„Haustür-Zustellung zeitaufwändig“: Hermes plant 5.000 neue Paketshops

Die Otto-Tochter Hermes setzt auf zusätzliche Touchpoints, um die zunehmende Paketflut im Online-Handel zu bewältigen. So will der Zusteller die Anzahl seiner Paketshops erhöhen, in die sich Kunden ihre Bestellungen zur Abholung liefern lassen können. Konkret geplant sind demnach 5.000 weitere Standorte bis zum Jahr 2020, nachdem es aktuell rund 15.000 Hermes-Shops in Deutschland gibt.

Thomas Horst
Thomas Horst (Bild: Hermes)

„Die Zustellung an der Haustür ist zeitaufwändig, teuer und verursacht Verkehr und Emissionen“, argumentiert Thomas Horst, Geschäftsführer Sales bei Hermes Germany (siehe Foto). „Durch eine konsolidierte Zustellung an Paketshops können mehr Pakete mit weniger Fahrten ausgeliefert werden.“

Das auf Handelsforschung spezialisierte ECC Köln hat zwar erst vor kurzem in einer Umfrage unter 1.000 Online-Käufern herausgefunden, dass die meisten Online-Shopper ihre Bestellung zu Hause erhalten möchten. Für Horst ist die Lieferung an einen Paket-Shop aber sogar ein zusätzlicher Service für Kunden – obwohl sie in diesem Fall ihr Paket ja selbst vor Ort abholen müssen.

„Viele Menschen sind tagsüber ohnehin nicht zuhause“, argumentiert der Sales-Chef. „Da bietet sich eine Abholung in einem Shop geradezu an.“ Recht gibt ihm die ECC-Studie. Demnach wünschen sich zwar 80 Prozent der Befragten eine Zustellung an der Haustür. Dort erreichen aber nur 61 Prozent der Pakete den Empfänger. Mit bestehenden Zustellkonzepten sei die Paket-Flut daher nicht zu stemmen.

Damit sich Kunden ihre Hermes-Pakete künftig verstärkt an Paketshops liefern lassen, sollen „gezielte Lückenschlüsse“ die Entfernung zum Kunden verringern. Im besten Fall sollen Kunden in Städten nicht mehr als fünf Minuten gehen müssen, um den nächst gelegenen Paketshop zu erreichen. Bei der Paketshop-Offensive setzt Hermes aber nicht nur auf Masse. Wichtig sei auch, dass die Shops zum Beispiel lange geöffnet haben und Kunden so ihr Paket auch bequem nach Feierabend bekommen.

Deshalb sollen neue Shops zum Beispiel auch wieder in U-Bahnhöfen eröffnen, nachdem Hermes diese Standorte bereits seit Sommer 2015 erfolgreich testet. „Das übergeordnete Ziel ist die Etablierung von unseren Hermes-PaketShops als Abholpunkte für Online-Bestellungen“, verdeutlicht Sales-Chef Horst.

Paketzustellung
Kunden wollen ihre Bestellungen klassisch zu Hause erhalten (Grafik: ECC Köln)

PaketShops können Verbraucher als Abgabestelle nutzen oder als alternative Zustelladresse. Für jedes abgewickelte Paket erhält der Shop-Betreiber einen mittleren zweistelligen Cent-Betrag, Hermes wird dafür das Paket beim ersten Mal los. Denn bei der Heimlieferung verspricht die Otto-Tochter bis zu vier Zustellversuche (vor dem letzten Termin kann der Kunde als Ersatzadresse einen PaketShop nennen). Bei jedem Paketshop stellt Hermes die Technik (Scanner, Drucker) und investiert z.B. in die Werbung.

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