Ehemaliger Weltbild-Logistik droht nun endgültig das Aus

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Nachdem für die Also Logistics Services GmbH im vergangenen Juli ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet worden war, geht der Logistik-Dienstleister aus dem Weltbild-Umfeld nun in die Regelinsolvenz. Demnach sei nach Angaben der Also-Gruppe ein Sanierungskonzept für „eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur“ von Betriebsrat und Verdi abgelehnt worden.

Also LogistikDas ehemalige Weltbild-Lager könnte bald still stehen (Bild: Also Holding AG)

Das Sanierungskonzept von Also sah vor, 150 Arbeitsplätze zu erhalten. Aktuell sind rund 450 Mitarbeiter bei dem Logistik-Dienstleister beschäftigt. Hintergrund ist, dass die Also Logistics Services GmbH nach eigenen Angaben eine zu hohe Kostenstruktur habe, mit der man nicht wettbewerbsfähig sei. Allein im ersten Halbjahr 2015 sei daher ein Verlust von rund vier Mio. Euro entstanden. Der Schweizer Also-Konzern hatte daher Ende Juli entschieden, das Geschäft seines Augsburger Fulfillment-Dienstleisters nicht mehr länger zu finanzieren.

Die Also Logistics Services GmbH war im vergangenen Herbst entstanden, als der Also-Konzern aus der Insolvenzmasse der Verlagsgruppe Weltbild die Logistiksparte übernommen und in eine neue Gesellschaft übertragen hatte. Die neu gegründete Gesellschaft nutzt seitdem das ehemalige Versandzentrum von Weltbild am Standort Augsburg, um dort Pakete für Händler zu packen. Nach wie vor arbeitet man aber für Weltbild. Andere Versandhändler konnte man bislang nicht gewinnen, da der Dienstleister nach eigenen Angaben schlichtweg zu teuer sei.

Zum Insolvenzverwalter wurde nun Frank Kebekus bestellt, der als Sachwalter bereits zuvor beim Insolvenzverfahren in Eigenregie zuständig war. Er muss neue Finanzierungsquellen finden, da das Insolvenzgeld bereits gezahlt wurde und der Fulfillment-Dienstleister sein Geschäft nun wieder selbst finanzieren muss. Laut der Gewerkschaft Verdi werden die auflaufenden Verluste der Also Logistics Services GmbH zunächst von Weltbild getragen. So finanziere Weltbild das Geschäft „garantiert“ bis Ende Januar 2016, eventuell bis Juni 2016.

Weltbild finanziert nun den Logistik-Dienstleister – aber wohl nicht ewig

Nach Insider-Informationen soll Weltbild die Logistik aus dem laufenden Geschäft finanzieren können, weil das traditionell umsatzstarke Weihnachtsgeschäft im Versandhandel anläuft.

Das dürfte auch der einzige Grund sein, warum Weltbild nun aushilft. Denn ohne Logistik kann Weltbild seine Kunden nicht mehr beliefern, was Weltbild ebenfalls in eine bedrohliche Lage bringen würde. Andere Geldgeber dürfte die Also Logistics Service GmbH außerdem schwer finden, da Weltbild nach eigenen Angaben des Also-Konzerns ja der einzige Kunde ist – der überhaupt ein Interesse daran haben kann, dass das Geschäft in der Logistik weiterläuft.

Die Zeit bis Ende Januar dürfte Weltbild nutzen, um einen neuen Dienstleister zu finden. Dann dürften die Retouren aus dem Weihnachtsgeschäft abgewickelt sein, so dass Weltbild in der Logistik die Spitzenlast hinter sich hat und den Partner einfacher wechseln kann als jetzt.

Wegen der hohen Kosten ist es realistisch, dass Weltbild die Kooperation mit Also aufgibt. „Die Erfahrung der vergangenen Monate zeigt, dass insbesondere die Finanzierung der Zeit nach Weihnachten – vor allem mit dem aktuellen Personalbestand – sehr teuer ist„, argumentiert ein Sprecher des Also-Konzerns gegenüber neuhandeln.de. Doch wenn Weltbild sich einen neuen Partner sucht, würde der Also Logistics Services GmbH der einzige Kunde verloren gehen – was wohl das Aus für den Anbieter wäre. Es bleibt aber bei diesen Spekulationen: Denn Weltbild selbst wollte sich trotz mehrmaliger Nachfrage nicht gegenüber neuhandeln.de äußern.

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Über Stephan Randler 2911 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

1 Kommentar

  1. Nun,

    bei Opel haben auch die allerwenigsten einen neuen Job weil die lange Zahlung des alten Gehaltes durch Opel und die weiterhin hohen Zahlungen in der Transfergesellschaft weit über dem liegen was heutzutage marktüblich ist…

    Sprich: Die Leute an der Versteinerten Furt haben einfach den Schuss nicht gehört – das wird auch für Rest-Weltbild ein böses Ende nehmen.

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