Aus von Allyouneed.de: Warum DPDHL seinen Online-Marktplatz aufgibt

Die Deutsche Post DHL Group (DPDHL) ändert ihre E-Commerce-Strategie. Deshalb verabschiedet sich der Konzern nun aus dem Geschäft mit Online-Marktplätzen. So geht noch im zweiten Halbjahr 2018 das Internet-Portal Allyouneed.de offline, das aktuell noch von der DHL Paket GmbH betrieben wird und im Herbst 2010 von DPDHL als Amazon-Alternative für deutsche Online-Händler gestartet wurde.

Allyouneed.de
Allyouneed.de wird in Kürze eingestampft (Bild: Screenshot)

Seitdem habe die Post als Marktplatz-Betreiber zwar „wertvolle E-Commerce-Expertise aufgebaut und ein tiefes branchenspezifisches Verständnis für den Online-Handel gewonnen“, wie es gegenüber neuhandeln.de heißt. Nun wolle sich der Konzern aber wieder auf sein „Kerngeschäft fokussieren“ – und dazu gehöre für DPDHL nicht der Betrieb eines eigenen Online-Marktplatzes.

Offline geht bald aber nicht nur der Online-Marktplatz Allyouneed.de. Denn zeitgleich wird auch die Online-Plattform Allyouneed City eingestampft, über die lokale Einzelhändler aus Bonn seit Herbst 2017 online verkaufen können – auch hier sieht sich der Konzern nicht als den „natürlichen Betreiber“.

Das Aus der Marktplätze betrifft im Konzern nun 40 Mitarbeiter, die sich auf freiwerdende Stellen in anderen Bereichen des Unternehmens bewerben können. Keine Auswirkungen hat die neue Strategie dagegen auf den Online-Supermarkt Allyouneed Fresh. Dieser wird auch nicht von der Post direkt betrieben, sondern durch die Berliner Allyouneed GmbH, an der die Post mehrheitlich beteiligt ist.

Weiterer Unterschied: Während auf dem Online-Marktplatz Allyouneed.de externe Händler ihre Sortimente verkaufen, stammt die Ware im Online-Supermarkt direkt von den Portal-Betreibern.

Bei Allyouneed.de dagegen verkaufen aktuell 3.000 Händler an rund fünf Mio. Kunden. Wie viele davon auf dem Online-Marktplatz auch aktiv sind, verschweigt die Post allerdings. Der Konzern verrät auf Nachfrage von neuhandeln.de auch nicht, welchen Umsatz die angeschlossenen Händler zuletzt über das Portal erzielen konnten. Das primäre Ziel sei von Anfang an aber auch gewesen, E-Commerce-Expertise aufzubauen und das Know-how dem „logistischen Kerngeschäft zugutekommen“ zu lassen.

Was soll der Konzern auch anderes sagen. Denn wirklich mitmischen konnte der Konzern im Konzert der Marktplatz-Riesen ohnehin nie. Nicht nur, dass andere Marktplätze hierzulande deutlich mehr Händler vereinen – eBay etwa hatte als letzte offizielle Zahl für Deutschland die Menge von 175.000 gewerblichen Anbietern kommuniziert. Auch das Wachstum bei Allyouneed.de war überschaubar. So kam das Portal nach Post-Angaben bereits im März 2013 auf 2.500 Händler, so dass sich seitdem auf Händlerseite nicht viel getan hat. Ohne Händler fehlt aber ein attraktives Angebot für Kunden. Und wenn diese ausbleiben, lohnt sich auch für Versender die Präsenz auf einem Marktplatz nicht.

Der Online-Marktplatz Allyouneed.de wurde im Herbst 2010 gestartet und wurde zunächst unter dem Namen „MeinPaket.de“ betrieben. Teilnehmende Händler zahlen eine monatliche Grundgebühr von 29 Euro, bei einem erfolgreichen Verkauf berechnet DHL Paket zudem eine Verkaufsprovision und dazu Transaktionsgebühren. Der Marktplatz wurde vor drei Jahren in Allyouneed.de umbenannt, um das Marktplatz-Geschäft zu internationalisieren und dabei eine einheitliche Dachmarke zu verwenden.

Als erste ausländische Sprachversion wurde ein Shopping-Portal für Kunden in Polen gestartet. Doch weitere Länder-Versionen kamen nicht hinzu. Vielmehr wurde auch der polnische Marktplatz bereits im Vorjahr beerdigt. Auch deshalb kommt es nicht überraschend, dass DPDHL nun auch den deutschen Online-Marktplatz schließt. Dieser hatte nämlich nicht nur wenig Händler, sondern auch kein klares Profil. So positioniert die Post das Portal nichtssagend als „Marktplatz“. Ein Killer-Feature oder klare Mehrwerte kommuniziert man so aber nicht – weder gegenüber potenziellen Händlern noch Kunden.

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