Quartalszahlen: Bei Zalando sinkt der Umsatz zum zweiten Mal in Folge

Der Mode-Händler Zalando hat auch das zweite Quartal 2022 mit einem Umsatzminus abgeschlossen. Denn in den drei Monaten von Anfang April bis Ende Juni 2022 ist der Netto-Umsatz um vier Prozent auf 2,62 Mrd. Euro zurückgegangen im Vergleich zur Vorjahresperiode. Damit sinkt der Umsatz der Berliner nun schon das zweite Vierteljahr in Folge. Denn bereits im ersten Quartal 2022 hatte sich der Netto-Umsatz reduziert.

Zalando Kartons
Bei Zalando sinkt der Umsatz jetzt erneut

Begründet wurde diese Entwicklung seinerzeit von Zalando damit, dass sich Verbraucher wegen Inflation und steigenden Kosten bei Kaufentscheidungen zurückgehalten hatten. Dass sich der Umsatz im ersten Quartal 2022 reduziert hatte, lag aber andererseits auch noch an der Plattform-Strategie der Berliner.

Denn der Wert der verkauften Ware – das so genannte Brutto-Warenvolumen beziehungsweise Gross Merchandise Volume (GMV) – hatte im ersten Quartal 2022 um ein Prozent zugenommen und einen Wert von 3,18 Mrd. Euro erreicht. Doch zeitgleich war der Umsatz um 1,5 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro gesunken.

Hintergrund war, dass mehr vom GMV über das Partner-Programm von Zalando erwirtschaftet wurde. Hier verkaufen externe Marken und Händler ihre Produkte bei Zalando. Die Berliner berechnen dafür Provisionen und Service-Gebühren, die zwar in den Netto-Umsatz einfließen. Diese Einnahmen fallen aber geringer aus als der Warenwert. Und diesen verbucht Zalando ja nur dann, wenn die Berliner selbst Produkte verkaufen.

Warenvolumen stagniert, Umsatz sinkt

Wenn also bei einem gleichen GMV mehr Ware über Partner verkauft wird, reduziert sich der Netto-Umsatz zwangsläufig. Und genau das ist jetzt im zweiten Quartal 2022 passiert. Hier konnte Zalando zwar ein GMV von 3,8 Mrd. Euro erzielen. Das entspricht aber lediglich dem Niveau des Vorjahres. Dass sich der Umsatz jetzt erneut reduziert hat, sei daher wieder „hauptsächlich auf den Wandel hin zur Plattform“ zurückzuführen.

Dagegen hätten externe Faktoren dazu geführt, dass es beim GMV im zweiten Quartal 2022 kein Wachstum gab. Denn nach eigenen Angaben haben Inflationsdruck, Lieferengpässe und ein geringeres Vertrauen der Verbraucher das wirtschaftliche Umfeld beeinträchtigt. Berücksichtigen muss man aber auch, dass gerade das GMV auf einem hohen Niveau stagniert. Denn in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren mehrere europäische Länder im Lockdown. Auch deshalb hatte sich das GMV im ersten Quartal 2021 um satte 55,6 Prozent erhöht, im zweiten Quartal 2021 gab es ein Wachstum von 40 Prozent.

Zalando Umsatz
Aktuelle Kennzahlen von Zalando für das zweite Quartal 2022 (Grafiken: Zalando SE)

Reduziert hat sich jetzt neben dem Umsatz auch das Ergebnis. So ist das bereinigte EBIT im zweiten Quartal 2022 von zuvor 184,1 Mio. Euro auf 77,4 Mio. Euro gesunken. Das begründet Zalando unter anderem mit verlängerten Schlussverkaufszeiträumen und Rabatten, um Überhänge zu verringern. Außerdem hätten Inflationsdruck und eine steigende Retourenquote das Fulfillmentkosten-Verhältnis negativ beeinflusst.

Um die Kosten pro Bestellung zu optimieren, hat Zalando einen Mindestbestellwert in weiteren Ländern eingeführt. Zudem sind die Berliner gerade erst in Rumänien und Ungarn gestartet. Zusätzlich wurde eine Mehrheitsbeteiligung am Streetwear-Spezialisten Highsnobiety übernommen, der neben einem Online-Shop auch eine Agentur betreibt. Mit den Schlüsselkompetenzen von Highsnobiety will man für Kunden im Online-Shop von Zalando künftig eine „aufregendere und ansprechendere Online-Umgebung“ schaffen.

Auch deshalb rechnet Zalando damit, das GMV im ganzen Geschäftsjahr 2022 um drei bis sieben Prozent steigern zu können, der Netto-Umsatz soll sich bis zu drei Prozent erhöhen. Beim bereinigten EBIT erwartet Zalando einen Wert von 180 bis 260 Mio. Euro. Um die Kosten anzupassen, hat Zalando bereits Marketing-Ausgaben reduziert. Zudem erwarten die Berliner positive Effekte durch die neuen Mindestbestellwerte.

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Über Stephan Randler 3211 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.