„Erheblich beeinträchtigt“: So leidet Zalando unter der Corona-Krise

Der Fashion-Versender Zalando hat das erste Quartal 2020 mit einem Netto-Umsatz von 1,5 Mrd. Euro abgeschlossen. Trotz der Corona-Krise konnten die Berliner damit zwar um 10,6 Prozent zulegen. Vor einem Jahr allerdings waren die Berliner mit einem Plus von 15,2 Prozent deutlich stärker gewachsen.

Der Wert der gehandelten Ware (Brutto-Warenvolumen) wiederum ist bei Zalando jetzt parallel etwas stärker um 13,9 Prozent auf rund zwei Mrd. Euro angestiegen. Hier sind neben den eigenen Verkäufen ja auch noch die Umsätze von den Partnern enthalten, die ihre Mode online über Zalando verkaufen.

Zalando Kartons
Die Krise spürt Zalando auch (Bild: Zalando SE)

Von den Partner-Verkäufen erhält Zalando aber nur Provisionen und Service-Gebühren, die dann mit den eigenen Warenverkäufen den Zalando-Umsatz ergeben. Provisionen machen aber nur einen Bruchteil vom Wert aus, den Partner als Umsatz verbuchen. Daher ist der Netto-Umsatz von Zalando geringer als das Brutto-Warenvolumen, das über alle Verkäufe erzielt wird.

Eine genaue Analyse zeigt: Während im Januar und Februar noch ein starkes Wachstum bei dem Brutto-Warenvolumen zu verzeichnen war, wurde diese Kennzahl nach eigenen Angaben im März gleich „erheblich beeinträchtigt„.

Kein Wunder. Schließlich wurden damals Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen verabschiedet, die sich auch bei Zalando negativ auf die Verbraucherausgaben ausgewirkt haben. Nachvollziehbar. Zwar macht Zalando den Löwenanteil vom Geschäft online und verkauft offline nur in seinen Outlets. Doch auch online kaufen ja Verbraucher neue Mode nicht wirklich, um sie allein für sich zu Hause im Corona-Lockdown zu tragen. Zalando hatte aber auch bereits berichtet, dass – nach dem Einbruch im März – das Brutto-Warenvolumen wieder gewachsen ist. Damit ergibt sich für März und April dieses Bild:

Zalando Umsatz
Die Entwicklung vom Brutto-Warenvolumen bzw. Gross Merchandise Volume (GMV)

Auswirkungen hat die Corona-Krise allerdings nicht nur auf das Warenvolumen, sondern auch auf das Ergebnis. So liegt das bereinigte EBIT im ersten Quartal 2020 bei -98,6 Mio. Euro und damit mehr als deutlich unter dem Vorjahreswert (Q1 2019: 6,4 Mio. Euro). Diese Entwicklung begründet Zalando unter anderem mit der geringeren Nachfrage im März sowie Sonderabschreibungen in Höhe von 40 Mio. Euro auf den Warenbestand. Generell wurde der „Mid Season Sale“ vorgezogen und so höhere Rabatte im März gewährt, um damit die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Lagerbestände abzufedern.

Trotz der Corona-Krise bleibt aber auch im ersten Quartal 2020 wieder ein Plus beim Umsatz und dem Warenvolumen. Als Wachstumstreiber nennt Zalando unter anderem, dass immer mehr Verbraucher ihre Käufe ins Internet verlagern und zudem immer mehr Partner über Zalando verkaufen. Dazu habe man starke Zuwächse bei Sortimenten wie Sportkleidung oder Beauty-Artikeln verbucht, die im Corona-Lockdown besonders gefragt waren. Das Beauty-Geschäft etwa sich zum Vorjahr gleich verdreifacht: „Mit Duftkerzen, Haut- und Nagelpflege holen sich Kunden das Spa nach Hause“, erklärt Zalando das.

Übrigens: Im April – also nach dem ersten Quartal 2020 – hat Zalando so viele Neukunden gewonnen wie noch nie in diesem Monat. Die Berliner werten das jetzt als ein Anzeichen dafür, dass nun noch mehr Verbraucher langfristig ihre Einkäufe ins Internet verlagern könnten. Tatsächlich dürften in der Corona-Krise viele Verbraucher den Online-Handel entdeckt haben, wenn Geschäfte geschlossen sind. Gut möglich aber auch, dass diese Kunden künftig wieder offline kaufen – wenn das ermöglicht wird.

neuhandeln.de PS: Verpassen Sie nicht mehr, was den Online- und Multichannel-Handel bewegt! Unser kostenloser Info-Dienst liefert Ihnen jede Woche alle neuen Beiträge am Freitag Abend per E-Mail in Ihr Postfach. Aktuell. Bequem. Zuverlässig. Dazu gibt es nur für Abonnenten unseres Newsletters regelmäßig Goodies wie Verlosungen von Tickets oder Rabatt-Codes für Veranstaltungen.

Über 4.542 Kollegen aus dem Online- und Multichannel-Handel sichern sich so schon ihren Wissensvorsprung. Jetzt gleich anmelden:

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung. Die Einwilligung lässt sich jederzeit widerrufen. *Pflichtfeld

Über Stephan Randler 2624 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*