Online-Plattform 2.0: Intersport plant dreistelligen Millionenumsatz

Die Intersport-Gruppe konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/2019 (Ende: 30. September) einen Online-Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich erwirtschaften. Damit hat das Geschäft im E-Commerce spürbar an Fahrt aufgenommen, wie Digital-Chef Carsten Schmitz (siehe Foto) im Gespräch mit neuhandeln.de berichtet. Im laufenden Geschäftsjahr will Intersport online sogar mehr als 50 Mio. Euro Brutto-Umsatz schaffen – und im Geschäftsjahr 2020/21 dann die 100 Millionen-Marke knacken.

Carsten Schmitz
Carsten Schmitz (Bild: Intersport)

Denn beim Online-Business profitiert der Verbund zunehmend von seinem neuen E-Commerce-Konzept, das in den vergangenen Jahren ja mehrmals geändert wurde. Zur Erinnerung: Los ging es im März 2013 mit einem Online-Shop, den Intersport zunächst zentral für seine Händler gesteuert hatte.

Wenn Kunden daher online bestellt haben, wurde die Ware aus einem Lager der Intersport Multichannel GmbH geliefert. Vom Online-Umsatz hatte dabei immer derjenige stationäre Händler eine Provision erhalten, der vom Kunden im Online-Shop als „favorisierter Händler in der Nähe“ benannt wurde.

In Fahrt gekommen ist dieses Vertriebsmodell aber nie. So wurde selbst im dritten vollen Geschäftsjahr 2015/16 mit dem zentralen Online-Shop gerade einmal ein Netto-Umsatz von 4,5 Mio. Euro generiert. Auch weil Intersport-Händler online lieber eigene Umsätze erzielen anstatt hier nur beteiligt zu werden. Seit dem dritten Quartal 2017 verkaufen daher stationäre Händler ihre eigene Ware über eine Online-Plattform und verschicken anschließend die Bestellungen aus ihrem Ladengeschäft an die Kunden.

Dieses dezentrale Marktplatz-Modell wurde im vergangenen Geschäftsjahr noch einmal verfeinert. So tritt als Verkäufer jetzt nur noch die „Intersport Digital GmbH“ gegenüber den Kunden auf, nachdem beim Check-out bislang verschiedene Händler genannt wurden – je nachdem, von welchem Partner die Ware stammte. Dieser Ansatz war aber schwierig, weil jeder Händler im Verbund für sich eigene Preise definiert. Wenn der Kunde also einen Schuh früher in zwei Farben oder Größen bestellt hat, konnte die Ware von zwei verschiedenen Händlern stammen – mit unterschiedlichen Preisen für denselben Schuh.

Jetzt dagegen ermittelt die Intersport Digital GmbH für jedes Produkt zunächst einen so genannten Online-Preis. Wenn Kunden dann ein Produkt kaufen, wird intern ermittelt, welcher Händler diesen Artikel vorrätig hat. Zu welchem Preis ein Händler sein Produkt dann online verkaufen will, ist dabei zweitrangig. Denn in einem weiteren Schritt prüft Intersport, wie nahe ein Händler bei dem jeweiligen Kunden ist. So will man unnötige Wege vermeiden, wenn ein Paket von München zum Beispiel an einen Kunden in Hamburg geliefert wird – während ein Händler vor Ort vielleicht auch die Ware vorrätig hat.

Category Killer wie Tennis Point sollen Online-Umsatz befeuern

Zudem bietet Intersport inzwischen auch die Option „Click & Collect“, über die sich Kunden ihre Ware in einem Ladengeschäft selbst abholen können – was ja keinen Sinn macht, wenn der Store weit entfernt vom Wohnort eines Kunden ist. Wenn ein Kunde mehrere Artikel bestellt, bekommt den Auftrag nach Möglichkeit zudem ein Händler, der alle Artikel in seinem Bestand hat. So will Intersport vermeiden, dass Kunden bei einer Bestellung mehrere Pakete erhalten. Zumal Kunden ja nur einmal Versandkosten pro Bestellung zahlen und es daher die eigene Marge drückt, wenn mehrere Pakete versendet werden.

Bei diesem Dropshipping-Modell erhält die Intersport Digital GmbH eine Provision, sobald ein Artikel online verkauft wird. Der Händler muss dann nur noch die Ware verschicken – und sich nicht mehr mit Payment-Gebühren oder Mahnungen befassen, da ja alle Bestellungen zentral abgewickelt werden.

So ein Modell ist auch für die einzelnen Händler attraktiver. Aktuell beteiligen sich daher schon rund 350 stationäre Geschäfte am neuen Dropshipping-Modell, über 500 Flächen sind über die Option „Click & Collect“ an die Online-Plattform angebunden und von mehr als 700 Geschäften zeigt Intersport online die lokale Verfügbarkeit der Artikel an. Langfristig Potenzial für Multichannel-Handel haben rund 700 der 1.500 Geschäfte, die in Deutschland in der Gruppe organisiert sind. In der Einkaufsgemeinschaft sind aber nicht nur Geschäfte mit Intersport-Branding, sondern auch Spezialisten wie Tennis Point.

Die Sortimente solcher „Category Killer“ werden ebenfalls an die Intersport-Plattform angebunden, um so in einzelnen Produktkategorien online ein tieferes Angebot zu bekommen. Schließlich ist das Ziel der Verbundgruppe ein dreistelliger Millionenumsatz im nächsten Geschäftsjahr – dank der Plattform 2.0.

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Über Stephan Randler 2286 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr