Der nächste Verkauf: Otto-Gruppe trennt sich von Becquet

Der Otto-Konzern bereinigt weiter sein Portfolio. Nicht mehr zur Händlergruppe gehört damit nun der französische Versender Becquet, der auf den Handel mit Heimtextilien spezialisiert ist. Verkauft wurde der vor fünfzig Jahren gegründete Spezialversender an den einheimischen Distanzhändler Domoti, mit dem sich der Otto-Konzern bereits seit einigen Wochen in exklusiven Verhandlungen befand.

Becquet Otto Group
Neuanfang: Becquet gehört nun nicht mehr zu der Otto-Gruppe (Bild: Screenshot)

Der neue Eigentümer übernimmt das komplette Personal von Becquet (62 Mitarbeiter) bei dem Deal, wo die Übernahme zum 01. Juni 2016 gegriffen hat. Angaben zum Verkaufspreis nennt man nicht, im vergangenen Kalenderjahr 2015 habe Becquet einen Umsatz von 80 Mio. Euro erzielen können.

Im Otto-Universum gehörte Becquet bislang zu der französischen 3SI-Gruppe, die im Versandhandel mit verschiedenen Versendern verkauft und dazu Service-Leistungen für andere Distanzhändler erbringt (u.a. Logistik und Kundenservice). In diesem Frühjahr hatte sich das Management der kriselnden Otto-Tochter dazu entschieden, alle eigenen Handelsaktivitäten aufzugeben. Durch diesen radikalen Schnitt soll die 3SI-Gruppe nur noch Service-Leistungen für andere Versender erbringen.

Hintergrund ist, dass der französische Konzern ein Sorgenkind der Otto-Gruppe ist. So ging allein im vorletzten Geschäftsjahr 2014/15 der Netto-Umsatz um 11,8 Prozent auf 851 Mio. Euro zurück.

Um das Portfolio zu bereinigen, hatte die Otto-Gruppe bereits den Textilhändler Blancheporte über ein Management-Buyout verkauft und die Gruppe Cemod-CZ an drei Leiter dieser Business-Unit übergeben. Zum Verkauf stehen aus den Handelsaktivitäten der französischen 3SI-Gruppe damit noch der Universalversender Unigro (Zielgruppe: Kunden in Belgien) sowie 3Pagen (Versender von Haushaltswaren in Deutschland und Österreich) und Excédence (französisches Online-Discount-Portal). Keine Zukunft im Konzern hat auch die Marke Vitrine Magique, die zu 3Pagen gehört.

Trennen will sich die 3SI-Gruppe auch von ihrer Kernmarke 3Suisses, deren Geschäft in Deutschland bereits vor zwei Jahren eingestellt wurde. Aktuell ist der Mode-Versender noch in Frankreich und Belgien aktiv, betriebswirtschaftlich gesehen dort aber nach eigenen Angaben „nicht tragfähig“.

Die Verkäufe will der Otto-Konzern bis zum Ende des Geschäftsjahres 2016/2017 (Stichtag: 28. Februar) abschließen. Wenn alles klappt, gibt es bei der 3SI-Gruppe dann nur die Dienstleister Dispeo (Logistik), Mezzo (Kundenservice) und Mondial Relay (Paketlieferung an Pickup-Stationen). Um das Service-Geschäft zu stärken, hat die 3SI-Gruppe gerade eben einen zusätzlichen Dienstleister übernommen: das Logistik-Unternehmen Girard-Agediss, das auf den Transport von sperrigen Gütern spezialisiert ist.

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Über Stephan Randler 2195 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr