Filiale der Zukunft: Outfittery will mit 3D-Scannern punkten

Gerade erst hat der Berliner Textilversender Outfittery einen Pop-Up-Store am Hamburger Flughafen getestet, schon startet das Start-Up das nächste spannende Projekt. So wurde gemeinsam mit Münchner Studenten ein Körper-Scanner entwickelt, über den Kunden im stationären Einzelhandel nun die passenden Größen für ihren Einkauf bei Outfittery ermitteln sollen.

3D-Scanner von Outfittery

Der „Männer-Scanner“ in der Holz-Box (Bildquelle: Outfittery)

Den Prototypen dieses „Männer-Scanners“ (siehe Foto oben) hat Outfittery zu Beginn der Woche auf einem Pressetermin in München vorgestellt. Wer die Box betritt, muss lediglich dicke Kleidungsstücke wie Jacke oder Pullover ablegen. Anschließend stellt man sich auf eine Drehscheibe, die sich einmal um die eigene Achse dreht. Dabei wird der Körper über Infrarot-Technik vermessen, denn in der Box sind Sensoren der Microsoft Kinect verbaut. Den Scan-Vorgang können Kunden selbst über einen Touchscreen in der Kabine starten. Der gesamte Vorgang dauert dabei nur ein paar Sekunden, wie ich selbst in einem Testlauf erleben durfte.

Das 3D-Modell des Kunden nutzt Outfittery anschließend, um die passenden Größen für Hemden und Hosen zu ermitteln. So werden im System beispielsweise die Länge der Beine und der Hüftumfang hinterlegt, wodurch eine von den Studenten entwickelte Software automatisch eine Größenempfehlung errechnet (zum Beispiel die Größe 34/34 für eine Jeans). Mit diesen Infos will man die Hemmschwelle für Erstbesteller reduzieren. Denn nach den bisherigen Erfahrungen von Outfittery würden viele Männer bislang keine Mode im Internet bestellen, weil sie ihre Größe nicht kennen und befürchten, dass ihnen die Bestellungen nicht passen könnten.

Netter Nebeneffekt: Die Körpermaße lassen sich auch nutzen, um die Retourenquote zu reduzieren. Denn die Größenempfehlungen werden im Profil des Kunden hinterlegt, so dass bei der nächsten Warensendung von vornherein die passenden Größen enthalten sein sollten.

Outfittery-Prinzip

Das Prinzip des Körper-Scanners (Bildquelle: Outfittery)

Den Prototypen will Outfittery von März bis September 2015 zunächst Endverbrauchern in sieben Städten vorstellen. Im Anschluss daran sollen rund einhundert Körper-Scanner fest installiert werden – beispielsweise in Shopping-Centern oder Flughäfen, wo Outfittery ja erst kürzlich seinen ersten Pop-Up-Store getestet hat (allerdings noch ohne einen Körper-Scanner).

Ein deutschlandweiter Roll-Out ist möglich, weil die 3D-Scanner sehr günstig zu produzieren sind. So kostet eine Box nach Angaben von Outfittery rund 2.500 Euro, während man früher für einen Körper-Scanner schon einmal eine sechsstellige Summe auf den Tisch legen musste.

Prinzipiell könnte es vom Körper-Scanner künftig verschiedene Varianten geben. So wäre zum einen möglich, dass Personal die Kunden bei dem Scan berät. Gedanken macht sich Outfittery aber parallel auch über eine alternative Stand-alone-Lösung, bei der Kunden – wie zum Beispiel bei einem Foto-Automaten – den Körper-Scan ganz allein vor Ort durchführen können.

Outfittery ist auf den Online-Modehandel mit Männern spezialisiert. Diesen füllen vor dem Kauf einen Online-Fragebogen aus oder telefonieren mit einer Stylistin. Danach erhalten sie eine Box mit verschiedenen Outfits zugeschickt, die ihrem persönlichen Mode-Geschmack entsprechen sollen. Kunden können dabei die Ware kostenlos retournieren, die sie nicht behalten wollen.

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr