Ehemalige Logistiksparte von Weltbild vor Insolvenzantrag

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Im Umfeld der Augsburger Weltbild-Gruppe rumort es erneut. Betroffen ist dieses Mal das ehemalige Versandgeschäft des Multichannel-Händlers in Augsburg. Hier betreibt heute die Also Logistics Services GmbH ein Logistikzentrum, das zuvor ein Teil der Verlagsgruppe war. Nun steht dieser neue Eigentümer vor der Entscheidung, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Also LogistikIm ehemaligen Versandlager von Weltbild kriselt es (Bild: Also Holding AG)

Der Hintergrund: Die Also Logistics Services GmbH ist im vergangenen Herbst gegründet worden, als man aus der Insolvenzmasse der Verlagsgruppe Weltbild das Logistikgeschäft erworben hatte. Die neu gegründete Gesellschaft ist ausschließlich am Standort Augsburg tätig, wo man als externer Dienstleister überwiegend Pakete für die Weltbild-Gruppe schnürt.

Bei der Übernahme im vergangenen Herbst war geplant, auch für weitere Versandhändler als Fulfillment-Dienstleister tätig zu werden. Dieses Ziel hat man bislang aber nicht erreicht, die Umsätze gehen nach eigenen Angaben vielmehr zurück. Schuld daran sei eine Kostenstruktur, die nicht marktkonform sei. Potenziellen Neukunden sei der Dienstleister daher zu teuer.

Um die Kosten zu senken, muss der Also-Konzern nach eigenen Angaben in Augsburg einige Stellen abbauen. Aktuell sind rund 450 Mitarbeiter im ehemaligen Lager der Verlagsgruppe Weltbild beschäftigt, rund einhundert Mitarbeiter will der Konzern entlassen. Gespräche mit Vertretern der Arbeitnehmer sind nach Angaben des Unternehmens bislang gescheitert.

Zu hohe Kostenstruktur: Dienstleistungsgeschäft nicht wettbewerbsfähig

Unterm Strich steht ein Verlust von rund vier Mio. Euro im ersten Halbjahr 2015 bei der Also Logistics Services GmbH in Augsburg. Wenn die Kosten daher nicht reduziert werden, ist der Dienstleister nach eigenen Angaben nicht wettbewerbsfähig. Aus diesem Grund hat sich die Muttergesellschaft des Augsburger Unternehmens – die Also Holding AG – entschieden, das Geschäft am ehemaligen Weltbild-Standort nicht mehr zu finanzieren. Die Geschäftsführung der Also Logistics Services GmbH steht daher vor der Entscheidung, einen Insolvenzantrag zu stellen. Eine Option sei aber auch, dass man sich doch mit Arbeitnehmervertretern einige.

Die Also Logistics Services GmbH ist eine Tochter des europaweit tätigen Also-Konzerns, der seinen Firmensitz in der Schweiz hat und auf Logistik-Dienstleistungen spezialisiert ist. Einer der Hauptaktionäre des Also-Konzerns ist wiederum die deutsche Droege-Gruppe, die seit dem vergangenen Herbst der neue Eigentümer der Weltbild-Gruppe ist. Zu Weltbild gehört nach der Insolvenz im vergangen Jahr allerdings nur noch das Versandgeschäft und das Filialnetz.

Vom Filialgeschäft hatte Weltbild in diesem Frühjahr insgesamt 67 Ladengeschäfte verkauft, bei denen sich die “Erwartungen an die Entwicklung des Geschäfts aufgrund zu hoher Struktur- und Mietkosten nicht erfüllt” hatten. Der Käufer war die Buchhandlung Lesensart Rüdiger Wenk GmbH, für die jetzt ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt wurde.

Von der Insolvenz der Buchhandlung ist man bei Weltbild nach eigenen Angaben “überrascht worden“. So äußert sich der Ausgburger Multichannel-Händler nun auch im Hinblick auf Also.

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Über Stephan Randler 2731 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

3 Kommentare

  1. Naja,

    soweit ich das verfolge ging es nicht nur rein um die Kostenstruktur sondern auch darum, dass die Logistik auf Drittgeschäft überhaupt nicht eingerichtet ist und schon rein physisch Investitionen erfolgen müssten. Ist ja auch verständlich – Bücher / Kleinteile sind logistisch was anderes als grössere Artikel – weshalb Amazon ja schon ab 65 x 45 x45 cm einen Artikel als Übergrösse wertet und dafür eigene Versandzentren hat.

    Ob die Kollegen von der versteinerten Furt allerdings auch rein mental auf Drittgeschäft eingestellt wären, würde ich eh bezweifeln.

    Letztlich scheint doch das Problem zu sein, dass viele Mitarbeiter aber natürlich auch die Gewerkschaften überhaupt nicht realisieren können / wollen, dass deren Konditionen aber auch deren Arbeitsweisen völlig aus der Markt gefallen sind, wenn sie sich mit neuen grossen Onlinern oder den vielen kleinen Online-Händlern vergleichen würden.

  2. Und mal ne Interessensfrage bei der Gelegenheit:

    Gibt es eigentlich ne Übersicht was aus all den Versendern aus dem Quelle-Reich geworden ist?

    Gefühlt gibt es da doch 1/3 nicht mehr, 1/3 dümpelt so dahin und das letzte Drittel wird fröhlich von Investor zu Investor weitergereicht.

    Aber ne Übersicht wäre schon interessant.

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