Nach Marktplatz-Aus: Rakuten.de will mit neuem Konzept bei Kunden punkten

Vor wenigen Wochen hatte die Rakuten Deutschland GmbH angekündigt, ihren Online-Marktplatz im Oktober 2020 einzustellen. Denn hierzulande konnten die Japaner keine „relevante Marktpräsenz“ mit ihrer Verkaufsplattform erreichen. Der Marktplatz wurde daher jetzt eingestampft, das Online-Portal lebt aber weiter. Denn Rakuten.de soll ab sofort mit einem veränderten Konzept bei Kunden punkten.

Rakuten.de
Rakuten schickt Nutzer in andere Online-Shops

Der zentrale Unterschied zum bisherigen Geschäftsmodell ist hierbei, dass jetzt auf Rakuten.de keine Händler mehr verkaufen. Vielmehr ist das Portal nun nur noch eine Plattform, auf der externe Online-Shops werben. Dazu zählen etwa Elektronik-Händler Conrad oder die Otto-Tochter myToys.de.

Diese listen auf Rakuten.de verschiedene Angebote. So bewirbt myToys.de zum Beispiel gerade „Spielzeug für Draußen“ mit bis zu 50 Prozent Rabatt. Neben so einem Angebotstext finden die Nutzer jeweils zusätzlich einen Button mit der Aufschrift „Angebot prüfen“.

Wer darauf klickt, wird in den entsprechenden Online-Shop des Anbieters geleitet. In diesem Fall landen Nutzer also bei myToys.de. Hier kauft der Kunde im Prinzip ein wie immer. Mit einem Unterschied: Wer seinen Kauf bei Rakuten.de startet und von dort aus einen externen Online-Shop besucht, erhält vom Preis der Bestellung einen Anteil von fünf bis 20 Prozent erstattet. Allerdings nicht in Euro, sondern in so genannten „Rakuten Points“. Dabei handelt es sich um das Bonuspunkte-Programm von Rakuten.

Ein Beispiel: Wer etwa für 100 Euro bei Conrad shoppt, bekommt aktuell davon zehn Prozent zurück. Das sind zunächst einmal zehn Euro vom Bestellwert. Diese werden allerdings in Rakuten-Punkten erstattet. Hier entspricht ein Punkt einem Cent. Die zehn Euro Erstattung entsprechen daher 1.000 Rakuten-Punkten. Diese können Kunden dann unter anderem einlösen, wenn sie Filme in der Online-Videothek „Rakuten TV“ ansehen. Hier kann man einen Film zum Beispiel für 2,99 Euro ausleihen – was 299 Rakuten-Punkten entspricht. Wer also für 100 Euro kauft, kann drei Filme gratis online ansehen.

Rakuten.de droht ein Teufelskreis – wie bereits beim Marktplatz

Dafür muss der Kunde aber zunächst ein Rakuten-Konto anlegen. Hier werden dann allerdings nur die Punkte verwaltet. Sobald der Kunde nämlich in einem externen Online-Shop wie Conrad oder myToys kaufen will, braucht er dort trotzdem weiterhin ein Konto oder einen Gastzugang. In den Online-Shops der Partner fehlt außerdem ein Hinweis, wie viele Punkte es für den Einkauf gibt. Denn Rakuten leitet die Nutzer ja lediglich in andere Online-Shops weiter, wo der Einkauf dann so abläuft wie sonst auch.

Dadurch wird es aber schnell unübersichtlich. Denn eBay ist zum Beispiel auch Rakuten-Partner. Hier aber werden einzelne Käufe unterschiedlich mit Punkten honoriert – je nachdem, was für Produkte aus welcher eBay-Kategorie denn die Kunden kaufen. Wie viele Punkte es gibt, sieht der Kunde daher erst, wenn er sich wieder bei Rakuten.de anmeldet. Denn hier steht im Kunden-Profil eine Übersicht mit allen Transaktionen, für die Rakuten-Punkte erstattet werden. Aktuell können Nutzer in Deutschland bei etwa 400 Shop-Marken bereits Punkte sammeln, wenn sie in den Shops der Partner einkaufen. Bei jeder Transaktion erhält Rakuten eine Provision. Einen Teil dieser Einnahmen gibt Rakuten über seine Punkte an die Kunden weiter. So will man diese an hauseigene Online-Angebote wie das „Rakuten TV“ binden.


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Doch ob diese Rechnung auch aufgeht? Aus Nutzersicht ist das System durchaus komplex und eventuell nicht für jeden auf Anhieb greifbar. Wenn das Angebot aber die Nutzer nicht überzeugt, droht auch bei dem neuen Geschäftsmodell ein Teufelskreis. Denn ohne eine kritische Masse an Nutzern ist das Portal auch für Partner-Shops weniger interessant. Diese bleiben dann der Plattform fern, wodurch auch das Angebot für Nutzer uninteressant wird. So ein Teufelskreis hat Rakuten schon einmal das bisherige Marktplatz-Geschäft erschwert. Jetzt ist der Aufwand für Partner allerdings geringer. Diese müssen ja keinen Rakuten-Shop mehr betreiben und pflegen. Sie zahlen ja nur eine Provision, wenn ein Kauf über Rakuten zustande kommt. Und wenn nichts passiert, werden schlichtweg auch keine Gebühren fällig.

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Über Stephan Randler 2653 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.