Filiale der Zukunft: Neues eBay-Projekt noch unausgereift

Deutsche Online-Händler experimentieren munter weiter mit neuen Filialformaten. Nachdem in den vergangenen Tagen erst Cyberport („Cyberport verfeinert sein Store-Format„), sowie Rose („Rose Versand eröffnet Multimedia-Shop„) und Outfittery („Outfittery will mit 3D-Scannern punkten„) mit ungewöhnlichen Konzepten aufhorchen ließen, zieht nun eBay nach.

eBay Inspiration Store

Der „Inspiration Store“ im Bremer Weserpark (Bildquelle: eBay Deutschland)

Gemeinsam mit der Noch-Tochter PayPal und dem Handelskonzern Metro wurde nun im Einkaufszentrum Weserpark in Bremen ein stationäres Ladengeschäft eröffnet, das unter dem Motto „The Inspiration Store“ nicht weniger als das „Einkaufserlebnis der Zukunft“ bieten soll.

Das Konzept: Auf einer Verkaufsfläche von 200 Quadratmetern finden Kunden ein Sortiment von rund 400 Artikeln, das alle zwei Wochen wechselt. Dabei steht das Angebot immer unter einem bestimmten Motto. Zum Start wird beispielsweise unter der Parole „Schönes Zuhause“ ein Sortiment rund um Besteck, Geschirr und Küchengeräte angeboten. Die Produkte stammen dabei von gewerblichen eBay-Verkäufern sowie von Händlern aus dem Metro-Konzern (Media Markt, Real und Kaufhof) und werden parallel in einem Sub-Shop auf eBay.de angeboten.

Im Store selbst gibt es viel Schnickschnack, der momentan State-of-the-Art ist. So wird das Sortiment des „Inspiration Store“ im Geschäft beispielsweise auch über digitale Displays und sechs Touchpads beworben, so dass Kunden die Produkte auch im Geschäft online kaufen können.

Ein digitales Display befindet sich außerdem vor dem Geschäft (siehe Foto unten), so dass man online auch nach Ladenschluss kaufen kann. Denn die die Mall ist zwar um die Uhr geöffnet, das Geschäft aber schließt um 20 Uhr. Mit dem Display vor dem Store will eBay daher Kunden erreichen, die zum Beispiel nach dem Kinobesuch durch die Mall zum Parktplatz schlendern.

eBay Digital Wall

Die „Digital Wall“ vor dem Store (Bildquelle: eBay Deutschland)

Die vielen zeitgeistigen Features täuschen aber nicht darüber hinweg, dass der Inspiration Store bei näherem Hinsehen unausgereift ist. Das kann man gut mit drei Beispielen belegen.

Zum einen verknüpft eBay den Online- und den Offline-Handel nicht richtig miteinander. Wer vor Ort einkauft, kann die Ware zwar entweder sofort mitnehmen oder sich nach Hause liefern lassen. Wer aber im Sub-Shop auf eBay.de einen Artikel wie diesen Serviettenhalter kaufen will, kann die Ware im Anschluss nicht einfach in der Filiale abholen. So ein Abholservice („Click & Collect“) für Online-Kunden wird nämlich nicht angeboten, weil die Artikel des „Inspiration Store“ nach Angaben von eBay nur in begrenzter Stückzahl in der Filiale erhältlich sind.

Das digitale Display vor dem Geschäft wiederum mag zwar gut gemeint sein, ist in der Praxis aber unnötig. Denn sobald Kunden über das Display vor dem Store kaufen wollen, müssen sie mit ihrem Smartphone einen QR-Code scannen und anschließend über PayPal bezahlen. Wenn ich aber bereits mit dem Smartphone vor dem Display stehe, kann ich als Kunde gleich direkt das Online-Angebot auf eBay.de aufrufen. Statt einem Display vor dem Geschäft würde also auch ein Hinweis auf den eBay-Shop reichen – auch wenn das weniger stylish wirkt.

Selbst die Touchpads im Ladengeschäft sind unnötig. Denn sobald der Kunde online das Sortiment des Stores aufruft, bekommt er die gleichen Artikel zu sehen wie in der Filiale. Ein Bestellterminal macht meines Erachtens aber nur Sinn, wenn das physische Ladenregal verlängert wird und Kunden zum Beispiel online mehr Produktvarianten oder Zubehör kaufen können.

Das „Einkaufserlebnis der Zukunft“ dürfte eBay daher mit seinem Offline-Projekt nicht bieten. Vielversprechender wirken im Vergleich die Multichannel-Strategien von Outfittery oder Rose, wo Kunden vor Ort einen echten Mehrwert bekommen. So können Kunden bei Outfittery künftig vor Ort ihren Körper vermessen lassen, was online so nicht möglich ist. Bei Rose wiederum können Kunden vor Ort ihr individuelles Fahrrad konfigurieren lassen, das erst nach der Bestellung produziert und dann zu ihnen nach Hause oder in den Store geliefert wird.

eBay will das Multichannel-Konzept bis Mitte Januar 2015 testen, ein dauerhafter stationärer Auftritt ist im Vergleich zu Outfittery oder Rose nicht geplant. Vielleicht ist das ja ganz gut.

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr