Montag ist im Laden häufig etwas weniger los, dafür verkaufen wir dann mehr online.“

Von der Zalando-Kooperation profitiert aber nicht nur das Schuhhaus, indem die Schwaben weniger frequentierte Zeiten geschickt für das Online-Geschäft nutzen. Auch für die Kundschaft vor Ort biete die Zusammenarbeit mit Zalando einen Mehrwert – wenn auch indirekt. „Wir kaufen anders ein als früher, zum Teil modischere oder ungewöhnlichere Artikel und insgesamt größere Mengen“, erklärt Fischer-Lörch. Davon profitiere auch der Kunde, der in den Laden kommt. „Weil wir zusätzlich online über Zalando verkaufen, können wir ein breiteres Sortiment einkaufen und haben mehr Auswahl vor Ort.“

Gut verläuft die Kooperation bislang auch für den Schuh-Händler Zeki Celic, der als Geschäftsführer in Bad Hersfeld das lokale Ladengeschäft „Riegel Jeans & Fashion“ betreibt. „Besonders praktisch ist, dass wir flexibel entscheiden können, welche Bestellungen wir online übernehmen“, berichtet er wiederum. „Durch den zusätzlichen Vertriebsweg können wir ein Modell trotzdem vollständig verkaufen, auch wenn es bei uns im Laden nicht so nachgefragt wird.“ Auch hier profitiert also nicht nur der Händler selbst von der Kooperation, wenn er zusätzlich online Umsatz macht. Wie beim Schuhhaus Fischer in Esslingen stärkt die Zalando-Kooperation auch in Bad Hersfeld das lokale Geschäft, weil der Händler vor Ort nun auch solche Modelle oder Farben anbieten kann, die nicht so stark nachgefragt werden. Wenn die Ware nämlich nicht im Geschäft verkauft wird, interessiert sich vielleicht ein Zalando-Kunde dafür.

Nicht vergessen darf man generell: Die teilnehmenden Händler verkaufen durch die Kooperation jetzt online, ohne selbst in Werbung und Shop-Betrieb investieren zu müssen. „Mit Zalando profitieren wir von einer großen Reichweite“, argumentiert daher Thomas Ganguin, Inhaber des Ladengeschäftes „Tip Tap Kinderschuhe“ in Weilheim. „Bei einem eigenen Shop müssten wir mehr Personal einplanen.“

Händler bislang sehr zufrieden: Viele Vorteile, wenig Risiko

Bei seinem Multichannel-Projekt kooperiert Zalando nun schon seit anderthalb Jahren mit lokalen Schuhgeschäften. Möglich macht es die auf Händler-Integration spezialisierte gaxsys GmbH, die neuhandeln.de auch als Sponsor unterstützt und stationäre Händler an den Zalando-Shop andockt.

So können lokale Händler die Bestellungen von Zalando-Kunden annehmen, wenn sie die Ware auf Lager haben. Damit das funktioniert, leitet Zalando die Aufträge zunächst an alle teilnehmenden Händler weiter. Nun haben die Partner maximal drei Stunden Zeit, um den Auftrag anzunehmen.

Wer sich zuerst meldet, bekommt den Auftrag und packt die Ware samt Rechnung in einen Zalando-Karton. So bekommt der Kunde gar nicht mit, dass die Ware nicht von Zalando kommt und von einem Einzelhändler stammt. Wenn kein Partner den Auftrag übernimmt, bearbeitet Zalando die Bestellung. Händler erhalten den Umsatz, wenn sie einen Auftrag übernehmen, Zalando bekommt eine Provision. Für die Kooperation brauchen Händler nur einen Internetzugang, einen Drucker und das gax-System.

Zum Start war die Multichannel-Kooperation auf Schuhe begrenzt. Ab sofort können aber stationäre Händler auch erstmals Textilien aus ihrem Fachgeschäft an Kunden verkaufen, die entsprechende Ware online bei Zalando ordern. So können kleine Händler einfach online verkaufen, während Zalando sein Angebot um die Sortimente von lokalen Einzelhändlern erweitert, bei denen nach wie vor die meiste Ware im gesamten Textilmarkt lagert. Aktuell sind bereits mehr als 100 lokale Händler über das gax-System an den Zalando-Shop angebunden, die bis zu 300 Bestellungen pro Woche versenden. Wer sich für die Multichannel-Kooperation interessiert: Hier können sich interessierte Händler bewerben.

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Über Stephan Randler 2199 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr