Neue Strategie bei 3SI: Otto-Konzern verkauft nächsten Händler

Und wieder ein Verkauf: Weil sich der Otto-Konzern noch im laufenden Geschäftsjahr 2016/2017 von all seinen Handelsaktivitäten aus der französischen 3SI-Gruppe trennen will, ist nun der Multichannel-Discounter Cogemag-Excédence an der Reihe. Hier hat man nun nach einem privaten Verkaufsprozess eine Vereinbarung mit dem französischen Unternehmen Artmadis getroffen, das im B2B-Handel tätig ist und unter mehreren Marken eigenes Geschirr und Küchenzubehör vertreibt.

Cogemag-Excédence
Der Online-Shop von Cogemag-Excédence (Bild: Screenshot)

Bei dem Deal hat Artmadis zum 01. Juli 2016 das komplette Multichannel-Geschäft des Discounters übernommen, zu dem neben einem Online-Shop auch noch eine Handvoll Filialen in Frankreich gehören.

Allen 43 Mitarbeitern von Cogemag-Excédence werden nach Angaben der 3SI-Gruppe künftig Posten durch den neuen Eigentümer angeboten.

Dieser will das bestehende Discount-Geschäft fortführen, indem zum Beispiel künftig die Restbestände der eigenen Geschirr-Marken bei Cogemag-Excédence angeboten werden. Zum Kaufpreis gibt es keine offiziellen Angaben.

Bisher wurden unter anderem die Restposten der Otto-Versendermarke „3Suisses“ über Cogemag-Excédence veräußert. Auch von diesem französischen Händler will sich die Otto-Gruppe trennen.

In Deutschland wurde 3Suisses bereits eingestellt. Um das Portfolio zu bereinigen, hat die Otto-Gruppe auch schon vor kurzem den Textilhändler Blancheporte über ein Management-Buyout verkauft und die Gruppe Cemod-CZ an drei Leiter dieser Business-Unit übergeben. Dazu hatte sich der Konzern von dem französischen Versender Becquet getrennt, der auf Heimtextilien spezialisiert ist.

Hintergrund für den Kahlschlag bei der französischen 3SI-Gruppe ist, dass die Otto-Tochter ein Sorgenkind des Konzerns ist. So war allein im vorletzten Geschäftsjahr 2014/15 der Netto-Umsatz der 3SI-Gruppe um 11,8 Prozent auf 851 Mio. Euro gesunken, weil unter anderem das Geschäft der Mode-Marke 3Suisses restrukturiert wird. Hier werden keine Kataloge mehr verschickt und Angebote stattdessen nur noch online beworben. Dadurch sind die Umsätze gesunken, zum anderen aber natürlich auch Kosten für die Restrukturierung angefallen. Im Frühjahr hatte sich das Management der kriselnden 3SI-Gruppe daher dazu entschieden, alle eigenen Handelsaktivitäten aufzugeben.

Zum Verkauf stehen – nach den zahlreichen Transaktionen in den vergangenen Monaten – jetzt aber bei der französischen 3SI-Gruppe nur noch der Universalversender Unigro (Zielgruppe: Kunden in Belgien) sowie 3Pagen (Versender von Haushaltswaren in Deutschland und Österreich), Venca (Mode-Marke mit Fokus auf Kunden in Spanien und Portugal) und die Marke Vitrine Magique, die zu 3Pagen gehört.

Trotz der zahlreichen Verkäufe bei der 3SI-Gruppe bleibt der Otto-Konzern aber weiterhin als Händler auf dem französischen Markt aktiv mit den Marken Bonprix Frankreich und Helline sowie Witt International und Moda Vilona. Das Geschäft wird dann aber nicht mehr zentral über die 3SI-Gruppe gesteuert, sondern über die einzelnen Otto-Töchter Bonprix, Heine (Helline) und die Witt-Gruppe (Witt, Moda Vilona), die ihre französischen Aktivitäten einst mit der 3SI-Gruppe aufgebaut hatten.

Nach den Verkäufen erbringt die 3SI-Gruppe künftig nur noch Service-Leistungen für andere Versender mit den vier Dienstleistern Dispeo (Logistik), Mezzo (Kundenservice) und Mondial Relay (Paketlieferung an Pickup-Stationen) sowie Girard-Agediss (Transport von sperrigen Gütern).

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Über Stephan Randler 2295 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr