Paketkasten-Aus bei DHL: ParcelLock sieht sein Konzept bestätigt

Vergangene Woche wurde bekannt, dass DHL den Verkauf seiner Paketkästen für Einfamilienhäuser einstellt. Denn dieses Geschäft ist nach eigenen Angaben nicht nur bei DHL, sondern „im gesamten Markt hinter den Erwartungen zurück geblieben“. Das sieht aber die ParcelLock GmbH aus Hamburg etwas anders, die hierzulande eine offene Paketsystem-Lösung für alle Zustelldienste vermarktet.

Gunnar Anger
Gunnar Anger (Bild: ParcelLock GmbH)

Die Nachfrage nach Paketkästen für Einfamilienhäuser könnte generell zwar auch nach Einschätzung des Gemeinschaftsunternehmens von DPD und Hermes höher sein. Generell bestätige aber das Aus der Paketkästen von DHL die eigene Strategie.

„Ein geschlossenes System nur eines Anbieters macht für Kunden schlichtweg keinen Sinn“, argumentiert Geschäftsführer Gunnar Anger (siehe Foto links). „Wir sehen uns daher in unserer Annahme bestätigt, dass sich Kunden vor allem ein offenes System für alle Zustelldienste wünschen.“

Genau dafür vermarktet ParcelLock die Software. Denn seit Herbst 2016 bietet ParcelLock nach eigenen Angaben ein „selbst entwickeltes IT-System für die anbieterneutrale Zulieferung in Paketkästen“, so dass Verbraucher in nur einer einzigen Box die Pakete von gleich mehreren Zustellern erhalten können – während die eigenen Paketkästen von DHL immer nur für Zustellungen durch DHL ausgelegt waren.

Bei der Vermarktung war dafür DHL im Vorteil: Wer so einen entsprechenden XXL-Briefkasten wollte, konnte diesen einfach bei DHL Paket online ordern. Auf der Website von ParcelLock werden dagegen nur Hersteller wie Renz oder Burg Wächter gelistet, die Produkte mit der Software anbieten. Kaufen müssen Kunden die Produkte woanders. Auch für ParcelLock-Paketkästen müssen Verbraucher aber selbst in die Tasche greifen, während eine Zustellung an Alternativ-Adressen wie PaketShops keinen Aufpreis kostet. Deshalb dürfte wohl auch das ParcelLock-System kaum die breite Masse erreichen. Für diese These spricht nicht zuletzt, dass ParcelLock auch auf Nachfrage keine Nutzerzahlen nennt.

Einen Paketkasten mit ParcelLock-System können Zusteller öffnen, wenn sie einen QR-Code scannen. So erhalten sie eine TAN, mit der sich die Box öffnen lässt. Der Kunde wiederum kann seinen Paketkasten später über einen Code öffnen, den er selbst festlegt (siehe Video). Die Software von ParcelLock kommt nicht nur bei Paketboxen für Einfamilienhäuser zum Einsatz. So gibt es – wie von DHL – eine Variante für Mehrfamilienhäuser, deren Kosten in der Regel auf die Miete umgelegt werden. Zusätzlich gibt es – vergleichbar zu den Packstationen von DHL – auch noch Abholstationen an öffentlichen Plätzen.

Während DHL seine Paketkästen für Einfamilienhäuser nicht mehr anbietet, sind die Paketkästen in Mietshäusern nicht betroffen. Diese erinnern optisch an die DHL-Packstationen, die es weiter gibt.

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Über Stephan Randler 2147 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr