Marktplatz-Flop? „Allyouneed City“ soll „wachsenden Online-Handel abfangen“

Auf neuhandeln.de hatte ich bereits über den bevorstehenden Start berichtet, nun ist es amtlich: Ab sofort betreibt Paket-Zusteller DHL mit „Allyouneed City“ einen weiteren Online-Marktplatz, nachdem Händler bereits seit sieben Jahren über das DHL-Portal Allyouneed.de (zuvor: MeinPaket.de) verkaufen können. Während hier aber Online-Händler aus ganz Deutschland aktiv werden können, richtet sich das Online-Projekt „Allyouneed City“ ausschließlich an stationäre Einzelhändler, die aus Bonn stammen.

Allyouneed City
Der neue Marktplatz (Bild: Screenshot)

Diese sollen nun über den neuen Online-Marktplatz ihr Geschäft in der Region bewerben und so „ebenfalls vom anhaltenden E-Commerce-Wachstum“ profitieren, wie DHL argumentiert. Dabei können Händler wahlweise nur Informationen über ihr lokales Geschäft abbilden wie Öffnungszeiten und Sortiment – oder direkt online verkaufen.

Einkaufen können dabei zwar prinzipiell Kunden aus ganz Deutschland, da ein bundesweiter Versand durch – natürlich – DHL angeboten wird. Im Fokus stehen dennoch Verbraucher aus Bonn (Motto: „Lokal einkaufen“).

Denn diese will man unter anderem damit ködern, dass Bestellungen in der Region bereits innerhalb von 120 Minuten zugestellt werden können. Und damit bei den teilnehmenden Händlern hier auch nichts anbrennt, läuft der Versand recht simpel ab. So müssen Händler bei der Zustellung an Kunden in der Region die Ware weder verpacken noch ein Versandlabel drucken. Stattdessen wird an der Ware nur ein Code vermerkt, den DHL dann über eine App dem entsprechenden Empfänger zuordnen kann.

Mit diesem Ansatz sollen lokale Händler nun „den wachsenden Online-Handel abfangen und Umsätze in der Region halten“, wie der am Online-Projekt beteiligte Einzelhandelsverband „Bonn Rhein-Sieg Euskirchen“ glaubt. Doch wahrscheinlicher ist, dass der Marktplatz floppt. Denn aktuell ist für Kunden das Angebot überschaubar. Prinzipiell sollen auf dem Online-Portal zwar rund 2.000 Händler aus der Gegend vertreten sein. Zum Start sind aber momentan erst rund 90 Händler registriert – und davon verfügt nur die Hälfte über ein digitales Schaufenster oder einen eigenen Shop auf dem Portal.

Ob es für Kunden attraktiver wird? Wahrscheinlich nicht. Händler müssen sich jedenfalls schon fragen, warum sie auf einen unbekannten Online-Marktplatz setzen sollten – wenn sie ihre Ware genauso gut einem Millionenpublikum bei den Platzhirschen Amazon und eBay präsentieren können. Um mehr Reichweite zu generieren, beklebt DHL zwar Plakate in der Stadt und wirbt im lokalen Radio. Dadurch erreicht DHL aber immer nur Kunden aus der Region. Dabei können Händler aus Bonn doch über Amazon und eBay bundesweit verkaufen – und so viel eher „die Umsätze in der Region halten“ als über einen unbekannten Online-Marktplatz, dem sowohl Händler, Angebot als auch Reichweite fehlen.

Gerrit Heinemann
Gerrit Heinemann (Bild: eigenes Foto)

„Neue Marktplätze müssen massiv in Werbung investieren, um schnell eine relevante Reichweite aufzubauen“, mahnt auch Handelsexperte Gerrit Heinemann (siehe Foto), der das eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein leitet. „Doch durch Werbung generierte Reichweite wirkt nur nachhaltig, wenn es beim Besuch des Portals keine Enttäuschung gibt.“

Diese sei aber vorprogrammiert, wenn auf einem Marktplatz nur wenige Händler vertreten sind und damit das Angebot überschaubar ist.

Bei lokalen Markplätzen droht dieses Szenario besonders, da das Einzugsgebiet begrenzt ist und ja immer nur Händler aus der Region dort verkaufen sollen. So droht ein Teufelskreis: Ohne Kunden kommen keine Händler – und ohne Angebot ja keine Kunden.

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