Pilotprojekt: Amazon und DHL liefern Pakete in den PKW

Ob das Video-Streaming-Angebot oder die eBook-Flatrate: Für gewöhnlich testet Amazon neue Services zunächst im Heimatmarkt USA, bevor sie über kurz oder lang auch nach Deutschland schwappen. Doch nun geht der E-Commerce-Riese einen anderen Weg und testet hierzulande einen neuen Zustellservice, der Kunden künftig einen entscheidenden Mehrwert bieten soll.

PKW-Belieferung von DHLDHL liefert nun erstmals Amazon-Bestellungen in Autos ab (Bild: DHL Paket)

Das Konzept: Bei einer Bestellung geben Kunden nicht eine klassische Lieferadresse wie ihren Wohnort oder eine Abholstation ein. Verbraucher können sich die Ware vielmehr in ihren PKW liefern lassen, wenn sie beim Check-Out im Online-Shop den ungefähren Standort angeben.

DHL bringt die Ware anschließend zum PKW, dessen Kofferraum der Zusteller über einen Code in einer Smartphone-App öffnen kann. Danach kann er das Paket im Auto deponieren und den Kofferraum wieder schließen. Der Kunde wird per E-Mail benachrichtigt, sobald die Ware im Auto abgeladen wurde. Starten will DHL einen ersten Praxis-Test noch im Mai im Großraum München, Kooperationspartner bei dem Pilotprojekt ist neben Amazon der Autobauer Audi.

Langfristig soll die neue Zustelloption aber nicht auf Halter einer Fahrzeugmarke beschränkt sein. So will der Versandhandelsriese mit der PKW-Zustellung seinen Kunden weltweit einen Mehrwert bieten, um das Einkaufen auf Amazon einfacher und flexibler zu machen. Bis wann es soweit sein soll, steht bislang aber nicht fest. Sicher dagegen ist: Die neue Zustelloption will Amazon in Zukunft nur solchen Kunden anbieten, die Mitglied im Prime-Programm sind.

Cardrops: Belgisches Start-Up arbeitet an einem ähnlichen Verfahren

Mit dem neuen Zustellservice bietet nach Angaben von DHL erstmals überhaupt ein Paket-Dienstleister in Deutschland die PKW-Belieferung an. Neu ist die Idee allerdings nicht. So hat das belgische Start-Up Cardrops bereits ein vergleichbares System entwickelt, das für Autos aller Marken offen steht. Das Prinzip: Wenn ein Kunde seinen PKW als Zustellort verwenden will, muss er eine Software in seinem Auto installieren, über die der Zusteller dann den PKW öffnen kann. Kosten soll die Zustellung in den PKW entweder jeweils 4,95 Euro pro Paket bei gelegentlichen Online-Shoppern oder pauschal 24,95 Euro monatlich für Heavy-User.

Details zu einem möglichen Pricing hat DHL momentan zwar noch nicht parat. Möglich wäre aber hier entweder eine Mietgebühr oder ein einmaliger Set-Up-Preis, wenn Amazon mit DHL einen ähnlichen Schritt geht und eine entsprechende Software vermarktet. Dafür spricht zum einen, dass die Zustelloption nur interessant ist, wenn Nutzer aller Autos davon profitieren.

Zum anderen bietet DHL bei seinem Paketkasten bereits sowohl ein Mietmodell als auch eine Kaufoption. Apropos Paketkasten: Wie bei diesem System hat soll auch die PKW-Zustellung dafür sorgen, dass Kunden keine Pakete mehr verpassen – wenn sie zum Beispiel bei der Zustellung nicht zu Hause sind. So lassen sich Paket beispielsweise auch im Auto ablegen, wenn der Wagen auf einem Firmenparkplatz oder vor dem Bahnhof steht. Auch den Gang zu einer Abholstation kann man sich dann sparen, was alternativ eine Zustelloption wäre.

Das Verfahren wirkt zudem vielversprechend, weil Verbraucher ein vorhandenes „Lager“ nutzen können und nicht extra einen Paketkasten dazu brauchen. Killen könnte das System aber der deutsche Verbraucher, dessen liebstes Kind ja gerne das eigene Auto ist. Fraglich, ob wirklich alle Kunden in der Praxis einen wildfremden Zusteller an ihr Auto lassen wollen.

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Über Stephan Randler 3152 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

1 Kommentar

  1. Nun, es stellt sich ja einfach die frage wer haftet, wenn der wagenbesitzer meint dass was weggekommen ist?

    Andernfalls könnte man das System doch gleich auf die Privatwohnung ausweiten statt den Umweg übers Auto zu gehen.

Kommentare sind deaktiviert.