Maue Zahlen: Deswegen ändert Intersport sein Multichannel-Modell

Zum dritten Quartal 2017 will Intersport in der Praxis mit einem neuen Multichannel-Modell punkten. Künftig soll nämlich jeder einzelne Händler aus der Verbundgruppe auf der zentralen Online-Plattform Intersport.de einmal die Ware anbieten, die er bei sich im Ladengeschäft selbst vorrätig hat. Abgelöst wird dadurch das aktuelle Vertriebsmodell, bei dem die Intersport Digital GmbH auf Intersport.de einen zentralen Online-Shop für die Gruppe betreibt. Wenn Kunden daher online bestellen, liefert aktuell noch die Tochter die Ware aus dem Zentrallager. Vom Umsatz erhalten Händler eine Provision.

Intersport Online-Umsatz
Intersport online: Wenig Umsatz, aber hohe Verluste (eigene Angaben in Mio. Euro)

Warum dieses Modell keine Zukunft hat, zeigen die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr 2015/16 (Ende: 30. September). Damals wurden mit dem Warenverkauf an Endkunden nur Umsatzerlöse von rund 4,5 Mio. Euro erzielt (siehe Grafik). Das geht aus dem Konzernabschluss der Intercontact Beteiligungsgesellschaft mbH hervor, in den der Jahresabschluss der Online-Tochter einbezogen ist.

Demnach hatten die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr zwar ein wenig angezogen, da über den Online-Shop zuvor nur ein Umsatz von 3,9 Mio. Euro eingefahren worden war. Mit einem Minus von -5,7 Mio. Euro lagen die Verluste aber auch im vierten Jahr hintereinander über den Umsätzen. „Aufgrund der bisherigen Umsatz- und Ertragsentwicklung wurde entschieden, dass die Gesellschaft in Zukunft keinen eigenen Internet-Handel mehr betreibt“, heißt es in dem frisch veröffentlichten Geschäftsbericht.

Künftig werde die Intersport Digital GmbH daher nicht mehr als Händler auftreten, sondern nur noch als ein Dienstleister. Dabei soll die Online-Tochter den Mitgliedern der Gruppe „eine kooperative Händlerplattform“ zur Verfügung stellen. Im dritten Quartal 2017 sollen dann die ersten 50 bis 60 Einzelhändler aus dem Verbund ihre stationären Lagerbestände auf Intersport.de anbieten.

Neues Multichannel-Modell hat ebenfalls Tücken

Dass verschiedene Händler auf der Plattform aktiv sind und eigene Ware verkaufen, soll der Kunde aber nicht sehen. So erscheint auf dem Portal immer jeder Artikel nur einmal und zu einem Preis. Denn Intersport setzt auf Geo-Targeting. Sobald ein Internetnutzer die Online-Plattform aufruft, wird über die IP-Adresse sein Standort ermittelt und er erhält nur Angebote von Händlern aus der Nähe.

Sobald ein Produkt verkauft wird, muss der entsprechende Händler die Ware verpacken und versenden. Damit das alles reibungslos funktioniert, werden die Mitglieder dazu von der Intersport Digital GmbH geschult, die für alle Mitglieder zentral die Online-Plattform Intersport.de betreibt. Um das Online-Business zu refinanzieren, zahlen teilnehmende Händler wiederum Verkaufsprovisionen.

Der zentrale Online-Shop scheiterte daran, dass die Konversionsrate nicht in einem Bereich lag, „mit dem positive Ergebnisse erreichbar wären“. Dazu wollten die Händler lieber volle Umsätze online generieren als nur Provisionen zu kassieren. Doch auch das neue Modell hat Tücken. Denn Händler müssen sich nun selbst um den Online-Verkauf kümmern – was bislang die Online-Tochter getan hat. Gut möglich, dass manchem Händler in der Praxis der Online-Vertrieb dann doch zu aufwändig wird.

Schon gewusst? Jeden Freitag erscheint der kostenlose Newsletter von neuhandeln.de – so erhalten Sie alle Beiträge bequem in Ihr Postfach und verpassen keine Artikel mehr. Über 4.166 Kollegen aus dem Versand- und Multichannel-Handel beziehen bereits den Newsletterhier geht es direkt zum Abo.