Bestätigt: Otto-Gruppe schreibt wieder schwarze Zahlen

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Die Hamburger Otto-Gruppe wird das laufende Geschäftsjahr 2015/2016 (Stichtag: 29. Februar) wohl mindestens mit einer schwarzen Null vor Steuern beenden. Einen entsprechenden Online-Bericht der Wirtschaftswoche haben die Hanseaten jetzt auf Nachfrage von neuhandeln.de bestätigt. Bei einem Konzernumsatz von über zwölf Mrd. Euro netto im laufenden Geschäftsjahr wirkt eine schwarze Null im ersten Moment zwar nicht gerade berauschend. Der Handelskonzern dürfte mit dem ausgeglichenen Ergebnis aber dennoch sehr zufrieden sein. Schließlich war allein in dem vergangenen Geschäftsjahr 2014/2015 noch ein satter Verlust vor Steuern in Höhe von 125 Mio. Euro angefallen (siehe Grafik).

Otto Group Kennzahlen
Im vergangenen Geschäftsjahr schrieb der Konzern rote Zahlen (Bild: Otto Group)

Zur Erinnerung: Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Otto-Konzern gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. So hatte zum einen die Krise in der Ukraine das bislang sehr profitable Geschäft der Otto-Gruppe in Russland durch den Verfall des Rubels belastet. Die Umsätze waren dadurch um 23,5 Prozent auf 400 Mio. Euro gefallen, in Landeswährung betrug der Rückgang aber nur 2,5 Prozent.

In Deutschland wiederum hatten Investitionen in Handelsunternehmen das Ergebnis des Konzerns stark belastet. So wurde bei der Otto-Tochter myToys.de in einen neuen Logistikstandort investiert, bei dem Multichannel-Händler Sportscheck wiederum hatte es Umstellungen bei der IT gegeben.

Schwierig lief zudem das Geschäft in Frankreich, wo die Otto-Gruppe mit der französischen 3Suisses-Gruppe aktiv ist und neben verschiedenen Handelsgesellschaften auch Dienstleistungsunternehmen für einheimische Händler betreibt. Die Kernmarke der Gruppe ist aber der französische Mode-Versender 3Suisses, der von der Otto-Gruppe von einem Katalog-Versender zu einem Online-Pureplayer umgebaut wurde. Hier wurden im vergangenen Jahr keine Kataloge mehr verschickt, wodurch die Umsätze gesunken sind – schließlich fehlten die traditionellen Print-Anstöße, um Kunden zum Bestellen zu bewegen. Dazu sind bei 3Suisses auch Kosten für die Restrukturierung angefallen.

Die meisten dieser Brandherde hat die Otto-Gruppe nun aber wieder in den Griff bekommen, wodurch sich auch das Ergebnis wieder verbessert hat. So hat der Konzern beispielsweise hierzulande die IT-Umstellung bei SportScheck und den Umzug in ein neues Versandlager bei myToys.de abgeschlossen.

myToys.de-Gruppe: 16 Mio. Euro Verlust (EBITDA) in 2015/16

Durch die neue Logistik konnte man bei der gesamten myToys.de-Gruppe zudem ein zweistelliges Wachstum von 20 Prozent auf über 500 Mio. Euro netto erreichen, nachdem es im Vorjahr nur ein Plus von elf Prozent auf einen Netto-Umsatz von 424 Mio. Euro gab (zur Gruppe zählen die Online-Shops myToys.de (Sortiment: Spielzeug), Mirapodo (Schuhe) sowie Ambelllis (Damenmode) und der Shopping-Club Limango). Verbessert hat sich bei der Gruppe zwar auch das operative Ergebnis (EBITDA). Nach einem Minus von rund -28 Mio. Euro im Jahr zuvor fällt aber das EBITDA der myToys.de-Gruppe auch im laufenden Geschäftsjahr 2015/2016 mit -16 Mio. Euro deutlich negativ aus.

Die operative Verlustzone verlässt die Gruppe dagegen im laufenden Geschäftsjahr in Russland. Zwar verliere der Konzern hier weiter Umsätze. Die Hamburger haben dafür aber zum Beispiel ihre Ausgaben für Marketing reduziert, wodurch die Gruppe nun ein kleines positives Ergebnis erzielen kann.

Anders sieht es in Frankreich aus, wo die Umbauten bei der 3Suisses-Gruppe den Konzern auch im laufenden Geschäftsjahr wieder Umsatz und Ertrag kosten. Weil der Turnaround nicht geschafft wurde, will man „alle Optionen“ prüfen. Konkret dürfte es darauf hinaus laufen, dass sich die Otto-Gruppe von der Versendermarke 3Suisses trennt. Überraschen dürfte das Leser von neuhandeln.de aber nicht.

Denn bereits in den vergangenen Monaten hatte die Otto-Gruppe immer wieder Tochterunternehmen aus dem französischen 3Suisses-Konzern verkauft. So wurde zum Jahreswechsel der auf Print-Mailings spezialisierte Dienstleister Taylormail veräußert, zuvor hatte der Otto-Konzern bereits den auf Content-Produktion spezialisierten Dienstleister Cité Numérique aus der 3Suisses-Gruppe gelöst. Nach dem Verkauf von Cité Numérique und Taylormail soll auch der französische Textilanbieter Blancheporte den Besitzer wechseln, wo sich ein Management-Buyout anbahnt. Der ebenfalls aus der 3Suisses-Gruppe stammende Versender Becquet (Heimtextilien) soll zudem an die französische Firma Domoti gehen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich zwangsläufig die Frage, warum sich der Otto-Konzern nicht gleich von der kompletten 3Suisses-Gruppe trennt. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Denn neben einem Dutzend Versendermarken wie 3Suissses, Blancheporte und Becquet gehören zum französischen Unternehmen ja auch noch Dienstleister wie Dispeo oder Mezzo, die Logistik- und Kundenservice-Leistungen für Dritte erbringen. Nach Informationen von neuhandeln.de läuft dieses Geschäft aber gut, während die Otto-Gruppe mit ihren eigenen Handelsaktivitäten in Frankreich weiter Geld verliert. Viel spricht deshalb dafür, dass der Otto-Konzern sich in Frankreich von seiner Handelssparte trennt und sich in Zukunft auf das Geschäft mit Dienstleistungen für externe Händler konzentriert.

Übrigens: Im laufenden Geschäftsjahr rechnet die Otto-Gruppe trotz den Problemen in Frankreich mit einem Plus von vier Prozent beim Gesamtumsatz, nachdem die Hamburger im vergangenen Geschäftsjahr 2014/15 konzernweit nur minimal um 0,5 Prozent auf 12,1 Mrd. Euro zulegen konnten. Der Otto-Konzern ist mit über 120 Unternehmen in 20 verschiedenen Ländern aktiv. Neben zahlreichen Händlern wie SportScheck, Otto und Bonprix zählen zu der Otto-Gruppe auch noch Dienstleister wie Hermes oder EOS, die Logistik- und Finanzdienstleistungen für Dritte erbringen.

Zum aktuellen Plus von vier Prozent hat auch beigetragen, dass es gerade bei den Kerngesellschaften des Konzerns wie dem Otto-Versand, Bonprix, Hermes und EOS eine sehr gute Entwicklung gab.

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Über Stephan Randler 2790 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.