„Keine Perspektive“: Letzte Club-Filiale schließt im März 2015

Erst Anfang Februar hat die Bertelsmann Direct Group ihrem kriselnden Buch-Club einen neuen Online-Auftritt spendiert, um den Shop attraktiver zu machen. Doch die Halbwertszeit des neuen Angebots ist begrenzt, weil die Website bereits in anderthalb Jahren vom Netz gehen wird:

Bertelsmann Buch-ClubBildquelle: Screenshot

„Die DirectGroup Germany hat gestern beschlossen, ihre deutschsprachigen Club- und Direktmarketinggeschäfte in den kommenden Monaten schrittweise einzustellen: Aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Perspektive werden die Geschäfte der Bertelsmann-Tochter zum Jahresende 2015 geschlossen. Damit zieht das Unternehmen die Konsequenzen aus der seit Jahren rückläufigen wirtschaftlichen Entwicklung seiner Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. […] Trotz intensiver Versuche, das Clubmodell weiterzuentwickeln, hat sich nun im deutschen Markt gezeigt, dass das Geschäftsmodell des Clubs wirtschaftlich keine tragfähige Perspektive mehr hat.“

Auch wenn der Zeitpunkt kurz nach dem Shop-Relaunch kurios wirkt: Wirklich überraschend kommt das Aus nicht. So hieß es beispielsweise im Bericht über das vergangene Geschäftsjahr 2013, dass Bertelsmann sowohl „sinkende Umsätze im Club- und Direktmarketinggeschäft“ als auch einen „Ergebnisrückgang im Clubgeschäft“ verzeichnet habe. Zu Jahresbeginn wurde zudem bekannt, dass zahlreiche Club-Filialen geschlossen werden.

Auf Nachfrage von neuhandeln.de hat die Bertelsmann-Tochter erklärt, dass die letzte der aktuell noch 52 Filialen im März 2015 schließen wird (Standort: Gütersloh). Als Gründe für das Aus des Buch-Clubs nennt die Bertelsmann Direct Group die „abnehmende Bindungsbereitschaft der Kunden“ sowie den „tiefgreifenden Wandel im Buchhandel„.

Gegenüber neuhandeln.de verdeutlicht Bertelsmann, dass damit unter anderem der Wandel im Retail insgesamt (Frequenzrückgang in Innenstädten) sowie die zunehmende Konkurrenz durch digitale Freizeit-Angebote gemeint sei (Spiele, Social Networks). Wahrscheinlich dürfte auch Amazon dem Bertelsmann-Club in den vergangenen Jahren zunehmend Marktanteile im Online-Buchhandel abgejagt haben. An diesen Umständen konnte auch der neu überarbeitete Online-Shop prinzipiell nichts ändern, wie Bertelsmann auf Nachfrage zugeben muss (via Mail):

„Der Relaunch hat sehr wohl gefruchtet – diverse Kennzahlen haben unsere Erwartungen erfüllt. Aber die beiden Grund-Faktoren – zurückgehende Bindungsbereitschaft der Kunden und Marktumfeld – werden auch durch eine besser laufende Website nicht aufgefangen.“

Der Buch-Club verkauft neben regulären Buchhandelsausgaben auch preisgünstigere Varianten, die es exklusiv bei Bertelsmann gibt. Wer so eine Exklusiv-Ausgabe (Lizenzausgabe) mit eigener Gestaltung und anderem Cover kauft, bezahlt entweder den regulären Buchhandelspreis oder einen reduzierten Preis, wenn er Mitglied im Bertelsmann-Buchclub ist. Dieser Spar-Vorteil scheint aber als Verkaufsargument für den Club immer weniger gezogen zu haben.

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr